Christian F. sucht seit geraumer Zeit Arbeit. Er ist erfahrener hochqualifizierter Kraftfahrer, besitzt alle Führerscheine (auch Arbeitsmaschinen und Stapler, LKW etc.), war u.a. bei den Wiener Linien, Notarztfahrer, Chauffeur am Flughafen u.v.m.

Nach langen unnötigen AMS-Kursen, in denen zu 80 % Teilnehmer sitzen, die kaum oder schlecht Deutsch sprechen, endlich nach über einem Jahr und zahllosen Vorstellungen, endlich ein Jobangebot bei einem Chauffeurdienst für alte und behinderte Menschen.

Es handelt sich um die Fa. ÖHTB in Simmering. Es ist ein erster Probetag vorgesehen, man sucht einen Fahrer für einen Bus. Alles scheint perfekt zu sein. Beginn an diesem ersten Tag: 6 Uhr. Kein Problem für Christian. Bei den Wiener Linien musste er Jahre lang um 4 Uhr raus zu Dienstbgeinn. Er will diesen Job. Das Warten zu Hause hat er satt. Um 5:50 ist er im 11. Bezirk, fragt sich durch. Stellt sich bei einem Mann vor. Um 6 Uhr ist kaum jemand in den Büroräumlichkeiten. Nur der Mann, ein Fahrer, ist da, der meint nur: "Do setzen's ihna hea!" Und deutet auf ein Sofa im Vorraum, wo es ungemütlich und zugig ist. Geduldig wartet Christian, dass jemand kommt, steht auf, geht herum, blickt in die leeren Räume, beobachtet das spärliche Kommen und Gehen draußen.

Niemand kümmert sich um ihn. Er wartet. Er will diesen Job. Endlich wieder hinter dem Lenkrad sitzen. Menschen sicher von A nach B bringen. Mittlerweile ist eine Stunde vergangen, 7 Uhr. Die Hoffnung ist ungebrochen.

"Jetzt muss ja jemand kommen", er blickt noch mal auf den Zettel. Adresse, Datum, ein Blick auf die Uhr, auch die Uhrzeit

- alles passt. "Ich bin richtig!"

Um 7:30 rauscht eine Frau an ihm vorbei. Schaut ihn kurz an.

"Jetzt!", denkt Christian, "es ist so weit, sie wird mich nach meinem Namen fragen, mich jemanden vorstellen. Für einen Tag am Beifahrersitz eines Mitarbeiters, so war es zuvor vereibart!"

Die Frau kehrt zurück. Kein "guten morgen", keine Freundlichkeiten. Dafür kommt in breitem Wienerisch: "Am easten Tog z'spät kumman? Des geht goa ned!"

"Ich war, bitte, bereits kurz vor 6 Uhr da!"

Die Antwort der matronenhaften Frau zerstört Christians Hoffnung auf den Job zur Hälfte!

"Und bled z'ruckreden, deees hamma schon gean!"

Christian schweigt, wartet, blickt der Matrone fest in die Augen. Er will diesen Job!

Um 8:30 sitzt er endlich auf dem Beifahrersitz bei einem langjährigen Mitarbeiter, der aus dem Alltag bei der Fa. ÖHTB plaudert, locker ohne zu beschönigen: "Überstunden zahlen's ned gern. Lustig ist das bei uns da nicht Und überhaupt ist der Job nicht gut bezahlt." Noch immer will Christian diesen Job.

Bei der Nachbesprechung, stellt sich heraus: 6 Tage Woche, 2 x mal im Monat. 45 Stunden Woche, brutto 1.350 Euro. Beim AMS hatte man ihm andere Daten gesagt.

Christian fährt nachdenklich mit dem 71er nach Hause zurück.

Ob er den Job angenommen hat?

Jeder kann jetzt unten schreiben, wie die Geschichte endet.

Meine Anmerkung: Prüft das AMS eigentlich vorher die Betriebe, die Jobs anbieten? Ich glaube nicht.

Der Fa. ÖHTB würde ich dringend empfehlen, manche Mitabreiter in sozialer Kompetenz zu schulen und in einen Kurs "Wie geht man mit neuen Mitarbeitern und vor allem mit Menschen um" - eine Art Willkommenskulturschulung - zu schicken - so jedenfalls nicht. Das ist unprofessionell und menschenverachtend.

Und vielleicht überdenkt man bei ÖHTB auch das Gehalts-Niveau, das wohl KV-gemäß ist aber sicher nicht angemessen und damit inakzeptabel.

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