Kriegswirtschaft – Eigentlich unglaublich! Es ist an der Zeit.

Am 21.11.2022 knallte es auf BILD.de aber so richtig. Knallhart also. Der ehemalige Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger [1], forderte in einem Gespräch mit BILD [2]:

Deutschland braucht die „Kriegswirtschaft!“

Wikipedia https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=30975719

Ischinger gegenüber BILD:

• „Der Bedarf an Gerät und Munition für die Bundeswehr und für die Ukraine ist dringlich und riesengroß.“

• „Offenbar haben allzu viele noch nicht begriffen, dass wir erst am Anfang der Zeitenwende stehen, und dass es tatsächlich richtigen Krieg mitten in Europa gibt, dessen Ende leider nicht absehbar ist.“

• „Wenn wir der angegriffenen Ukraine jetzt nicht mit allem, was wir haben, helfen – militärisch, finanziell, humanitär – dann wird Europa auf lange Zeit in eine Periode schwerster sicherheitspolitischer Unsicherheiten absinken, mit kaum abschätzbaren Folgen!“

Laut Ischinger müssen Entscheidungen „auf höchster politischer Ebene“ getroffen werden.

„Deshalb müssen entsprechende Prioritäten gesetzt werden.“

Ischinger hat laut BILD „die Bundesregierung aufgefordert, alles in die Wege zu leiten, um Deutschland in die „Kriegswirtschaft“ zu führen. Eine „Knallhart-Forderung“, wie es BILD in der Titelzeile formuliert.

Entschuldigung, möchte man als Bürger dieses Landes entgegnen, aber geht's noch? Hat Russland Deutschland oder ein Land der EU angegriffen? Ist der Verteidigungsfall eingetreten? Ist Deutschland in unmittelbarem Krieg mit Russland?

Kriegswirtschaft bedeutet, dass die gesamte Volkswirtschaft eines Landes der Produktion von Kriegsmaterial untergeordnet wird. Der Staat hat das Recht, sowohl über die Zuteilung von Rohstoffen als auch von Arbeitskräften zu verfügen und sie vorrangig für die Produktion militärischer Güter einzusetzen. [3] [4] [5]

Deutschland hat ja bereits reichlich Erfahrung damit. Im Zweiten Weltkrieg, in dem ein Großteil der kriegsunwichtigen Betriebe stillgelegt wurden und es auch für Frauen viel Arbeit in den zu Munitionsfabriken umfunktionierten Fabrikhallen gab, haben wir schon einmal einen Krieg gegen Russland geführt. Jetzt also wieder?

Noch einmal: Geht’s noch? Krieg gegen Russland?

Wikipedia https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=51147

Ich bin sprachlos. Mir fehlen schlicht die Worte. Deshalb möchte ich drei Herren zu Wort kommen lassen, die auf künstlerische Weise eindringlich Stellung beziehen. Mir ist kein aktuelles Antikriegslied bekannt, deshalb muss auf ältere Werke zurückgegriffen werden. Aber Lieder gegen den Krieg altern ja bekanntlich nicht.

Es ist klar, dass solche Lieder keinen Krieg beenden oder gar verhindern. Aber sie können die Menschen emotionalisieren und aufrütteln. Vielleicht auch zum Handeln bringen. Und wenn auch nur an der Wahlurne.

FRANZ JOSEF DEGENHARDT: „Eigentlich unglaublich“

Album: „…weiter im Text“, 1996

Deinem Urgroßvater

Haben sie erzählt:

Gegen den Erbfeind.

Für das Vaterland.

Und er hat das tatsächlich geglaubt.

Was hat er gekriegt?

Granatsplitter in Beine

Und Kopp

Vor Verdun.

.

Deinem Großvater sagten sie:

Gegen die slawischen Horden.

Für die abendländische Kultur.

Er hat das wirklich geglaubt.

Was hat er gekriegt?

Bauchschuß und

Einen verrückten Kopp

Vor Stalingrad.

.

Deinem Vater erzählen sie jetzt:

Gegen die Völkermörder.

Für die Menschenrechte.

Für den Frieden.

Unglaublich – Er glaubt's.

Was er wohl kriegt?

Und wo wird das sein –

Diesmal?

. . .

HANNES WADER: „Es ist an der Zeit“

Musik & Text: ERIC BOGLE – Deutsche Textfassung: HANNES WADER – Album: „Es ist an der Zeit“, 1980

Dieses Video ist die ursprüngliche Fassung von 1980. Als Begleitung wirken unter anderem WERNER LÄMMERHIRT und LYDIE AUVRAY mit.

Diese Fassung enthält dem Inhalt des Liedes entsprechende, teils eindringliche und drastische Bilder sowie den Text unter dem Video.

. . .

Zum Schluss das musikalisch eindringlichste Lied, gerade in der Livefassung und – noch eindringlicher! – gerade aus der Bundeshauptstadt BERLIN...

BOB DYLAN: „Masters Of War“

Album: „The Freewheelin’ Bob Dylan“ 1963, Berlin 2002

Come, you masters of war

You that build the big guns

You that build the death planes

You that build all the bombs

.

You that hide behind walls

You that hide behind desks

I just want you to know

I can see through your masks

.

You that never done nothin′

But build to destroy

You play with my world

Like it's your little toy

.

You put a gun in my hand

And you hide from my eyes

And you turn and run farther

When the fast bullets fly

.

Like Judas of old

You lie and deceive

A world war can be won

You want me to believe

.

But I see through your eyes

And I see through your brain

Like I see through the water

That runs down my drain

.

You fasten all the triggers

For the others to fire

Then you sit back and watch

While the death count gets higher

.

You hide in your mansion

While the young peoples′ blood

Flows out of their bodies

And is buried in the mud

.

You've thrown the worst fear

That can ever be hurled

Fear to bring children

Into the world

.

For threatenin' my baby

Unborn and unnamed

You ain′t worth the blood

That runs in your veins

.

How much do I know

To talk out of turn?

You might say that I′m young

You might say I'm unlearned

.

But there′s one thing I know

Though I'm younger than you

That even Jesus would never

Forgive what you do

.

Let me ask you one question

Is your money that good?

Will it buy you forgiveness?

Do you think that it could?

.

I think you will find

When your death takes its toll

All the money you made

Will never buy back your soul

.

And I hope that you die

And your death will come soon

I′ll follow your casket

On a pale afternoon

.

I'll watch while you′re lowered

Down to your deathbed

And I'll stand over your grave

'Til I′m sure that you′re dead

...

Schlussbemerkung

Es gibt sicherlich unzählige Antikriegslieder. Ich habe mich für die obigen drei entschieden, weil sie für mich eine besondere Bedeutung haben.

Quellen

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Ischinger

Foto: Marc Müller https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=30975719

[2] https://www.bild.de/politik/inland/politik-inland/knallhart-forderung-von-wolfang-ischinger-deutschland-braucht-die-kriegswirtscha-82012636.bild.html

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Kriegswirtschaft

[4] https://www.dhm.de/lemo/kapitel/der-zweite-weltkrieg/industrie-und-wirtschaft.html

[5] https://www.derstandard.de/story/2000137500683/steuern-wir-auf-eine-kriegswirtschaft-zu

[6] Foto: Lucian Bernhard, 1883 – 1972 https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=51147

[7] https://www.nachdenkseiten.de/?p=90762

Eine technische Frage: Kann mir jemand sagen, wie ich den Zeilenabstand der Liedtextzeilen enger untereinander gesetzt bekomme? In meiner Vorlage ist der Zeilenabstand nicht so groß...

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