Die Ersten werden die Letzten sein?

Gestern hatte unser geliebter Staatssender die Mittelmäßigkeit der eigenen Schüler gefeiert. Heute zieht der ORF über die unsympathisch „davonziehenden Chinesen“ her:

https://orf.at/stories/3146296/

Dabei wird der Erfolg der Chinesen relativiert und in Zweifel gezogen, was das Zeug hält. Denn die Volksrepublik lasse nur „Sonderzonen mit speziellen Privilegien sowie wohlhabende und wirtschaftlich besonders entwickelte Vorzeigeregionen im Osten des Landes“ an der Studie teilnehmen. Diese seien oft auch „Standort von Kaderschulen“, die für die „Besten der Besten“ reserviert wären. Als „typisch für das gesamte Land“ können die Ergebnisse damit nicht gelten, wie auch die OECD sage.

Auch in anderer Hinsicht wären die Daten schlecht vergleichbar. „Zum Beispiel stellte China keine Daten zu Migrationshintergrund bei Schülerinnen und Schülern zur Verfügung.“

Ohne Angaben über die migrantische Bereicherung wären die Daten also nichts wert? Dass in China jene Bereicherung (die eben doch kein Naturgesetz ist) einfach nicht existiert, war unseren Sonderschülern unter den Journalisten wohl zu hoch.

Doch selbst wenn man zähneknirschend den Erfolg des auf „Disziplin, Konkurrenz und Leistung bis hin zum Drill aufgebauten Systems“ nicht völlig negieren kann, so ist man rasch bemüht, die Schattenseiten des chinesischen Strebertums aufzuzeigen. Die kleinen Chinesen litten aufgrund des Leistungsdrucks unter „Selbstmord, gesundheitlichen Problemen, Schlafstörungen, Sportmangel und Kurzsichtigkeit“.

Da lobt man sich unser gesundes Mittelmaß. Unsere gemütlichen, sozialen Migranten-Kids würden dankenswerterweise für unsere gestressten Streber-Kinder das System „entschleunigen“. Noch sozialer wäre es allerdings, wenn sich auch unsere Kinder an das gemütliche Niveau anpassen würden, und damit die kränkende Kluft zwischen Ösis und Migranten schließen würden, die der ORF gestern so heftig angeprangert hatte.

Eine Gesamtschule auf Migranten-Niveau würde lauter extrem entspannte junge Leute hervorbringen, die perfekt für die Schlaraffen-Ökonomie des „bedingungslosen Grundeinkommens“ qualifiziert wären, wie sie uns von ORF-Schulmeistern gerne gepredigt wird.

Bleibt zu hoffen, dass wir bald auf eine sehr große Erdölquelle stoßen, um uns jenes Schlaraffenland zu finanzieren, ohne es wie unsere Vorfahren oder die Chinesen-Kinder mit Verstand und harter Arbeit selbst aufbauen zu müssen.

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MartinUSH

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