Claudia Gamon

Flotter Schritt, knallrote Gummistiefel und ein „Hallo, ich bin Claudia“ prägen den ersten Eindruck, welchen diese Endzwanzigerin bei unserer ersten Begegnung bei mir hinterlässt. Zeit habe sie nur sehr begrenzt zur Verfügung, da alle acht Nationalratsabgeordneten der NEOS wahlbedingt eine Unzahl von Stunden für die Partei im Einsatz sind. Claudia Gamon, die junge Vorarlbergerin, welche sich als eine der beiden Frauen in der Riege der Neo-Abgeordneten 2015 einfand, wirkt kompetent und engagiert. Es herrscht für alle Zeitdruck. Ich komme gleich zur Sache, auch von ihr will ich wissen, wie wir als Gesellschaft mit Gewalt bzw. Gewaltverbrechern umgehen sollen.

Frau Gamon, was meinen sie, bringt einen Menschen dazu, an anderen Lebewesen Gewalt auszuüben? Was würden Sie selbst unternehmen, würden Sie von solch einem Geschehnis in ihrer näheren Umgebung erfahren?“

„Gewalt ein Männerproblem? Es gibt auch Frauen, die Gewalt ausüben. Wir haben in Österreich seit 20 Jahren ein Gewaltschutzgesetz. Hier hat Österreich eine Vorreiterrolle. Eine Verbesserung der Infrastruktur im Sinne der Täterberatungsstellen ist erforderlich. Es ist sehr wichtig, den Täter aus dem Gewaltzirkel herauszuziehen. Man muss den Kreislauf „Opfer – Täter“ unterbrechen! Ich selbst würde zuerst dem Opfer zuhören, hörte ich von einer Gewalttat in meinem Umfeld. Bestätigt sich dieser mir zugetragene Vorfall, würde ich zur Polizei gehen und den Übergriff melden.“

„Ich komme zu meiner Religionsfrage: Denken Sie, dass wir Menschen einen Glauben an eine höher geordnete Macht brauchen?“

„Diese Frage habe ich als Politikerin nicht zu beantworten. Religion ist meiner Meinung nach Privatsache!“

„Frau Gamon. Claudia, viele der Österreicher sind der Meinung, dass Politiker Marionetten der Banken und der Wirtschaftsbosse sind. Wie stehen sie dazu?“

„Ich kenne in allen Parteien integere Menschen. Alle Kollegen, welche ich kenne, wollen für das Land Österreich etwas tun. Um für uns NEOS zu sprechen: Wir legen alle Gelder offen. Sind diesbezüglich transparent. Wir machen Politik aus Überzeugung!“

„Nun zu den fünf Fragen, welche ich für einige Menschen Österreichs nun an Sie stellen darf: Es gibt eine Frage, wo eine Frau explizit bat, diese Frage an die NEOS zu richten... Zum vorgestellten Pensionsmodell: was möchten die NEOS dagegen unternehmen, dass die Arbeitgeber die Leute rausschmeißen, die aber noch länger arbeiten wollen?“

"Das hängt mit dem Pensionsaustrittsalter zusammen. Es hat primär auch mit der Einstellung der Österreicher zu tun. Wenn ich am ersten Tag meine Arbeit aufnehme und mich schon auf die Pension freue, so kann keine fruchtbare Koexistenz von Arbeitgeber und Arbeitnehmer entstehen. Wir NEOS glauben, Arbeit kann sinnstiftend sein! Generell sollte die Politik die Menschen mehr über dieses Thema Geld und Pension informieren! Es sind Modelle erarbeitet, wo man in Teilpension gehen kann. Zum Beispiel Schweden: wir schauen uns ja die anderen Länder, welche sehr sozial agieren, an. Prüfen deren Sozialmodelle. In Schweden ist es also so, dass es viele Menschen gibt, welche immer noch im Arbeitsprozess stehen und über 55 bzw. 60 Jahre alt sind. Vor allem Frauen! Die Menschen sollten wieder mehr Selbstbestimmung ausüben. Von Zwangspensionierung halte ich allgemein betrachtet nichts."

„Claudia. Wie fahren Sie zu ihrem Arbeitsplatz?“

„Mit dem Fahrrad, den Öffis oder ich suche mir über eine App private Taxisservices raus. Hier gibt es ausreichend Angebote, wo Menschen Mitfahrgelegenheiten anbieten.“

"Kommen wir zum Gesundheitswesen. Wo kann hier sinnvoll gespart werden?"

Man kann viel bei der Struktur an sich gespart werden. Zum Beispiel bei Krankenhäusern. Es muss nicht mehrere auf einem engen geografischen Raum geben. Keinesfalls aber darf bei den Leistungen und dem Personal eingespart werden!

"Eine Österreicherin stellte folgende Frage: Weswegen haben Sie sich schon mal geschämt?“

„Was die Politik betrifft, so glaube ich, tat oder unterließ ich noch nichts, wofür ich mich schämen hätte müssen.“

„Was tun Sie für Menschen, die aus der Gesellschaft geflogen sind? Wie Obdachlose, Drogensüchtige oder schwierige Jugendliche oder einsame Menschen?“

„Der Sozialstaat ist hierfür zuständig. Um ein Netz zu schaffen. Nicht nur, um diese Menschen aufzufangen. Sondern auch, um Integration zu erleichtern, neue Bereiche hierfür zu schaffen. Gerade bei schwierigen Jugendlichen ist eine gute Kinder- & Jugendhilfe unbedingt nötig. Was alte Menschen betrifft, so glaub' ich, ist dieses Thema in unserer Zeit eine große Herausforderung! Es sollten viele Initiativen von der Bürgergesellschaft ausgehen. Wir, Politiker können hierfür die Rahmenbedingungen schaffen.Wir NEOS vertreten diese Meinung: der Staat kann nur Rahmenbedingungen schaffen! Der Mensch selbst ist aufgefordert, sich zu engagieren. Es gibt bereits Infrastrukturen die gegen Vereinsamung, vor allem von älteren Menschen, schützen. Diese künftig weiter auszubauen ist sehr wichtig. Sozialsysteme sind als Sprungbretter für Wiedereinsteiger da. Dies, was Menschen betrifft, die schicksalsbedingt aus der Lebensbahn geworfen wurden!“

Ein kurzes und doch aussagekräftiges Gespräch. Wie ich meine. Wieder kommt die „neoistische“ Aufforderung an den Menschen durch: werde wieder selbstbestimmter!

Frau Claudia Gamon gab mir diesbezüglich einen kurzen Einblick, sie nahm sich, trotz enorm dicht gedrängter Termine, Zeit für mich. Für mich, die ich eine Unbekannte bin, welche amateurhaft durch die Welt der Politik wandert. Dies ist auch eine Form der Selbstbestimmung!

Ich möchte Euch noch darauf hinweisen, dass mir seitens der drei großen Parteien (SPÖ, ÖVP, FPÖ) nur ein einziger Mensch (Dönmez) – welchen ich persönlich anschrieb, Gesprächszeit gewährte. Von Parteien wie der FPÖ erhielt ich zu keinem Zeitpunkt Antwort. Nicht mal von der Einlaufstelle der Partei, wo ich mehrmals meine Anfrage hin richtete. Niemand der von mir direkt angefragten Nationalräte der FPÖ fand es überhaupt „wert“ meine Anfrage zu beantworten. Und lasst mich das nun bitte noch sagen, im Hinblick auf den baldigen Abschlusses meiner Gesprächsreihe „von Mensch zu Mensch“: Weder FPÖ noch SPÖ – angeblich die besonders volksnahen Parteien – wollten mir mir reden. Nichts. Niemand der Menschen aus diesen Parteien fand es erachtenswert die Gesprächsanfrage eines „kleinen Menschen aus dem Volk“ zu beantworten! Was sagt uns das?

Als selbstbestimme Bürgerin Österreichs habe ich das Beobachten und das Denken nicht verlernt. Längst blendet mich eine Fassade nicht mehr. Dazu bin ich zu alt. Man kann aber nie zu jung oder zu alt sein, es mir gleich tun. Nämlich: achtsam, beobachtend, respektvoll und dennoch kritisch an das Leben und die Menschen, welche unweigerlich unser persönliches Leben mitgestalten, heranzugehen.

„Hier in Wien der letzten Tage des Jahres 1897 herrscht eine Aufregung, die das Blut in Wallung versetzt und einem kaum noch Ruhe gönnt. Die Atmosphäre knistert geradezu vor politischer Elektrizität. Alle Gespräche sind politisch; jedermann erinnert an einen Generator mit abgewetzten Kontakten, der, angesprochen auf die politische Lage, alsbald blaue Funken versprüht. Ein jeder hat seine Ansicht und tut sie auch unverblümt und hitzig kund, der Fülle dieser Meinungen entnimmt man jedoch nichts als Verwirrung und Ratlosigkeit. Denn in Wahrheit versteht kein Mensch die derzeitige politische Lage, noch lässt sich ihr Ausgang vorhersagen.“ – Der amerikanische Autor Samuel Langhorne Clemens schrieb dies anlässlich seines zweijährigen Aufenthalts in Wien. Er durfte, da er ein damals sehr bekannter Schriftsteller war, bei Parlamentsdebatten dabei sein. Statt fanden jene im historischen Sitzungssaal des Wiener Parlaments. Er schrieb ein Buch darüber: „Turbulente Zeiten in Österreich“ – Erschienen 1898.

Der Autor war übrigens besser bekannt als Mark Twain.

„Damals“ – war die Endzeit der Monarchie eingeläutet. Die heutige „Energie“ erinnert mich an jene von damals. Ich begebe mich kurz in die Welt der geschichtlichen Erzählungen und Dokumentationen.

Wollen wir dieses Damals in jener Form nicht wiederkehren lassen.

Wenn die Neuauflage von Mark Twains Buch „Reportagen aus dem Parlament 1898 / 1899 am 4.Oktober 2017" in einer Sondersitzung des Nationalrats im großen Redoutensaal der Hofburg vorgestellt wird, ist es für uns noch nicht zu spät. Am 16ten Oktober 2017 könnte es aber zu spät sein!

Hinterfragen Sie! Beobachten Sie! Lesen die Wahlprogramme! Achten Sie auf die kleinen und die neu antretenden Parteien oder Listen! Und finden Sie sich selbst persönlich in einem ihrer Wahlprogramme wieder!

Und gehen Sie bitte zur Wahl! Unsere Vorfahren kämpften für diese Freiheit, in der wir heute leben. Wollen wir uns also respektvoll vor all den Menschen verneigen, welche ihre Freiheit, ihre Lebenszeit und oft auch ihr Leben für unsere Freiheit einsetzten. Im Namen der Demokratie!

https://www.ichtuwas.neos.eu/manifest

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