Starbucks war einer der ersten der Juni seine Dekoration auf Regenbogenflaggen umgestellt hat. Starbucks ist auch jetzt einer der ersten der diese besagte Deko diskret abbaut.

Twitter definiert gerade „CIS“ als Schimpfwort.

Aber die Stadt Wien schmückt jetzt wie wild alles in Regenbogen, in einer Phase in der das halt wieder aus der Mode geht. Warum?

Weil die Politik halt immer ein Jahrzehnt hinter der Kultur nachhüpft.

In den 90iger Jahren als noch gerade der Teufel als Feindbild Hochkonjunktur hatte und hinter jedem Busch eine Sekte lauerte und jedes „nicht christliche Verhalten“ sofort einen Sektenverdacht mit sich brachte, war die Unterstützung für die Regenbogenflagge in der Politik nicht existent. Dann ging der Teufel aus der Mode und das Feindbild änderte sich und mit ihm die Idee wer jetzt gerade den Schutz der Politik brauchte.

Diese Änderung kam aber eben nicht aus der Politik, sondern aus der Kultur.

Die Politik ist üblicherweise davon geprägt so zu tun als wäre sie am Stand der Dinge und das bedeutet eben immer das zu sagen was der Mainstream schon seit Jahren sagt. Die Politik dreht sich eben wie ein Fähnchen im Wind, jedes Fähnchen nach seinem eigenen Wind, versteht sich.

Letztens plauderten Freunde von mir über den aktuellen österreichischen Politikskandal und waren schockiert, dass ich davon nichts wusste. Ich argumentierte, dass all diese Skandälchen unwichtig wären. Dass Disney im Moment kracht ist viel wichtiger, weil es zeigt wohin die Politik in 10 Jahren steuern wird.

Kultur ist relevanter denn sie legt die Schiene in der die Politik dann fährt.

Kulturschaffende verstehen den Satz aber sie verstehen ihn falsch. Case and Point: Disney.

Disney wollte seine Reichweite und Macht nutzen um eben eine politische Schiene zu legen in der die Politik dann fahren würde, scheiterte damit aber auf ganzer Linie. Der Kulturschaffende schafft eben nicht die Kultur, sondern Items die dann von der Bevölkerung konsumiert werden und was konsumiert wird hängt von einer Vielzahl an Dingen ab und ist gelinde gesagt chaotisch.

Was Kultur ist entscheidet das Volk: der Konsument der kulturellen Dinge.

Woke geht aus der Mode (dh: es verkauft sich nicht mehr).

Das bedeutet nicht notwendigerweise, dass Anti-Woke in Mode geht.

Der Weg scheint eher Richtung politische Ambivalenz zu gehen. Die meisten haben die Idee, dass „das Private politisch sei“ satt, deswegen verkauft sich der apolitische Super Mario Film gut, während das stets politisch korrekte Disneyzeug kracht.

Um zu Starbucks zurückzukommen: die Entscheidung Regenbogenflaggen aufzuhängen oder aber ins Lager zu stopfen hatte nichts mit Ideologie zu tun, es war und ist reine PR.

Starbucks hat nur eben ein Gefühl dafür was seine Kunden wollen und vor 5 Jahren wollten die Starbuckskunden das eine, jetzt wollen sie was anderes und Starbucks tut was die Mainstreamkunden wollen.

Starbucks hat damit eine Wechselwirkung auf die Politik aber nicht, weil sie das wollen sondern weil das was wir (nicht) konsumieren eine Indikation ist was wir wollen und was wir wollen ändert sich eben laufend.

Diese Änderung ist nicht gerichtet, kein Fortschritt oder Rückschritt, sondern basiert auf Trilliarden unterschiedlicher Überlegungen in den Köpfen der Leute die versuchen in einer komplizierten Welt zu überleben und das Resultat ist die aktuell (scheinbar) sinnvollste Weise das Leben zu leben. Mit Nebenwirkungen.

Vor 30 Jahren bedeutete das Angst vor Sekten zu haben, jetzt Angst vor dem Istophoben zu haben und in 10 Jahren werden wir andere Dinge tun die haarsträubend idiotisch sein werden. So ist halt das Leben und nur eine Sache ist sicher: die Politik wird immer erst mit voller Inbrunst zu einem Thema stehen wenn besagtes Thema nicht nur keinen mehr interessiert sondern beginnt toxisch zu werden.

Immer werden Menschen wegen diesen Ansichten (unverdient) profitieren und andere Leiden aber so ist das Leben eben.

Der Wunsch immer auf die sichere Karte zu setzen ist der Grund warum die Politik immer hinten nach ist und der Grund warum gerade die Spinner in der Politik die das nicht tun 20 Jahre später oft (meistens fälschlich) als Wegbereiter identifiziert werden.

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Zaungast_01

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Matt Elger

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