Aber was ist das Gegenteil von Populismus?

Das Wort Populismus wird zumeist von Menschen benutzt die es nicht verstehen. Was genau ist Populismus? Um das zu verstehen müssen wir als erstes Beleuchten was Populismus nicht ist.

Wir wenden uns also dem Gegenteil des Populismus zu. Um das aber tun zu können müssen wir das Gegenteil identifizieren. Hierzu gibt es keine klare Definition aber ein Wort tauch häufiger auf als andere und das ist die sogenannte Technokratie. Technokratie ist eng mit den Konzepten der Epistkratie, Expertokratie und vor allem der Aristokratie verbunden. In all diesen Konzepten herrscht eine Gruppe von „besseren Menschen“ über die „gewöhnlichen Menschen“.

Was einen zu diesem „besseren Menschen“ macht beantworten die unterschiedlichen Schulen unterschiedlich. Die Technokratie postuliert dass geschulte Experten Entscheidungen treffen sollen.

Wenn man etwa eine Straße ausbaut, dann mögen doch bitte die Experten für Verkehrswesen entschieden wie, wann und wo etwas gebaut werden soll. Die Technokratie ist also die Herrschaft der Wissenschaft, der Experten, der Gelehrten und ich selber war in jüngeren Jahren ein begeisterter Anhänger dieses Konzeptes.

Die Sache hat nur einen Haken: Der Experte für Individualverkehr will an der gleichen Stelle eine zwanzigspurige Autobahn bauen wo der Experte für öffentlichen Verkehr eine achtspurige Bahn hin bauen möchten, der Experte für Vogelschutz aber will genau dort ein Reservat für Amseln errichten und so weiter und so fort.

Es muss also über den Experten eine Gruppe geben die sagt welche Expertengruppe ihre Lösung umsetzen darf und diese Gruppe hat dann die totale Macht über alle. Inklusive der Experten.

Wenn das wie Feudalismus klingt dann liegt das daran dass es genau das gleiche Modell ist. Lokale Probleme werden von Adeligen gelöst (die vom König eingesetzt werden) und die Adeligen marschieren genau dorthin wohin der König möchte dass sie marschieren (weil sie sonst sehr rasch nicht mehr adelig sind).

Der Herrscher herrscht damit defakto absolut. Technokratie führt daher nicht zu einem System in dem die Experten wirklich entschieden. Technokratie bedeutet die Experten nicken ab was die Führung haben möchte. Eine Technokratie ist also eine Diktatur weniger über (fast) alle.

Als solche ist sie vor allem beliebt bei Menschen die denken dass „der Pöbel“ ohne Führung von oben sich selbst und die Welt kaputt machen würde.

Was aber ist Populismus? Populismus ist die exotische Idee dass der Staat dem Volk dient und als solches nicht tun soll was „gut für uns“ ist sondern „was wir haben wollen“. Der Populismus postuliert dass das Volk ohne Führung nicht nur genauso gut funktioniert wie mit ihr, sondern sogar besser und die Führung daher ein ausführendes Organ sein soll.

Zwischen Technokratie und Populismus liegt ein Spektrum und wir befinden uns in Mitteleuropa recht genau in der Mitte zwischen beiden. Die vorgebrachten Argumente für oder gegen die eine oder andere Herrschaftsform können aber auf die Sichtweise die der Einzelne auf seine Mitbürger hat heruntergebrochen werden. Der Populist vertraut seinem Nachbarn mehr als seinen Führern und beim Technokraten ist es eben anders herum. In der Mitte vertraut man beiden gleich viel oder gleich wenig.

Die Lösung liegt wohl nicht im Extrem sondern am Spektrum zwischen den Extremen und Debatten dazu sind wichtig und nützlich. Es gilt aber eben immer zu verstehen was die Worte bedeuten die man benutzt und zu verstehen dass man eventuell durch die Kritik an einer Sache eine andere Sache fördert die man in Wirklichkeit noch mehr ablehnt.

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Matt Elger

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Iktomi

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