Da staunt der Laie und der Internet-Troll wundert sich: Die Ukraine hat mit gezielten Treffern gleich mehrere Rechenzentren des russischen Tech-Giganten Yandex lahmgelegt – und plötzlich herrscht in den Kommentarspalten eine bemerkenswerte, fast schon gespenstische Ruhe.
Wer hätte das gedacht? Plötzlich bricht die digitale Schlagkraft der heimischen Erregungsbewirtschaftung ein, und diverse Online-Aktivitäten sowie vermeintlich tiefschürfende AfD-Postings und Trollbeiträge verzeichnen plötzliche Einbrüche von satten 90 Prozent. Da flattert der Frust auf einmal nicht mehr millionenfach durch die Glasfaserkabel, weil schlicht und ergreifend im fernen Russland die Server qualmen.
Das führt zu einer hübschen kleinen Sinnkrise für all jene, die sich in den letzten Jahren so wunderbar als Teil einer angeblichen "Schweigenden Mehrheit" wähnten. Jahrelang wurde getippt, empört echauffiert und die eigene vermeintliche Ur-Überzeugung wie eine Monstranz vor sich hergetragen. Die bittere Erkenntnis folgt nun auf dem Fuß: Ganz so eigenständig schien der politische Kompass dann doch nicht zu sein, wenn er offenkundig stromabhängig von Moskauer Serverfarmen betrieben wurde.
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Man fragt sich unwillkürlich, wie viel von dem lauthals verkündeten Weltbild eigentlich aus eigener Feder stammte und wie viel einfach nur automatisierter Output aus der Retorte einer Trollfabrik war. Wenn ein paar gezielte Drohnentreffer auf russische Infrastruktur ausreichen, um den hiesigen patriotischen Diskurs fast komplett lahmzulegen, darf man sich schon fragen, wie robust dieses Fundament überhaupt jemals war.
Wie glaubhaft die eigene politische Haltung also im Rückblick war, darf sich jetzt jeder Betroffene einmal ganz exklusiv selbst ausrechnen. Vielleicht hilft es ja beim nächsten Mal, das Gehirn einzuschalten, bevor man auf den "Teilen"-Button drückt – ganz ohne Digital-Hilfe aus dem Kreml.
Hast du auch das Gefühl, dass manche Diskussionen im Netz seitdem erstaunlich inhaltsleer wirken?
Wer allerdings glaubt, dass nun auf allen Plattformen himmlische Ruhe eingekehrt ist, der irrt gewaltig: Auf „FuF“ hat das Trollaufkommen nämlich keineswegs nachgelassen – ganz im Gegenteil! Hier agieren die verbliebenen Gestalten fast noch aggressiver, weil sie krampfhaft versuchen, den massiven Ausfall aus der fernen Heimat zu kompensieren und die Quote zu halten. Doch das große Erwachen steht kurz bevor: Lange wird das nicht mehr gutgehen, denn bald versiegt die digitale Zufuhr endgültig, und ihnen wird schlicht das Futter ausgehen, sodass sie nichts mehr zu berichten wissen. Es ist am Ende genau wie bei einem hungrigen Hund, der längst nichts mehr in den Napf bekommt und deshalb panisch umso lauter bellt, während er auf den trostlosen Trümmern seines eigenen Lärms sitzt.
"Slawa Ukrajini!" und Щиро дякую kann man nur sagen.
Schon nach dem ersten Angriff ist die Trollrate auf die Hälfte zurück gegangen. Nach dem zweiten und dritten noch mehr:
Das wird auch in Bezug auf die Midtermwahlen in den USA interessant. Trump kann sich nun nicht mehr auf die Unterstützung aus Russland verlassen.