Es ist eine Geschichte aus der Ersten Österreichischen Republik, kurz bevor sie ins Dritte Reich aufging. Zwei fröhliche Gruppen von Wanderern trafen in einem Naherholungsgebiet bei Graz aufeinander und freuten sich, dass sie die gleichen Lieder auf den Lippen hatten.

Gerade als sie im besten Fraternisieren waren, erkannten sie ihren Irrtum: Die eine Gruppe war christlich-sozial, die anderen waren Nazis. Aus dem fröhlichen Ausflug wurde eine wüste Schlägerei, auch Schüsse fielen, durch die glücklicherweise niemand verletzt wurde.

Da auch Beamte in den Vorfall verwickelt waren, kam es später zu einer disziplinarrechtlichen Untersuchung, die letztlich im Sand verlief. Der Vorfall ist deswegen aber aktenkundig.

Was lernen wir daraus? Nichts natürlich. Wir neigen nicht dazu, aus der Geschichte und Geschichten etwas zu lernen.

Aber wir könnten. Die oberflächliche Ähnlichkeit der beiden Gruppen – sie wanderten zur gleichen Zeit am gleichen Ort und sangen die gleichen Lieder – trug nicht zur Entspannung bei, im Gegenteil, sie wurde zur Ursache des heftigen Streits.

Die österreichischen Nazis und die Christlich-Sozialen waren nicht imstande, ihn mit Worten auszutragen, sie gebrauchten ihre Fäuste und eine Schusswaffe.

Es war auch nicht der Pöbel, es waren ehrenwerte Bürger, die sich vergaßen.

Fällt jemandem ein Grund ein, warum sich das nicht wiederholen sollte? Mir nur einer: Das Wandern und das Singen sind aus der Mode gekommen, die beiden Gruppen würden sich heute eher auf Facebook treffen als am Spazierweg. Daher könnten sie auch nicht aufeinander einprügeln, sie müssten sich auf heftige Worte beschränken.

Ach, das tun sie schon …?

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Livia

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G. Szekatsch

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fischundfleisch

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