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Ja, wir haben bereits im Februar zu genau diesem Thema etwas veröffentlicht: und waren eigentlich damit schon durch, als die Dinge skurrile Wendungen genommen haben. Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt hat das 16jährige Mädchen Greta Thunberg eine Prophetin genannt. Das allein würde schon Stoff genug bieten, um darzulegen, daß wir es mit einer Art Klima-Religion zu tun haben, die jede Rationalität längst verlassen hat.

Und dann kam die nächste Meldung: Die Prophetin wünscht sich Kernkraftwerke. Und tatsächlich ist die klassische Argumentation der Kernkraft-Befürworter, daß man es mit einer vergleichsweise sauberen Art der Elektrizitätsproduktion zu tun habe. Das wiederum streiten Gegner gar nicht ab, sondern berufen sich auf das unkalkulierbare Risiko; also auf den Fall, der in Three Mile Island, Tschernobyl und Fukushima bereits dreimal eingetreten ist. Später kam dann das Dementi: Alles nicht so gemeint.

Wir haben uns im Nachgang unseres vorgenannten Artikels eine Sendung von Peter Lustig zum Thema Kernenergie angesehen, Erstausstrahlung war der 9. März 1992. Der 2016 verstorbene ZDF-Kultmoderator war erkennbar ein Gegner der Kernenergie. Auffallend ist aber, daß er sich bei „konventionellen Kraftwerken“ in der gesamten Sendung auf Kohle- und Gaskraftwerke berufen hat. In dieser Zeit war man – so irrational die Betrachungsweise der Kernenergie in den Nachwehen von Tschernobyl gewesen sein mag – deutlich sachorientierter als heute.

Dabei herrscht ja vielfach der Irrglaube, die BRD hätte den Atomausstieg bereits vollzogen. Aber das stimmt nicht. Sehen wir uns den Jahresdurchschnitt 2018 einmal an, stellen wir fest, daß der Anteil der Kernkraftwerke bei 13,1 Prozent lag. Diese Energiequellen fallen bis zum 31. Dezember 2022 weg. Das ist nicht mehr lange. Bei Braun- und Steinkohle kommt man kumuliert mal eben auf fast vierzig Prozent. Und diese Kraftwerke sollen dann einige Jahre später auch abgeschaltet werden?

Gute Nacht, Marie!

Das entscheidende ist aber etwas anderes: Der Jahresdurchschnitt ist zwar informativ, hilft jedoch nicht weiter. Es gibt verschiedene Auslastungsphasen: Wenn abends alle zuhause sind, Essen kochen und Fernsehen gucken, dann braucht man deutlich mehr elektrische Energie als nachts um zwei, wenn fast alle schlafen. Die Gesamtbewertung des Kalenderjahres 2018 ist daher hochkomplex und zeigt, daß man mit Parolen wie „Wer nicht hüpft, der ist für Kohle“ zur Energiesicherheit nichts beiträgt.

https://www.wiado.de/strommix-deutschland-2018/

Und was machen wir, wenn der Blackout droht? Zur Not wird die Schwerindustrie mal eben vom Netz genommen. Dann wird es in so einer Fabrik ohne Vorwarnung dunkel. Was das über die Qualität des Hochlohn- und Hochleistungsstandortes BRD aussagt, kann sich ja wohl jeder selbst denken. Die Energiesicherheit gehört zu einem entscheidenden Standortfaktor. Gut sieht es darum aber nicht aus – erst recht nicht, wenn man bedenkt, was uns in der Zukunft alles droht.

Wir brauchen Versorgungssicherheit

Manch einer verwechselt einen großflächigen, mehrtägigen Blackout mit einem regionalen Stromausfall von einer Viertelstunde. Aber von wegen: Die Wasserversorgung kommt mangels Strom für die Pumpen zum Erliegen. In Krankenhäusern sind die Notstromaggregate nur für wenige Stunden ausgelegt. Was passiert in einer mittelgroßen Stadt, wenn mehrere Tage die Toiletten nicht benutzbar sind? Oder wenn die Tankstellen ihren Sprit nicht mehr durch die Zapfsäulen pumpen können?

Bei allem Respekt vor dem Idealismus und der Begeisterungsfähigkeit junger Leute: Wir müssen einen gesunden Mix im magischen Dreieck aus Bezahlbarkeit, Energiesicherheit und Umweltverträglichkeit finden. Das ist kompliziert – aber das Leben ist eben nicht so einfach, wie manche denken. Nur eins: Nach dem Waldsterben, dem Ozonloch und den Gefahren des nuklearen Winters werden wir auch die Kohleverstromung überleben. Wir müssen mit Vernunft und Rationalität an die Sache rangehen, auch wenn Herrn Hofreiter das intellektuell zu hoch sein mag.

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