Die postfaktische Kartoffelkrise und alle schauen zu.

Die Gesellschaft wandelt sich – und zwar so rasant, dass alte Sprüche heute schneller verrotten als ein liegengebliebener Biomüllsack im August. Weisheiten wie „Früher war alles besser“ gelten längst nicht mehr, weil früher niemand Twitter hatte, um das Gegenteil im Minutentakt zu beweisen. Der Verfall der Werte ist so omnipräsent, dass man ihn inzwischen als eigenes Wetterphänomen melden könnte. Und der Klimawandel sorgt dafür, dass selbst die Moral schmilzt wie ein Schokoriegel im Handschuhfach.

Natürlich gibt es jene, die meinen, die Welt sei aus dem Gleichgewicht geraten, weil die Covid‑Impfung angeblich die letzten Reste gesunden Menschenverstands weggeboostert habe oder weil Chemtrails uns täglich neue Dummheiten in die Atmosphäre pinseln – wissenschaftlich ist das so haltbar wie ein Papierschirm im Monsun - egal ist es trotzdem.

Aber sicher, ganz sicher, so hört man es in den hitzigen Kommentar‑Katakomben, sei alles die Schuld von Habeck und den Grünen, die angeblich sogar den Sonnenaufgang regulieren, die Kartoffelpreise festlegen und heimlich entscheiden, wie viel Hirnleistung jeder Bürger pro Woche zugeteilt bekommt.

Früher hieß es: „Der dümmste Bauer erntet die dicksten Kartoffeln.“

Heute ernten selbst die dümmsten Bauern nicht mal mehr die größten Kartoffeln.

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