Pokultur wohin das Auge auch Blickt. Die Hinterteile von Nicki Minaj, Kim Kardashian und JLO werden vergöttert, Po-Implantate boomen. Leider verspricht die neue Fixiertheit auf das Hinterteil im Detail nur wenig Sinnliches.

Miley Cryus – die alte, pardon junge Skandalnudel, hat sich gerade wieder etwas Unerhörtes geleistet. Sie hat ihn einer Talkshow über ihre Brüste gesprochen - und war dabei obenrum nur mit glitzernden Nippelpflastern bekleidet. Warum das jetzt skandalös ist? Keine Sorge: Glitzer ist eh noch super, aber Brüste ?! Brüste sind t o t a l out. Jedenfalls gilt das für die Ü30 Generation – ich kenne immer noch ein paar Herren um die fünfzig, die Brüste, egal ob gross, klein oder sogar echt, noch mit Emphase verehren.

Ansonsten: Ärsche so weit das Auge reicht. Und rede jetzt nicht von den winzig-kleinen Knackpos von Kate – ich esse nicht, aber ich trinke dafür - Moss oder Gwyneth – ich esse nur Licht und Sprossen – Paltrow. Die Hinterteile du jour sind riesig, rund und prall. Ich habe nur zwei Worte für Sie: Kim Kardashian. Zum Vergleich: Pippa Middletons schmaler Po wurde 2011 für den „Arsch des Jahres“ nominiert - heute hätte er keine Chance mehr. Es darf – wie der Wiener so schön sagt – ruhig ein bisserl mehr sein. Das hat vielerlei Gründe. Einerseits wird das zusätzliche Fett des Frauenhinterns in der Evolutionsbiologie als eine Art Vorratskammer für den Notfall beschrieben – und da wir in unsicheren Zeiten leben, sind Reserven wohl immer gut. Andererseits ist knackiger Hintern, vor allem wenn über ihm eine schmale Taille trohnt, ein Zeichen für genetische Fitness. Kraft, Babys und so weiter. Aber hey – im Zeitalter von Tinder, Tesla und Twerken – sind wir doch weit davon entfernt, uns unterbrochen fortpflanzen zu wollen.

Gefallen wollen wir, möglichst lang - aber Babys werden immer mehr zur Nebensache. Warum also die Invasion der Riesenärsche? Nun, der Po wirkt erotisch, weil er so nah dran ist an der ewigen Quelle von Lust und Frust. Und er erweckt Scham, weil da ja noch dieser böse, böse Anus ist. Und mit diesem verbinden wir primär übelriechende Ausscheidungen. Oder, vielleicht doch nicht? Mittlerweile beschleicht mich das Gefühl, dass Analsex bereits zum guten Ton im Bett gehört. Als ich zwanzig war, hätte es bei diesem Stichwort nur jede Menge Bähs und Pfuis geregnet.  Aber bleiben wir für heute an der Oberfläche, also beim Hinternteil als Fetisch. Ich könnte diese Pokultur eigentlich gut finden, sie wäre ja fast ein Befreiungsschlag für üppige Mädels wie mich. Endlich mal wieder Dessert und so. Außerdem bedeutet dieser Trend, dass die Elemente eines hispanischen und afroamerikanischen Schönheitsideals im westlichen Mainstream angekommen sind. Auch das finde ich gut.

Weniger gut finde ich, dass beim Rest des weiblichen Körpers andere Regeln gelten. Denn – und hier zitiere ich die Komikerin Tina Fey. „Heute wird von jedem Mädchen erwartet, dass es kaukasische blaue Augen hat, volle spanische Lippen, eine klassische Stupsnase, unbehaarte asiatische Haut mit einer kalifornischen Tönung, einen jamaicanischen Dancehall-Arsch, lange schwedische Beine, kleine japanische Füsse, die Bauchmuskeln einer lesbischen Fitness-Studio-Betreiberin, die Hüften eines neunjährigen Jungen, die Arme von Michelle Obama und die Titten einer Barbie-Puppe. Die Person, die diesem Ideal am nächsten kommt, ist Kim Kardashian, die, wie wir wissen, von russischen Wissenschaftlern erfunden wurde, um unsere Sportler zu sabotieren.»

Und nur die letzte Zeile rettet mich und meine Lust aufs Leben. Denn: Der Schlüssel zu einem glücklichen Selbst liegt nicht in meinem Hintern. Oder in meinem Dekoltée. Es ist einzig und allein der Humor, der uns noch retten kann.

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Su Sametinger

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Maria Lodjn

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fischundfleisch

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