Die große Heuchelei - Fische sterben – Fakten auch

Die Fische sterben – sichtbar, hörbar, fast schon körperlich spürbar. In den ausgedörrten Flussarmen liegen sie dicht an dicht, als hätte jemand das Leben selbst zusammengeschoben wie ein Haufen nasser Lumpen. Das Wasser ist kein Wasser mehr, sondern eine lauwarme Brühe, die nach Verwesung riecht und Sauerstoff nur noch als Erinnerung enthält. Morgens, wenn die Fischer anrücken, sehen sie die Tiere an der Oberfläche, Mäuler weit geöffnet, verzweifelt nach Luft schnappend. Ein Fisch, der Luft atmet – das ist wie ein Vogel, der unter Wasser fliegen will. Es zeigt, dass die Welt aus den Fugen geraten ist.

(Symbolbild)

Hans Gschwind, erster Gewässerwart des Straubinger Bezirksfischereivereins, beschreibt es nüchtern, aber die Verzweiflung steht zwischen den Zeilen. „Das Klima hat sich schon verändert“, sagt er. Früher hätte er das anders gesehen. Jetzt rücken er und seine Kollegen seit Wochen aus, pumpen frisches Wasser in die Altwasser der Donau, versuchen das Unvermeidliche hinauszuschieben. Doch die Hitze schrumpft alles zu Pfützen, und in diesen Pfützen drängen sich die Fische wie Gefangene in einer Zelle ohne Fenster. „Du kannst versuchen zu retten, was du retten kannst, aber irgendwann geht’s nicht mehr.“

Diese Männer kämpfen buchstäblich gegen das Sterben an – mit Pumpen, Schläuchen, Eimern, mit Händen, die Fische aus dem Schlamm heben, bevor sie dort ersticken. Es ist ein stiller, harter Kampf, ohne Kameras, ohne politische Schlagzeilen, ohne die Aufmerksamkeit jener, die sich sonst gern als Beschützer der Natur inszenieren.

Und genau hier wird der Widerspruch grotesk. Während Fischer versuchen, ein kollabierendes Ökosystem zu retten, schwingen sich rechte Gruppen zu angeblichen Vogelschützern auf – allerdings nur dann, wenn es darum geht, Windräder zu verhindern. Die Faktenlage ist eindeutig: Windräder töten vergleichsweise wenige Vögel. Hauskatzen hingegen reißen in Deutschland jedes Jahr Millionen Singvögel. Doch ein Verbot von Freigängerkatzen? Fehlanzeige. Ein Einsatz für die Fischereivereine, die jetzt um jedes Lebewesen kämpfen? Ebenfalls Fehlanzeige.

Stattdessen wird mit falschen Behauptungen Stimmung gemacht – gegen erneuerbare Energien, gegen Klimaschutz, gegen genau jene Maßnahmen, die langfristig verhindern könnten, dass Flüsse zu warmen Gräbern werden. Die Diskrepanz ist brutal: Wer wirklich Natur schützen will, müsste jetzt an der Donau stehen, Wasser pumpen, Fische retten, Klimaschutz unterstützen – und nicht mit erfundenen Horrorzahlen über Windräder Politik betreiben.

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