Feminismus-Drama, Akt II

Der Kampf um die nächste US-Präsidentschaft ein Minderheitenprogramm für Polit-Süchtige in Europa? Mitnichten. Es wird uns sehr wohl alle betreffen, ob ein Clown-in-Chief wie Donald Trump echte Chancen auf den Einzug ins Weiße Haus haben wird oder Hillary Clinton als erste Frau.

Seit dieser Kampf mit den Vorwahlen in den Bundesstaaten Iowa und New Hampshire in die erste Runde gegangen ist, sind wir Zeugen eines ganz speziellen Dramas in der seltsamen Welt der Hillary C: Vor Monaten begann die ehemalige First Lady, die ehemalige Kandidatin um die Präsidentschaft, die ehemalige US-Senatorin und ehemalige US-Außenministerin mit der Wiederaufnahme ihres Dramas von 2008 unter dem Titel „Anspruch auf die Präsidentschaft“, ganz so als stünde ihr einfach aufgrund ihrer Biografie der Wiedereinzug in das Weiße Haus zu. Und dann das: In Iowa so knapp vor dem selbsternannten Sozialisten Bernie Sanders, der wie sie auch schon ein Viertel Jahrhundert in Washington als US-Senator zum Establishment gehört und dem es dennoch gelungen ist, sich als Gegner eben dieses Establishments zu positionieren – so knapp, das es schon wieder wie eine Niederlage aussah. In New Hampshire von eben diesen Sanders mit geradezu vernichtenden Abstand geschlagen.

Weil diese Entscheidungen aber noch gar nichts aussagen, sollte man die Aufmerksamkeit auf jenes Drama legen, das gerade gewissermaßen im Hintergrund abläuft und für das Hillary Clinton hauptverantwortlich ist. Die ganze Kampagne bis jetzt basierte eben auf dem „Anspruch auf die Präsidentschaft“ weil sie eine Frau ist – das Amt stünde ihr allein schon deshalb zu. Sie habe ihr ganzes Leben lang für Frauen gekämpft, wird sie nicht müde zu betonen.

Und dann das: Zwei Tage vor der Entscheidung in New Hampshire und vor dem Hintergrund verheerend schlechter Umfragen musste ausgerechnet Ehemann Bill Clinton losgeschickt werden, um den alternden Sozialisten Sanders verbal hinzurichten: Dessen Kampagne sei unehrlich und unrealistisch, der Senator selbst offenbar ein Sexist – und Angriffe in ähnlicher Tonart. Fast schien es als würde sich die Kandidatin hinter ihrem Mann verstecken und wäre ohne ihn nicht fähig, den Rivalen in Schach zu halten.

Sie war es auch mit ihm nicht. Aber was sagt das über Hillary Clinton, was über ihren Anspruch, immer schon für die Sache der Frau gekämpft zu haben („Nicht ohne meinen Mann!“), was über ihre Stärke als Politikerin?

Nachdem alles nichts genützt hat, titelte das US-amerikanische Online Portal „Politico“: „In wie großen Schwierigkeiten steckt Hillary Clinton?“

Die Antwort ist in Bezug auf die Sache der Frau einfach: In enormen! Denn in einem geradezu panischen Versuch, die Niederlage gegen „den Mann“ abzuwehren, suchte sie die Unterstützung unter anderem auch von der Ikone des Feminismus, Gloria Steinem. Und das ging atemberaubend gründlich schief. Mit ihrem Vorwurf, die jungen Frauen seien von Brüll-Opa Sanders nur deshalb so angetan, weil „dort die Männer“ sind und junge Frauen eben welche kennen lernen wollen und deren Gesellschaft suchen. Ob es Steinem zu spät aufgefallen ist, dass sie mit dieser Diskreditierung und stereotypen Zuordnung ihre eigene frühe Arbeit zunichte gemacht hat, ist trotz nachgeschobener Entschuldigung nicht ganz klar. Wenn es nämlich so wäre, wie Steinem glaubt, dass junge Frauen und überhaupt Frauen unter 45 fast zu 70 Prozent nur deshalb für Sanders waren, dann bedeutet das nichts anderes als: Sie hat in ihrem Bemühen um die Stärkung der Frauen versagt, die ganze Feminismus-Bewegung hat nichts erreicht, wenn junge Frauen in so alte Verhaltensweisen zurück fallen.

Die amerikanischen Wählerinnen aber haben es nicht verdient, so wenig ernst genommen zu werden.

Die Nominierung zur Präsidentschaftskandidatin der Demokraten im zweiten Anlauf erzwingen zu wollen, ist allein Sache Hillary Clintons. Frauen dabei in Geiselhaft nehmen zu wollen, geht weit darüber hinaus.

Es ist zu hoffen, dass uns das Clinton-Imperium Akt III etc. im Feminismus-Drama erspart. Das wäre allerdings die ultimative Seltsamkeit: Hillary stilisiert sich am Ende neuerlich als Opfer – dieses Mal als solches undankbarer Frauen.

politico.com/magazine/story/2016/02/new-hampshire-primary-hillary-clinton-213611

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