Thilo Sarrazin http://www.thilo-sarrazin.de/fotos.html

Wir waren uns eigentlich sicher, daß auch der erneute Versuch, Thilo Sarrazin aus der SPD auszuschließen, scheitern würde. Warum sollte auch diesmal klappen, was bereits zweimal nicht funktioniert hat? Aus gutem Grund gibt es hohe Hürden für einen Parteiausschluß und dieser darf eben gerade nicht für innerparteiliche Machtkämpfe mißbraucht werden. Kurzum: Niemand darf nur wegen Unliebsamkeit ausgeschlossen werden, auch nicht Thilo Sarrazin. Und wir sagen: Die Entscheidung ist grundfalsch. Unserer Ansicht nach wäre Thilo Sarrazin in der jetzigen Situation der perfekte Kanzlerkandidat, um den Sterbeprozeß der einstigen Volkspartei aufzuhalten.

Ja, wir meinen das ernst: Ein Blick nach Dänemark und die dortigen Sozialdemokraten zeigt, daß es sehr wohl eine Chance gibt, sich dem Siechtum zu entziehen. Aber diese Chance liegt nicht links. Das umgekehrte Beispiel hat man in den Niederlanden gesehen, wo die Sozialdemokraten sich versucht haben, als Migrantenpartei aufzustellen und inzwischen nur noch eine Splittergruppe von etwa sechs Prozent sind. Und wenn man sich aktuelle Sonntagsfragen in den neuen Ländern ansieht, ist die SPD in Teilen der BRD davon auch nicht mehr weit weg.

Wir haben uns da schon vor längerem Gedanken zu gemacht: Was würden wir der SPD raten, wenn wir Unternehmensberater wären und den Karren aus dem Dreck ziehen müßten? Tatsächlich wäre die sinnvollste Überlebensstrategie, daß man die linke Gagapartei CDU rechts überholt. Denn diese bewegt sich im Moment so schnell nach links, daß selbst die Grünen Probleme haben, das Tempo mitzugehen. Wenn man die Wählerschaft als Markt betrachtet, so kann die Antwort nur lauten: Die SPD muß dort Kundenakquise betreiben, wo sich bislang niemand oder nur die AfD tummelt.

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Denn während die AfD derzeit mal wieder mit sich selbst beschäftigt ist und es in der Partei ohne Frage einige Rechtsausleger gibt, die für bürgerliche Wähler abschreckend sind, könnte die SPD mit Thilo Sarrazin an der Spitze genau diese Leute ansprechen. Und der Hauptvorteil wäre: Man könnte ihm nicht einmal vorwerfen, der AfD die Themen zu stehlen, denn Thilo Sarrazin hat beide AfD-Kernthemen bereits vor dessen Parteigründung besetzt und intensiv bearbeitet.

Wohin geht die Reise?

Thilo Sarrazin hat klargemacht: Er wird sich notfalls bis zum Bundesverfassungsgericht gegen einen möglichen Ausschluß aus der SPD wehren. Denn, auch wenn das vielen nicht klar ist: Die parteiinterne Gerichtsbarkeit ist nicht die letzte Instanz, sondern die Beschlüsse von Schiedsgerichten können von ordentlichen Gerichten aufgehoben werden. Deswegen sind Parteiausschlüsse ja so selten, denn ein internes Schiedsgericht macht sich angreifbar, wenn Entscheidungen von Gerichten außerhalb der Partei kassiert werden.

Wir wissen daher nicht, ob Thilo Sarrazin in der SPD bleiben kann. Wenn die Genossen aber weiter ihrem Multikulti-Traum der zwangsbunten BRD nachhängen, dann könnte die lange Geschichte dieser Partei schon in naher Zukunft vorbei sein. Ganz aktuell zeigt das Beispiel Nordrhein-Westfalen, daß die SPD den Kontakt zum normalen Arbeitnehmer längst verloren hat. Nicht umsonst macht sich die AfD zur Stimme der Kohlekumpel. Die SPD ist längst keine Arbeiterpartei mehr, aber wessen Interessen vertritt sie? Vermutlich weiß die Funktionselite der Partei das selbst nicht mehr und entsprechend machen sich die Genossen historisch obsolet.

Thilo Sarrazin dürfte mit seinen 74 Jahren wohl kaum noch politische Ambitionen haben. Die Pension der Bundesbank ist lukrativ und seine Bücher verkaufen sich auch ohne SPD-Mitgliedschaft. Ob ein Wechsel in die AfD wahrscheinlich wäre? Für die AfD wäre das ohne Frage wünschenswert, aber es sieht nicht danach aus, als würde Thilo Sarrazin das machen. Wir hoffen, daß er der BRD noch viele Jahre als eine Stimme der Rationalität und Vernunft erhalten bleibt. Denn genau davon gibt es in unserer infantilisierten Gesellschaft immer weniger. Wir haben seit 2010 alle Sarrazin-Bücher gelesen, auch wenn es manches mal schwere Kost war. Wir hoffen auf viele weitere.

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