Provozierte Angela Merkel Putin absichtlich zum Ukrainekrieg ?

Ich muss zugeben: ich bin als jemand, der sich lange mit Provokationen in Sport und Krieg beschäftigt, lange eher davon ausgegangen, dass es nur eine Form der Provokation gibt, die man eher als spezifisch männlich sehen könnte, die ich heute als Offensivprovokation einstufen könnte: ein Mann provoziert einen anderen Mann zu (größerer) Gewalt, indem er Beschimpfungen, Beleidigungen ausstößt oder geringfügige Gewalt anwendet.

Ein Beispiel dafür ist (in Anlehnung an die gerade stattfindende Fußball-WM) der Vorfall mit Materazzi und Zinedine Zidane im Finale der Fußball-WM 2006 Frankreich gegen Italien, der vermutlich so verlaufen ist: Materazzi hält Zidane am T-Shirt fest, was alleine schon ein Regelverstoß ist und mit einer gelben Karte für Materazzi hätte geahndet werden können oder müssen. Zidane sagt „Ich kann mein T-Shirt auch ausziehen, wenn Du es haben willst“. Materazzi soll geantwortet haben: „Preferisco tua sorella, la putana“ ( „Ich bevorzuge Deine Schwester, die Hure“ ). Zidane soll darauf angeblich ausgerastet sein, und Materazzi einen Kopfstoss verpasst haben, der letztlich zum Ausschluss von Zidane (aber nicht von Materazzi) führte, und so das offizielle Spiel zugunsten von Italien entschied.

Sowohl politisch überkorrekte Linke als auch Rassistisch-Rechtsextremismusverdächtige übertrafen sich daraufhin gegenseitig in Empörungstiraden gegen Zidane und verschwiegen aber Materazzis Anteil (außer in Frankreich, in dem als einzigem Land eine differenzierte Debatte möglich war). Zidane ist arabisch-algerisch-stämmig, aber in Frankreich geboren und seit jeher französischer Staatsbürger.

Der österreichische Fussball-Sport ist ebenso wie der österreichische Sportjournalismus (oder sollte man frei nach Karl Kraus sagen: „die Sportjournaille“ ? Nach Canaille/Gauner) traditionell pro-italienisch und manchmal anti-französisch, wenn es um solche Themen geht, weil Österreicher traditionell häufig bei italienischen Clubs als Legionäre spielen, kaum bei französischen.

Was unterkompetente Ex-Sportler ebenso wie unterkompetente Sportjournalisten verschwiegen oder unfähig waren zu erkennen und zu erwähnen, ist folgendes: Zidane hatte in den davor liegenden Jahrzehnten laut Eigenangabe 12 mal rote Karten und Ausschlüsse bekommen, wegen derartiger Faulprovokation. Und man kann annehmen, dass die Berichterstattung darüber rassistische, anti-arabische Untertöne, ebenso wie damals 2006.

Zahlreiche Spitzensportler haben ein aufbrausendes Temperament, sowohl arabisch-stämmig, wie auch nicht-arabisch-stämmig. Impulsivität kann ein Motor sein, hart zu trainieren und im Sport-Event-Einsatz Höchstleistungen abzurufen, auch wieder sowohl bei Arabisch-Stämmigen, wie auch bei Nicht-Arabisch-Stämmigen. Die impulsive Ader ebenso wie die fußballerische Genialität von Zidane war den Sport-Scouts und -Experten von Anfang an (Alter 12) bekannt. Und im Fußballsport ist es leider so, dass die Spitzenspieler (und Zidane war einer) oftmals gefoult oder zum Foul provoziert werden, weil das oft der einzige Weg ist, sie zu stoppen.

Man kann annehmen, dass Zidane sich 2006 sehr absichtsvoll provozieren liess, auch um die vergangenen 12 roten Karten seiner Karriere neuaufzurollen ( und die Berichterstattung darüber mit rassistischen Untertönen), um die Debatte auf ein lange totverschwiegenes Thema zu lenken, um in rebellisch-aggressiv-männlicher Art aufzudecken, frei nach dem Karin-Kneissl-Buch „Testosteron Macht Politik“, dass der früher stark korrupte und profitmaximierende Verein FIFA sich wegen Profitmaximierung jahrzehntelang geweigert hatte, Videoreferees und Richtmikrofone zu verwenden, um derartige Foulprovokationen transparent zu machen zu und nachweisen. Ich habe große Sympathien dafür, Zidane als Fussballgenie und Revolutionär des Fussball zu betrachten, als größte und großartigste Persönlichkeit zu betrachten, die der Profifußball jemals hervorbrachte, der tapfer seinen Ruf und einen Weltmeister-Titel opferte (oder zumindest eine Weltmeister-Chance), um Provokation zum Thema zu machen, um den Rassismus in der Berichterstattung aufzudecken, ganz im Sinne des US-palästinensischen Literaturwissenschafters Edward Said und seinem Klassiker des Postkolonialismus aus dem Jahr 1978 „Orientalismus“, in dem er die These vertritt, dass europäische und nordamerikanische Publikationen eine starke rassistische Tendenz dazu haben, Orientalen als Terroristen und Gewalttäter darzustellen. Dass die Möglichkeit, Osama Bin Laden könnte seinen 9-11-Anschlag als Revanche auf einen wie auch immer gearteten US-westlichen Wiederaufbauversprechensbruch aus dem Afghanistankrieg der 1980er Jahre begangen haben, von westlichen Medien verschwiegen wurde, passt ganz in Saids „Orientalismus“-These, ebenso wie vereinfachte Darstellungen oder Falschdarstellungen der Palästina-Wahl von 2006 in praktisch allen Medien von USA und EU. Algerien rein geografisch muss man eigentlich eher als südlich betrachten, und nicht als östlich-orientalisch, aber wenn man den ganzen arabischen Raum als orientalisch einstuft, dann fällt auch Algerien (das einen wichtigen Bestandteil von Zidanes Persönlichkeit darstellt), in die „Orient“-Kategorie. Algerien war auch Schauplatz des Bürgerkriegs zwischen Islamischer Heilsfront (FIS) und eher säkularen Parteien zwischen 1991 und 2001, nach einer kontroversiellen Wahl von 1991, bei der die FIS einen umstrittenen Wahlsieg erreichte. Dass Zidane einen säkularen, unislamischen Bezug zu seiner Algerienstämmigkeit hatte, und niemals islamische Tendenzen gezeigt hatte, wurde von den Medien verschwiegen.

Mein Vater war sehr dunkel, wegen des italienischen Einschlags und wurde bei Flugreisen in den späten 1990er-Jahren, nachdem Hamas-Anschläge und die von Netanjahu tolerierte Rabin-Ermordung durch einen israelischen Rechtsextremisten den Oslo-Friedensprozess eingeäschert hatten, oftmals 20-mal so lange und 20-mal so intensiv kontrolliert wie alle anderen Fluggäste, weil er wegen des Aussehens von den Behörden als verdächtig, ein arabischer Terrorist zu sein, eingestuft wurde. Ich wurde einmal bei einem Urlaub in Griechenland mit meinem damals tiefschwarzen, dichten lockigen Haar und der Sonnenbräune von Griechen als griechischer Hoteldieb eingestuft und fast verhaftet, obwohl ich ein zahlender österreichischer Hotelgast war. Meinem Vater wurden in der unmittelbaren Nachkriegszeit (1945-1965) wegen seines dunklen Teints des Öfteren der Zutritt zu Restaurants in Österreich verweigert, ganz ähnlich den Afroamerikanern in den USA der 1940er und 1950er Jahre vor der Bürgerrechtsbewegung, obwohl mein Vater ein gebürtiger Tiroler war. Auch, dass ich seit ca. 25 Jahren eine Art gefühlter „Staatsfeind Nr. 10“ war/bin, eine der bestüberwachten bzw. brutalstüberwachten Personen Österreichs, wegen Verdacht der Beteiligung an betrügerischer Krida und/oder Mord, könnte damit zusammenhängen, dass unsere Familie wegen der teils italinienischen, teils südslawischen Vorfahren einen so unösterreichisch-dunklen Einschlag hat. Ich machte mich völlig transparent, inklusive Runterfahren der Anti-Malware-Software, um meine Unschuld zu beweisen. Das könnte vielleicht dazu beigetragen haben, dass irgendwer diesen Text, an dem ich schon länger arbeite, abschöpfte, und an US-Präsident Trump weiterleitete. Dieser Text könnte daher vielleicht auch zum Friedensschluss mit dem Iran beigetragen haben, bzw. dazu, dass Trump zu Netanjahu auf Distanz ging.

Mit dem sogenannten WM-Skandal von 2006 hat Zidane vermutlich wesentlich dazu beigetragen, dass der Videoreferee eingeführt wurde, bei europäischen Fussball übrigens später als bei anderen Profisportorganisationen wie der „International Cricket Cooperation“ ICC. Ebenso dürfte Zidane dazu beigetragen haben, dass mit Issa Hayatou erstmals ein Afrikaner FIFA-Präsident wurde, wenn auch nur kurz und interimistisch.

Und Zidane hat vermutlich auch wesentlich dazu beigetragen, dass erstmals ein arabisches Land, nämlich Katar eine Fussball-WM zugesprochen erhielt. Was man auch nicht vergessen sollte: die WM 2006 war die erste WM nach dem Irakkrieg 2003, die westlichen Medien waren voll von Kriegspropaganda und anti-Saddam-Hussein-Rhetorik, die auch in anti-arabisches Vorurteil umschwappen kann. Auch wenn Deutschland und Österreich nicht teilnahmen am Irakkrieg, so waren sie stark geprägt von westlicher Kriegspropaganda und Kriegsrhetorik. Weniger als in den USA, aber immer noch beträchtlich. Zidane hat auch eine Ähnlichkeit mit Skisprunglegende Toni Innauer, der völlig unüblich und erstmals in der österreichischen Mediengeschichte sagte, die Nationenwertung bei Skisprung sei einzig dazu da, den Nationalismus anzuheizen, und so die Zuschauerzahlen und die Einnahmen zu verdoppeln. „Sporthelden“ wie Zidane und Innauer können eben Dinge tun und Wahrheiten aussprechen und Debatten in Gang bringen, die sonst niemand in Gang bringen kann.

Weiters: bei Skandalspiel Deutschland-Österreich Gijon 1982 war der Geschädigte Algerien, als genau das Herkunftsland von Zidanes Familie. Damals hatten das deutsche und das österreichische Fußballnationalteam taktisch und unsportlich gespielt, und genau das Ergebnis erzielt, das beiden den Aufstieg ermöglichte. Die deutschsprachigen Sportjournalisten der damaligen Zeit kritisierten das in Minimalkritik, was durchaus einen positiven Unterschied zu den „Sportlern“ darstellte. Spanische Medien sprachen von „El Anschluss“, weil Österreich und Deutschland (mit einzelnen Ausnahmen, darunter der Steirer Schachner) so spielten, als wäre es von einem gemeinsamen Nazi-Diktator befohlen. Dennoch hat kein einziger deutschsprachiger Journalist gemeint, dass eigentlich rein sportlich gesehen Algerien aufsteigen müsste, und der zweite Aufstiegsplatz zwischen Deutschland und Österreich verlost werden sollte. Kein Journalist hatte vor dem Spiel gemeint, dass das Timing und das Reglement problematisch sind. Kein deutschsprachiger Sportjournalist hatte gemeint, dass gemäß der Regeln bei den olympischen Spielen sowohl das deutsche als auch das österreichische Team ausgeschlossen hätten werden müssen. Kein Sportjournalist hatte gemeint, dass Deutschland wohl nicht ausgeschlossen werden kann, weil es vielfacher Weltmeister war/ist. Kein deutschsprachiger Sportjournalist hatte gemeint, dass Deutschland und Österreich trotz Spielmanipulation wohl nur deswegen aufsteigen, weil deutsche und österreichische Fußballfans zahlungsfähiger sind als algerische, und der FIFA so höhere Profite ermöglichen. Man muss davon ausgehen, dass Zidane dieses Spiel kannte, auch wenn er es in Interviews nie erwähnte. Die absolute Chuzpe war, dass vereinzelt deutsche bzw. österreichische Spieler meinten, es seien ja eigentlich die Algerischen Fußballer an allem schuld, weil sie nicht mehr Punkte und Tore geschafft hatten. Das ganze Spiel und das ganze Drumherum könnte bei Zidane zu einer tiefsitzenden inneren Groll-Ader gegen die FIFA beigetragen haben, die dann 2006 explodierte. Aspekte der Schuld für Zidanes „Impulsivität“ kann man nicht nur bei Zidane suchen, sondern auch bei der FIFA und in der Fußballgeschichte. Die Empörungs- und Verurteilungstiraden gegenüber Zidane im deutschsprachigen Raum können auch teilweise den Hintergrund gehabt haben, eine Mitschuld Deutschlands und Österreichs an Zidanes 2006-“Exzess“ wegen des Algerien schädigenden Skandalsspiels Deutschland-Österreich zu vertuschen. Nach dem Skandalspiel Gijon 1982 gab es Protestaktionen von Algeriern gegen FIFA, Deutschland und Österreich, bei denen sie Geldscheine in die Luft hielten. Ich stimme übrigens Zidane nach wie vor zu, dass auch Materazzi ausgeschlossen hätte werden müssen. Für mich ist das WM-Finale 2006 ungültig, und Frankreich und Italien gleichberechtigte Halbweltmeister.

Aber zurück zu Merkel und dem Verdacht, sie hätte Putin vielleicht zum Ukrainekrieg provoziert:

1.) die Debalzewo-Ausbuchtung in den Minsk-Abkommen von 2015 kann aus meiner Sicht eine klar kriegsprovozierende Wirkung haben, weil sie der militärischen Logik der Frontbegradigung widerspricht, weil sie die zwei „Separatistengebiete“ trennt und spaltet. Die Ukraine hatte davon gar nichts, der Schaden für die Separatisten war bzw. wäre beträchtlich. Gerade in Konflikten kann territoriale Kompaktheit ein wichtiges Thema auch für Konfliktdeeskalation sein, und diese seltsame Debalzewo-Ausbuchtung schien eher auf Eskalation hinauszulaufen, und nicht auf Frieden, im Unterschied zum Friedensblabla, das insbesondere in Frankreich und Deutschland um dieses Abkommen gemacht wurde. Allerdings war Merkel nicht die einzige Partei, auch Frankreichs Hollande und Ukraines Poroschenko waren beteiligt, es ist, weil die Diplomatie nach wie vor so intransparent ist, wie US-Präsident Wilson 1919 beklagte, völlig unbekannt, ob Merkel intern die Debalzewo-Ausbuchtung befürwortete, ablehnte oder ihr neutral gegenüberstand. Es ist auf jeden Fall seltsam, dass Merkel die Seltsamkeit der Debalzewo-Ausbuchtung niemals erwähnte, soweit ich das überblicke, auch nicht nach dem Ende ihrer Politikerin-Funktion. Rein von Außen betrachtet scheint in dieser Black Box Westen (in diesem Fall Frankreich-Deutschland-Ukraine) eher die Ukraine verdächtig, die treibende Kraft hinter der Debalzewo-Ausbuchtung gewesen zu sein, aber das ist unsichere Ferndiagnose von Außen. Wie so oft in der Geschichte wird man die Wahrheit vielleicht erst nach Ablauf 30- oder 50-jähriger Sperrfristen für Regierungsdokumente erfahren.

2.) Die extreme wirtschaftliche Abhängigkeit Merkel-Deutschlands von russischem Gas. Merkel trägt als Langzeit-Regierungschefin in wechselnden Koalitionen vermutlich die Hauptverantwortung dafür, dass Deutschland durch Kohleverstromungsausstieg und Atomausstieg völlig abhängig wurde von Putin und russischem Gas. Putin ist ein intelligenter Mann, und ging vermutlich davon aus, dass er den Ukrainekrieg nur dann riskieren sollte, wenn Chancen bestehen, die EU zu spalten und z.B. Deutschland aus dem Westen herauszubrechen. Und die extreme Abhängigkeit Deutschlands von russischem Gas, die Merkel durch die Ausstiegsentscheidungen geschaffen hat, kann daher Putins Kriegsentscheidung verursacht haben. Es bleibt die Frage, ob es Merkels Absicht war, Putin mit solchen Aktionen und Ähnlichem zum Krieg zu provozieren.

3.) Merkels persönliche Biographie: Merkel war in ihren Teenager-Jahren kurz einmal Mitglied einer SED-Jugendorganisation gewesen, aber sie anscheinend ziemlich angewidert davon, es gibt keine Weiterführung in ihren späteren Jahrzehnten. Im Gegenteil: Physik und Mathematik waren die einzigen unpolitischen, SED-fernen Studienrichtungen, die man in der damaligen DDR studieren konnte. Auch, weil Merkel gar keine Physiker-Karriere hatte, sondern eine Politikkarriere, kann man annehmen, dass sie Physik nur einer politischen Zwangslage heraus studierte, ohne innere Überzeugung und ohne tiefe Bindung an das Fach. Wenn man mit einer Zeitreisemaschine zurückreisen könnte in die 1970er Jahre und Angela Merkel aus der DDR entführen könnte und in die BRD verpflanzen könnte, dann würde sie wahrscheinlich Geschichte, Politikwissenschaft, Wirtschaftswissenschaft oder Rechtswissenschaft studieren oder studiert haben, und nicht Physik. Auch die Tatsache, dass Merkel sich der oftmals rabiat antikommunistischen CDU anschloss und keiner anderen Partei, kann man als Indiz dafür sehen, dass sie die größtmögliche Distanz zu allen Formen von Kommunismus, Sozialismus oder östlichem Despotismus suchte, und als einen Verdachtsmoment dafür, dass sie versucht haben könnte, mit verschleierter Kriegsprovokationspolitik Putin zu stürzen.

4.) Merkels Erfahrungen in der Politik: Merkel hatte ca. 2002, also ca. zur Zeit des Irakkrieges eine NATO-Bündnissolidaritätskampagne geführt, und damit gegen Schröder-Fischer und ihre vordergründig explizite Kriegsablehnung verloren. Ebenso hatte Merkel sich in der griechischen Schuldenkrise sehr weit aus dem Fenster gelehnt (Schäuble ebenso) und dafür von Medien, die Syriza/Tsipras nahestanden, Nazivorwürfe geerntet. Das alles können Gründe sein, warum sie es aufgab, transparente Politik zu betreiben, und zu einer im deutschsprachigen Raum weitverbreiteten intransparenten SchweigekanzlerIn-Politik überging. Ihre ständige Politik des „Meine Politik ist alternativlos, aber ich sage nicht, warum“ ebenso wie dieser „Mutti“-Appeal mit dem aus Kinder-TV-Serien („Baumeister Bob“ ) entlehnten „Wir schaffen das!“ hatte eine patriarchal-matriarchal-diktatorische Tendenz, die Bürger und -innen zu Kleinkindern zu erklären und zu bevormunden, und demokratisch-ehrliche Auskunft über Motive und Ziele, wie man sie Erwachsenen gegenüber betreiben müsste, zu verweigern. Eine solche Politik kann manchmal sogar gerechtfertigt sein, aber die Intensität und Häufigkeit, mit der Merkel das betrieb, kann man durchaus als übertrieben und verdächtig erachten. Eine ähnliche Meinung, dass Merkel zuwenig erkläre, vertraten übrigens auch CDU-Größen, wie z.B. Schäuble.

5.) Die Zarin-Katharina-Statuette in Merkels Büro: Merkel hatte eine Zarin-Katharina auf ihrem Arbeitstisch stehen und man kann vermuten, dass dieses Bild auch Putin bekannt war, weil die Medien es transportierten. Zarin Katharina (1729-1796) kam urspünglich aus einem eher kleinen und eher unbedeutenden deutschen Fürstengeschlecht, den Anhalt-Zerbst. Sie war anfänglich am russischen Hof als „Ausländerin“ isoliert. Ihr eigentlicher Mann, der Zar, hatte massive gesundheitliche Probleme und es stellt sich die Frage, ob er als amtsunfähig einzustufen gewesen wäre. Katharina hat sich sozusagen „hochgeschlafen“ und hatte zahlreiche außereheliche Affären mit russischen Offizieren, wobei sie deren Kriegspolitik nicht im geringsten kritisierte. Sie gebar einen Thronfolger, was ihre Stellung am Hof stärkte, auch wenn unklar ist, ob der Zar oder ein Offizier der Vater war. Wegen ihrer Nicht-Kritik am russischen Militärapparat wurde sie von diesem als würdig empfunden, Zarin zu sein. Zur Zeit der deutschstämmigen Zarin Katharina führte Russland zahlreiche Eroberungskriege, auch und insbesondere in der Ukraine. Wegen der deutschen Wurzeln kann Katharina aber auch als Versöhnungsaspekt zwischen dem deutschsprachigen Raum und Russland betrachten für einen etwaigen zukünftigen Friedensschluss. Auf jeden Fall konnte Putin die Katharina-Statuette auf Merkels Schreibtisch interpretieren als Zeichen von Merkel, dass sie oder Deutschland eine Katharina-ähnliche Politik betreiben würde, also Kriege des russischen Militärapparats nicht zu kritisieren oder dass Deutschland sich schnell für einen Kompromissfrieden einsetzen würde, oder auch, dass Deutschland schnell Katharina als Mittel zu Versöhnung verwenden würde. Zarin Katharina am Höhepunkt ihrer Macht hatte übrigens eine Art Männer-Harem. hauptsächlich russische Offizieren, und konnte jeden, den sie wollte, zum Sex abkommandieren, wovon sie intensiv Gebrauch machte. Russen der damaligen Zeit waren vermutlich oftmals wie viele Männer weltweit bei außerehelichen One-Night-Stands, wie es in derber Machosprache oft bezeichnet wird, eher orientiert an „Frischfleisch“: während sie mit der 20- bis 30-jährigen Katharina vermutlich gerne Sex hatten, brauchte es bei der 40- oder 50-jährigen Katharina vermutlich eine gewisse Zarinnen-Macht, um Männer ins Bett zu bekommen. Katharinas Quasi-Harem aus russischen Männern, vielfach Offizieren ist übrigens ein Beispiel für Matriarchat und Polyandrie/Vielmännerei, und bis zu einem gewissen Grad die geschlechterspezifische Umdrehung des Frauenharems des jüdischen Königs Salomo mit seinen ca. Dutzenden Frauen oder des Harems des islamischen Religionsgründers Mohammed mit seinen 8 bis 9 Frauen (oder auch kapitalistischer Harems wie von Elon Musk mit seinen 5 Frauen und 18 Kindern im Laufe der Jahrzehnte, der islamischem Geburtendschihad ähnelt; der vermutlich von Netanjahu-Israel in Teheran getötete Hamas-Führer Ismail Haniyeh hatte genausoviele Kinder wie Musk). Ähnlich wie in anderen Fällen stellt sich auch bei Katharinas Vielmännerei die Frage, wieviele russische Ehen sie damit gefährdete bzw. zerstörte und wieviele unglückliche Unterschicht-Russinnen Katharina schuf, die keinen Mann abbekommen konnten, weil Katharina am oberen Ende der Machthierarchie soviele Männer vom Beziehungsmarkt wegschnappte. Wir haben leider keine Zeitreisemaschine (und eine solche ist unmöglich), um in die Zeit Katharinas zurückzureisen, aber diesbezügliche Vermutungen sind naheliegend, gerade weil das Ostchristentum ebenso wie das Westchristentum auf Monogamie/Einehe beruht. „Du brichst das Treuegelübde aus dem Eheversprechen und fickst die Zarin Katharina, entgegen dem Versprechen, entgegen der christlich-monogamen Moral, Du Mistkerl!“ dürfte ein Vorwurf sein, den damals viele russische Ehefrauen ihren Ehemännern machten. Man kann vermuten, dass Russland auch damals schon eines der Länder mit dem größten Frauenüberschuss war, ähnlich wie im 20. oder 21. Jahrhundert, was Katharinas „Männerklau“ besonders problematisch erscheinen lassen könnte. Katharina war eher passiv, sie ließ den russischen Militärapparat gewähren, weil sie anfangs praktisch keine andere Wahl hatte, und weil es später zur einer Art Gewohnheit und Gewohnheitsrecht wurde. Die Episode mit den Potjomkin´schen Dörfern wirft ein vielleicht schlechtes Licht auf Katharina: Premierminister Potjomkin hatte nach der Eroberung der Krim Katharina durch Attrappen oder Kulissendörfer kutschieren lassen, und Katharina hatte dabei nichts überprüft oder kontrolliert, oder hinterfragt, entweder war ihr die Wahrheit egal, oder sie traute sich nicht, zu kritisieren und den Bluff auffliegen zu lassen. Auf jeden Fall kann man nicht wie Putin ableiten bzw. nahelegen, dass Katharina die Eroberungen zu ihrer Zeit befürwortet hätte, sie wäre vermutlich auch damit zufrieden gewesen, Zarin eines kleineren und friedlicheren Russland zu sein. Und als ausgegrenzte und geächtete Ausländerin war sie anfangs gezwungen, alles zu akzeptieren, was die russische Militärmaschine macht. Diesen einmal etablierten Mechanismus zu brechen, hätte möglicherweise ihre Absetzung bedeutet. So gesehen war Katharina genauso intransparent wie Merkel. Ein anderer möglicher Hintergrund der Potjomkin-Geschichte könnte folgender sein: Katharina war entsetzt über die Zerstörungen, die der russische Militärapparat angerichtet hatte, und hatte sich vielfach und intensiv für ein Wiederaufbauprogramm in den durch die russische Militärmaschine zerstörten Gebieten ausgesprochen, und alles, was der eigentliche Machthaber, der russische Militärapparat dann machte, war ein Paar Kulissendörfer und Attrappendörfer aufzustellen. In dem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, ob man Katharina nicht besser als „Halbzarin“ oder „Viertelzarin“ der damaligen Zeit bezeichnen sollte, und den russischen Militärapparat als „Halbzar“ oder „Dreiviertelzar“.

6.) Der NATO-Beschluss am Gipfel in Bukarest 2008: damals wollte eine Staatengruppe (USA, GB, Pl, Baltikum) die sofortige Aufnahme der Ukraine in die NATO (was den erweiterten Ukrainekrieg 2022 vermutlich verhindert hätte). Die andere Möglichkeit wäre gewesen: ewige Neutralität der Ukraine mit Ausnahme von Sondersituationen, was den Ukrainekrieg vermutlich auch verhindert hätte. Was die NATO letztlich beschlossen hat, war ein seltsamer Beschluss mit der maximalen Provokationswirkung, die man überhaupt erzielen konnte, nämlich die Ukraine wird sicher langfristig NATO-Mitglied, aber nicht in den nächsten 20 Jahren, was Putin als Signal verstehen konnte oder musste, in den nächsten 20 Jahren Krieg zu machen. Die NATO funktioniert so gesehen polemisch und überspitzt gesagt wie jede Demokratie nach der Methode der Verantwortungsverschleierung wie ein Erschießungskommando bei einer standrechtlichen/kriegsrechtlichen Erschießung: wenn alle schuld sind, ist niemand schuld. Wenn 20 Soldaten auf einen Verurteilten schießen, kann jeder dieser oder seine Familie hinterher sagen: „Wenn ich nicht geschossen hätte, hätten 11 oder 19 geschossen, und der Ausgang wäre derselbe gewesen“. Daß der damalige kanadische Premier Justin Trudeau so oft von „Putins unprovoked war“ sprach, kann auch den Hintergrund haben, dass er mit der Provokation nicht einverstanden hat, und nur aus Bündnissolidarität zugestimmt hat.

7.) Die völkerrechtliche Bewertung einer derartigen etwaigen Provokation ist nicht nur kompliziert (wie die deutsche Regierung über die Venezuela-Intervention sagte), sondern sehr kompliziert: einerseits kann man die Putin-Herrschaft in Russland als menschenrechtswidrig betrachten, was eine der Grundlagen für die Aktivierung einer Schutzverantwortung wäre. Unter gewissen Bedingungen könnte es daher völkerrechtlich geboten sein, Maßnahmen zu ergreifen, die zum Sturz der Putin-Herrschaft führen oder führen könnten. Es könnte realpolitisch auch unter gewissen speziellen Umständen gerechtfertigt sein, wenn der Westen Putin zum Ukraine-Krieg provoziert und dabei eine Million Ukrainer opfert, um die Putin-Herrschaft zu beenden, oder zumindest zu gefährden, weil es gewissermaßen eine Befreiung von 150 Millionen Russen und Russinnen wäre. Ich sage explizit: unter gewissen Umständen, darunter die Zusatzbedingungen der Schutzverantwortung, darunter auch die hohen Erfolgschancen, eine Minimalinvasivität, etc. Ob diese Zusatzbedingungen erfüllt sind oder nicht, ist sehr schwierig zu beurteilen, und man darf auch nicht vergessen, dass der Konflikt mit Russland, bzw. mit Putin-Russland ein Langläuferkonflikt ist und zahlreiche Vorläufereffekte hat. Auch die ferne Geschichte spielt hier mit hinein, der kalte Krieg 1948-1991, die problematische Art und Weise, wie zahlreiche westliche Staaten in der Schwächephase der 1990er Jahre Russland behandelt haben, etc. Einerseits spricht die grausame Kriegsführung Putins in den Tschetschenienkriegen gegen ihn, andererseits der Wiederaufbau Grosnys für ihn. Es stellt sich auch die Frage, inwieweit Fragen des Großmächtegleichgewichts eine Rolle spielen sollten, und ob der Westen so perfekt sei, dass es keine Gegenmacht bräuchte. Die Art und Weise, wie viele Jahre und Jahrzehnte lang problematische Uranförderung französischer Konzerne in Westafrika von den allermeisten West-Medien verschwiegen wurde, aber nach pro-putinistischen Putschen in westlichen Mainstream-Medien erstmals erwähnt wurde, könnte darauf hinweisen, dass eine aus EU-Sicht durchaus problematische Gegenmacht, wie ein Russland mit aus EU-Sicht problematischen Zügen, durchaus nicht rein negativ zu betrachten sein könnte, egal, ob unter Putin oder einem Nachfolger, sondern als positiver Aspekt der „multipolaren Weltordnung“, die Putin 2007 bei seiner Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz ansprach. Weiters ist zu betrachten, dass Russland keine langanhaltende demokratische Tradition hat, die Kerenski-Jahre 1916/1917 (während des ersten Weltkrieges) und die Ära des schweren Alkoholikers Jelzin in den 1990er Jahren waren eher Anti-Werbung gegen die Demokratie. Zusätzlich muss man betrachten, dass Rohstoffrentenstaaten allgemein eine Tendenz zu Despotismus haben, und das weltweit, Russland ist da kein Einzelfall, das ist in manchen arabischen Staaten ähnlich. In normalen Demokratien besteht das Staatsbudget großteils aus Steuerleistungen der Bürger und Bürgerinnen, was diesen auch Macht verleiht, während in Rohstoffrentenstaaten der Staat Rohstofferträge unter der Bevölkerung verteilt, was zu einer gewissen Passivität der Bürger und Bürgerinnen führen kann; das ist auch eine klitzekleine Kritik an einem Teil in Edwards Saids „Orientalismus“, das aber nach wie vor überwiegend wichtiges und richtiges Buch ist (Said war ein guter Literaturwissenschafter, kein Wirtschaftswissenschafter oder Soziologe, so gesehen kann man ihm das nachsehen). Auch der Gold- und Silberboom im Spanien der Conquistadores festigte die Monarchie, und war ein Hindernis bei der Demokratisierung (inwieweit das auch bei anderen Fällen der "holländischgen Krankheit" festzustellen ist, wäre noch zu klären). Es stellt sich auch die Frage, ob der Westen mit seinen als Provokationen einstufbaren Aktionen das „Geneva Statement on Ukraine“ aus dem Jahr 2014 gebrochen hat, wo es heisst „Alle Parteien enthalten sich …. der Provokationen“ („All Parties shall refrain ... from provocative actions“ ). Die russische Seite oder Teile davon (man kann u.A. Ex-Aussenministter Sergej Lawrow mutmaßen) beim „Geneva Statement on Ukraine“ hat vielleicht deswegen so auf dieses gedrängt, weil sie wusste, dass Putin leicht provozierbar ist. Dass Merkels potenzielle Provokationen schwer erkennbar waren, und nicht dem klassischen männlichen Provokationsmuster entsprachen, macht die Sache nicht besser, selbst wenn Merkel einen neuen, spezifisch eher-weiblichen Provokationstyp erfunden haben sollte, den man als „Unterwerfungsprovokation“ bezeichnen könnte, im Unterschied zur eher-männlichen Offensivprovokation, bleibt das Provokation. Die entscheidende Frage ist, ob Putin sich ohne Merkels möglicherweise absichtliche Unterwerfungsprovokation nicht getraut hätte, den erweiterten Ukrainekrieg zu beginnen. Und eine solche Frage ist sehr schwer zu beantworten. Auf jeden Fall kann es sein, dass rein rechtlich durch neu auftauchende Beweise einmal eine Situation entstehen kann, wo man sagen müsste, dass rein rechtlich Merkel genauso in eine Gefängniszelle in Den Haag gehöre wie Putin. Die Völkermordkonvention verpflichtet Staaten, alles zu tun, um einen Völkermord zu verhindern, und der Tod von einer Million Russen und Ukrainern ist ein Verdachtsfall in Sachen Völkermord. Ich habe auf jeden Fall die These, dass auch der Provokateur erwähnt werden müsse, bzw. eine Strafe verdiene, seit langem vertreten, auch und insbesondere im Fall Zidane, oder in der Frage der Debalzewo-Ausbuchtung. Vielleicht habe ich wegen Ähnlichkeit zu Merkel (beide Studium an Technischer Universität, ich hatte einen Urgroßvater, der lutheranischer Pastor war, genauso wie Merkels Vater lutheranischer Pastor war), Merkels mögliche Provokation lange, zu lange übersehen (allerdings konnte man das auch nicht in den Medien lesen, soweit mir zugänglich). Es kann durchaus sein, dass das Völkerrecht/das internationale Recht sich in solchen Fällen in Widersprüche verwickeln könnte, bzw. sehr schwer zu judizieren sein könnte. Diese Ansätze der „geteilten Schuld“ vertrat auch mein ehemaliger Professor und Quasi-Arbeitgeber Norbert Leser in Bezug auf den sogenannten „Bürgerkrieg“ Februar 1934. Ich führe also hier ein altes Analyseschema weiter, und vertrete keine neue Position.

Mir übrigens was Ähnliches passiert, wie Zidane und Putin. Einmal hat jemand, den man als linksextreme-Züge-habend beschreiben könnte, mich dazu provoziert, laut zu werden, und daraufhin wurde ich mit Hausverbot belegt, aber der Provokateur nicht. Und mindestens einmal haben mich Frauen zu einem Fehler provoziert, vielleicht auch unter Mitwirkung Anderer.

Generell gibt es Geschlechterdifferenzen auch bei der Provokation (ebenso wie es bei Mord Geschlechterdifferenzen gibt: Männer bevorzugen eher Schusswaffen, Frauen eher Gift). Auch Falschberatung kann man als eine Form der Fehlerprovokation bezeichnen, bei der eine „politisch-korrekte“ Halbe-Halbe-Quote annähernd gelten könnte.

Zwei weitere Verdachtsfälle von Kriegsprovokation durch Frauen, die diskutiert wurden:

1.) April Glaspie war 1990 US-Botschafterin im Irak, kurz bevor der irakische Herrscher Saddam Hussein Kuwait überfiel. Es gab Gespräche zwischen ihr und Saddam, manche Araber vertreten die Theorie, Glaspie hätte durch Neutralitätszusage Saddam zum Krieg provoziert. Allerdings hatte Saddam in den Gesprächen davon gesprochen, dass er es nicht erlauben könne, als Sklave zu erscheinen, der von der Großmacht USA herumgeschubst wird, oder so. An Glaspies Stelle hätte ich es mir in so einer Situation auch zweimal überlegt, eine mit dem US-Außenministerium unabgesprochene Warnung auszusprechen. Fazit daher: eher nein, eher keine Kriegsprovokation durch Glaspie. Saddams „Argument“ ist überhaupt problematisch: Viele deutsche Politiker haben nach der Weltkrieg1-Niederlage Erfüllungspolitik betrieben, und Kleinstaaten wie Österreich waren oft in der Geschichte wegen Kleinheit und Machtlosigkeit zu Unterwürfigkeit gezwungen, wofür vielfach Verständnis bestand.

2.) Bzgl. Falkland-Krieg (Malvinas-Krieg) 1982 wurde des öfteren behauptet, Großbritannien bzw. Margaret Thatcher bzw. ihre Regierung hätte die argentische Militärregierung Galtieri durch ca. 1%-ige Senkung des Verteidigungsbudgets zum Krieg provoziert. Da aber auch mit 1%ig geringeren Ausnahmen die britischen Streitkräfte ein für Argentinien übermächtiger Gegner waren, kann man davon ausgehen, dass das keine provokative Funktion hatte. Heute wissen wir, dass die argentinische Militärregierung hoffte, die USA würden die Monroe-Doktrin aus 1823 so interpretieren, dass es auf Seiten von Argentinien in den Krieg eingreift. Die Tatsache, dass Thatcher die 1984-Wahl ohne diesen Krieg vermutlich verloren hätte, lässt aber dennoch eine vage und dünne „cui bon?“-Überlegung („Wem es nutzt, der ist verdächtig“ ). Falls GB, bzw. Thatcher-Regierung oder Teile derselben in eine Provokation im Falkland-Malvinas-Krieg verwickelt gewesen sein sollte, so muss diese vermutlich auch Teile des argentinischen Militärapparats umfasst haben, was man dann anders interpretieren müsste. Thatcher kann man einiges vorwerfen: Unwissenheit über militärische Prozesse, Unwissenheit bzw. absichtliches Ignorieren von anfänglichen Sitzkriegsphänomenen der argentinischen Seestreitkräfte. Übertriebene Einmischung in die operative Kriegsführung. Instrumentalisierung des Krieges für Wahlkampf. Versuch, mit der Belgrano-Versenkung an den Churchill-Mythos mit der Bismarck-Versenkung anzuknüfpen, obwohl Falkland-Malvinas-Krieg und zweiter Weltkrieg völlig unterschiedlich waren. Mangelhafte Grenzsetzung gegenüber den britischen Streitkräften (da vorhersehbar war, dass der Falklandkrieg viel kürzer sein würde als der zweite Weltkrieg, wäre es ausreichend gewesen, ein oder zwei Torpedos in die Belgrano reinzuschiessen, wonach sie eine lange Reparatur gebraucht hätte. Drei Torpedos in die Belgrano reinzuschiessen und sie zu versenken mit 200 Toten, kann man als übertriebene Härte betrachten, aber knapp unterhalb der Schwelle des Kriegsverbrechens, denn die Belgrano war ein Kriegsschiff und somit rein kriegsrechtlich gesehen ein legitimes Kriegsziel. Es wäre auch aus britischer Sicht vorauszuahnen gewesen, dass Argentinien seine Anti-Schiffsraketen (französische Exocet) auf den kleinen und schwerer zu treffenden Zerstörern bündeln würde, und nicht auf dem größeren und leichter zu treffenden Kreuzer Belgrano, der nur maximal dazu vorgesehen war, unter Umständen etwaige zurückbleibende britische Schiffe anzugreifen. Die Belgrano befand sich zum Zeitpunkt des Abschusses auf einem Kurs nach Westen weg von den britischen Seestreitkräften, was in etwa die Problematik hat, einen Flüchtenden in den Rücken zu schießen. Und man kann ihr auch außerhalb des Thema dieses Krieges viel vorwerfen. Aber alleinige Provokation zu diesem Krieg? Eher nein. Die Galtieri-Regierung war eine durchaus problematische (auch Galtieri persönlich), und Thatchers Gedanke nach Kriegseröffnung und Eroberung der Falklandinseln durch argentinische Infanterie, sie/ihn durch eine Kriegsniederlage zu stürzen, im Prinzip durchaus vertretbar. Andererseits kann man vermuten, dass die Härte von Thatcher bzw. Großbritannien im Falkland/Malvinas-Krieg dazu beitrug, dass Lateinamerika sich an den Ukrainekriegssanktionen von USA und EU nicht beteiligte. Ein Bedenken, das hartes Vorgehen langfristig schaden könnte, äußerte übrigens auch das britische Außenministerium bei Kriegsräten kurz vor und im Falklandkrieg. Auch das kann man als Prophetenschicksal betrachten: overruled, obwohl oder weil es damals recht hatte in Bezug auf einen wichtigen Aspekt.

(P.S.: ich bin leider völlig alleine und habe niemanden zum Korrekturlesen oder Redigieren, wie politische Profis es eben haben. Ich kann daher nicht ausschliessen, dass sich die eine oder andere mißverständliche oder problematische Formulierung in diesen langen Text eingeschlichen hat).

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