Die erbschaftssteuerfeindlichen Medien wie die Kronenzeitung feiern Kanzler Kurz vielleicht gerade wegen seiner Ablehnung der Erbschaftssteuer als den Wunderwuzzi der Krisenkommunikation.

Aber die Realität könnte anders aussehen:

Die einen Backwarenfirmen haben total geschlossen unter Berufung auf "Regierungsverordnungen", die anderen halten geöffnet.

Da die Regierung in der Krise - zumindest aus Wahrnehmung vieler - scheitert, setzen viele ihre Hoffnungen auf Heiligenanbetung.

Dieses selektive Schliessung hat natürlich auch einen Preiseffekt: Backwerk deckt sozusagen das Billigsegment ab, Ströck das Hochpreissegment. Wenn die Billigbackwarengeschäfte schliessen (unter Berufung auf "Regierungsverordnungen" ), hingegen die Teuerbackwarengeschäfte geöffnet bleiben, dann kommt das im Durchschnitt einer Preiserhöhung gleich: die Semmel bei Ströck kostet 39 Cent, bei Backwerk kostet(e) sie 25 Cent. Bei anderen Produkten ist Ströck um 100% teurer.

Und beide hatten bzw. haben weitgehende Öffnungszeiten, das heisst, wer außerhalb der Supermarktöffnungszeiten einkaufen wollte bzw. musste, musste auf eine dieser spezialisierten Backwarenfirmen wechseln.

Nun ist Brot ein absolutes Grundnahrungsmittel, und eine Brotpreiserhöhung in Zeiten der Krise, wenn zahlreiche Menschen auf welche Art auch immer verstärkte finanzielle Probleme haben, ist besonders unangebracht und sozial unsensibel.

Es stellt sich die Frage, inwieweit die populistische Rhetorik der Regierung diese Brotpreiserhöhung verursachte. Denn für Firmen mit geringer Gewinnspanne (also mit billigeren Produkten) ist es viel "lukrativer" (bzw. kann so erscheinen), total zu schliessen und auf angestelltenzahlabhängige Förderungen durch die Regierung zu setzen, während es für Firmen mit hoher Gewinnspanne (also mit teuren Produkten) lukrativer ist, den Verkaufsbetrieb offenzuhalten.

Auch die nationalistische Rhetorik der Regierung kann eine Rolle spielen: Ströck ist ein österreichischer Betrieb, Backwerk ein deutscher.

Die Totalschliessung von Backwerk ist daher vielleicht auch ein Protest gegen die nationalistische Rhetorik der Regierung, insbesondere der ÖVP.

Auch populistische Ansagen der Regierung, ihre Politik sei alternativlos oder sie wolle sich nicht entscheiden zwischen Wirtschaftsleben und Menschenleben, könnten die Krise verschärfen, statt sie zu lösen bzw. zu mildern.

Österreich gehört allgemein schon zu den Hochpreisländern im Lebensmittelsektor, in vielen Bereichen hat Österreich die teuersten Lebensmittel der EU.

Hier noch zusätzlich eine Brotpreiserhöhung durchzuziehen in Zeiten der Krise, ist besonders asozial.

Ein weiterer Aspekt der mangelhaften Krisenkommunikation wäre die clausula rebus sic stantibus-Frage, also die Frage, inwieweit eine Krise wie die Covid-19-Krise Verträge bzw. Vertragsbestandteile außer Kraft setzt (clausula rebus sic stantibus bedeutet, dass in allen Verträgen sozusagen eine zusätzliche unsichtbare Klausel enthalten ist, dass dieser Vertrag in seiner Gänze nur dann Bestand hat, solange die Dinge so im Großen und Ganzen so bleiben wie zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses, anders gesagt, dass Krisen den Vertrag teilweise oder gesamt aufheben können).

Ich als jemand, der in der Covid-19-Krise vertragswidrig in einem Lagerabteil genächtigt hat, das ich gemietet hatte, wurde übrigens vom ÖWD aus diesem Lager hinausgeworfen, also aus meinem eigenen Abteil, obwohl ich der einzige war, der in diesem Lagerhaus nächtigte, was aus Sicht der Ansteckungsgefahr sowohl für mich als auch für Andere eigentlich ideal gewesen wäre.

Soweit ich verfolgt habe, hat die Bundesregierung nichts zu diesem bzw. ähnlichen Thema/en gesagt.

Auch dass Kanzler Kurz heute sagt, auf das Tragen der Masken samt diesbezüglicher Pflicht zu setzen, obwohl er noch vor einigen Wochen sagte, gegen das Tragen von Masken, die nichts bringen, zu sein, ist zwar nicht ein Widerspruch im strengen Sinne, aber trotzdem keine gelungene und konsequente Kommunikationsstrategie.

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