Welthunger durch Wegwerfgesellschaft bekämpfen

Der WDR hat, in bester deutscher Manier, mal wieder einen Clip produziert wie toll doch die Welt wäre wenn wir unser Essen nicht wegwerfen würden sondern mit der Welt teilen würden. Kumbaya! So einfach wäre es die Welt zu retten. Oder?

Zuerst gilt es zu erkennen warum in Europa so wenige Menschen verhungern. Der Grund dafür ist eben dass wir Essen wegwerfen. In schlechten Zeiten werfen wir wenig weg und in guten Jahren absurd viel. Solange wir aber Essen wegwerfen ist es für den Ottonormalverbraucher völlig unmöglich herauszufinden ob man sich in einem guten oder schlechten Jahr befindet.

Das Erkennt man nur am Gejammer der Bauern. In einem guten Jahr jammern sie weniger, in einem schlechten mehr.

In einem schlechten Jahr verhungern aber nur unmerklich mehr Menschen als in einem guten Jahr.

In anderen Teilen der Welt ist das anders. Dort wo nichts weggeworfen wird überleben in einem guten Jahr mehr Kinder und in einem schlechten Jahr verhungern mehr Menschen. Liefert man an solche Orte Nahrung führt das nur dazu dass mehr Menschen überleben, die Bevölkerungsdichte steigt und in einem schlechten Jahr verhungern wieder Millionen von Menschen. Erhöht man die Hilfe, erhöht man die Überlebensrate und damit die Anzahl derjenigen die dann in einem schlechten Jahr hungern.

Könnten wir die Welt durch Umverteilung ernähren? Natürlich. Aber wenige Jahre später nicht mehr. Dann gibt es zu viele Mäuler zu stopfen. Die Bevölkerungsdichte bleibt ja nicht gleich sondern ist praktisch nur davon abhängig wie viel Essen es gibt.

Warum aber ist es bei uns anders? Der Grund ist ironisch: weil Europa eben nicht sonderlich toll zum Leben ist. Um im nördlichen Europa zu überleben muss man im Sommer doppelt so viel produzieren wie man braucht um dann den Winter zu überleben. Mit etwas Glück.

Produziert man nur so viel wie man für die absehbare Zukunft braucht, verhungert man im Winter. Der Europäer ist also der Nachfahre von Menschen mit einem Überschussfetish. Mehr haben als man braucht, es zu bunkern und zu sichern ist die Basis unserer europäischen Kultur. Damit unterscheiden wir uns drastisch von den Kulturen an Orten in denen es das ganze Jahr über gut (zB Urwald) oder schlecht (zB Wüste) ist. In beiden letztgenannten Fällen macht es praktisch keinen Sinn Reserven im Umfang einer Halbjahresproduktion anzulegen.

Das zentrale Bauwerk der reichen Kulturen ist der Kornspeicher, nicht die Bank, nicht die Fabrik und mit Sicherheit nicht unsere Kirchen.

Nicht nur in Europa, auch anderswo ist das so. Dort wo mehr produziert wird als man braucht, verhungern weniger Menschen.

Eine Welt in der keiner verhungert ist eine Welt in der jeder in seinem Leben mehr produziert hat als er verbraucht hat. Die Wegwerfgesellschaft ist eine Folge eines Verhaltens das unheimlich viel Gutes geschaffen hat.

Eine Abkehr vom Überschuss hin zu „gerechter Verteilung“ ist ein Schritt zurück, zurück in eine Welt in der jeder hungert, jeder in den Tag hineinlebt und keiner an die Zukunft denkt, es ist ein Weg raus aus dem Informationszeitalter zurück in die Steinzeit.

Wer die Wegwerfgesellschaft verdammt, verdammt den Überschuss und damit den Grund warum unsere Kinder nicht wissen was Hunger ist.

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