A MENSCH MECHT I BLEIB'N

Zu aller Anfang möchte ich ein Missverständnis aufklären, mit dem ich immer öfter konfrontiert werde: Wenn ich hier etwas schreibe, dann in Erkenntnis der Tatsache, dass ich weder ein offizielles Amt bekleide noch irgendwie eine Figur des öffentlichen Lebens bin, die auf das Schicksal dieser Welt irgendeinen Einfluss hat. Ihr übrigens auch nicht. Das ist FischundFleisch/Facebook/SocialMedia.

Gut. Dann folgendes: Wenn irgendjemand nicht kapiert, dass die sogenannten Gutmenschen - und ich meine nicht die Salon-Linken, die noch keinen Finger gerührt haben, um irgendwem zu helfen - keinerlei Einfluss darauf haben, ob und wann und wo Terror passiert, dann kann ihm/ihr nicht geholfen werden. Was auf dieser Welt passiert, in Beirut, in Paris oder damals in Ägypten, in Bali, Kenya, in Tunesien, aber auch in Mali, in Afghanistan und überall, wo was zu holen gibt, damit unsere Dreckskarren fahren, wird nicht davon beeinflusst, dass an Menschen in Not Butterbrote oder Decken verteilt werden. Ich wünsche mir genauso wie viele, dass Hassprediger ausgewiesen und Extremisten überwacht werden. Ich bin nicht pseudotolerant und nein: Paris ist kein Denkzettel. Dass man gemeinsam gegen Terrorismus und Extremismus vorgehen muss ist mit klar. Aber ich werde weiterhin Menschen in Not helfen, wenn es irgendwie möglich ist. Dem Sandler, der Freundin mit Kind, und natürlich auch weiterhin der Refugeefamilie. Das ist das einzige, was ich ändern kann. Mein Umfeld. Ich werde nicht aufhören zu differenzieren.

Nachsatz:

Dass der IS auch (lese: a u c h) Flüchtlingsrouten nützen kann, war mir schon lange vor den grauenhaften Attacken in Paris klar. Ebenso ist mir klar, wer den IS gestärkt hat und was ihr Ziel ist. Zu trennen, zu separieren. Rechts noch stärker gegen die Mitte zu mobilisieren. Krieg. Missgunst. Angst.

Während besorgte Bürger schon Schaum vor dem Mund haben, wenn sie jeden Moslem in den gleichen Topf verwerfen, darf etwa ein saudi-arabisches Regime fröhlich weiter morden. Saudi-Arabien köpfte 2015 mehr Menschen als der IS. Doch das schöne, schwarze Öl ist dicker als Blut. Und der große, weiße, ach so christliche Mann, der sich erhaben fühlt über sein altes, neues Feindbild, trampelt über diesen Planeten ganz oft daher wie ein gieriges, egoistisches, überhebliches Kleinkind.

Ob ich einem Terroristen bereits ein Butterbrot oder eine Decke gereicht habe? Vielleicht. Werde ich aufhören, Unschuldigen zu helfen? Nein.

Ich werde nicht aufhören zu differenzieren.

Jeder kommt als Mensch zur Welt. Ich möchte versuchen, einer zu bleiben.

Danke für die Aufmerksamkeit.

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Nebenbuhler

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G. Szekatsch

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Silvia Jelincic

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fischundfleisch

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Claudia Tabachnik

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Erkrath

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