Ich bin süchtig nach Musik. Musik hat immer eine wichtige Rolle in meinem Leben gespielt, und das wird sie immer tun. Ich könnte mir ein Leben ohne Musik nicht vorstellen. Somit hab ich mich entschlossen, einen intimen Einblick in mein ganz privates, persönliches Leben zu geben.

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Es folgt eine Aufzählung von 10 Songs, die mein Leben nachhaltig beeinflusst haben. Die mich durch einen gewissen Teil meines Lebens begleiteten, spezielle Erinnerungen hervorrufen, mir durch schwierige Zeiten geholfen haben; die mit dazu beigetragen haben, dass ich zu jener Person und Persönlichkeit wurde, die ich heute bin.

Manche Songs werden überraschen, manche sind auf den ersten Blick ein wenig peinlich, aber sie haben alle ihre Berechtigung, auf dieser Liste aufzuscheinen.

Platz 10: IKE & TINA TURNER „NUTBUSH CITY LIMITS"

Verlässliche Quellen wollen wissen, dass dieser Song Jessi's erstes Lieblings-Lied war. Kaum zwei Jahre alt, und noch ein kleiner Hosenscheisser, verfolgte ich meine Mama mit der Single in der Hand, und verlangte von ihr, sie solle "Nutbush" auf dem Plattenspieler spielen. Bald war ich selber dazu in der Lage, dank irgendeines markanten Buchstabens oder Zeichens auf der Platte wusste ich genau, welche Seite ich auflegen musste. Und mit dieser Fähigkeit hab ich meine Eltern verlässlich in den Wahnsinn getrieben. Weil ich die Platte immer und immer wieder gespielt hab. Gerüchten zufolge waren mein erstes gesprochenes Wort weder "Mama" noch "Papa", sondern "Nutbush". Naja, man kann nicht früh genug beginnen, Prioritäten zu setzen...

Dieses Video ist natürlich nicht das Original. Es stammt aus dem 69er-Film "Sweet Charity: The Adventures of a Girl who wanted to be loved". Die Tanz-Szene heißt "Rich Man's Frug". Irgendein Genie hat sie mit der Musik von "Nutbush City Limits" zusammengemixt. Ich finde, das passt perfekt.

Platz 9: ABBA "SUPER TROUPER"

Ja, ich bin ein ABBA-Fan! ABBA ist, meiner Meinung nach, eine der besten Bands, die diese Welt jemals gesehen hat. Es gibt kaum einen ABBA-Song, den ich nicht mag. Die Masterminds hinter der Musik von ABBA, Benny Anderson und Björn Ulvaeus, sind Genies. Und wenn man sich in eine Band verliebt, gibt es immer den einen Song, mit dem alles beginnt. In diesem Fall war es "Super Trouper", der erste Song aus dem gleichnamigen Album, das im Jahr 1980 veröffentlicht wurde. Ich bekam das Album von meiner Tante aus Deutschland geschenkt, und das war der Beginn einer lebenslangen Liebesbeziehung. Dass ich damals schwerstens in Agnetha (die Blonde der zwei ABBA-Mädls) verknallt war, hat damit nichts zu tun. Aber meine Welt ist zusammengebrochen, nachdem sich ABBA aufgelöst haben.

Natürlich habe ich das ABBA-Museum in Stockholm bereits besucht. Und mich wie im siebten Himmel gefühlt...

Platz 8: FRANKIE GOES TO HOLLYWOOD "THE POWER OF LOVE"

Februar 1985, in Kärnten, wo ich sieben Jahre meiner Kindheit verbracht habe, stand wieder einmal der Schulschikurs auf dem Programm. Der Höhepunkt des Schuljahres. Und jeden Abend machten wir "Disco" im Aufenthaltsraum des Hotels. Wir waren um die 13 Jahre alt, und die Hormone begannen gerade auf Hochtouren in unseren Körpern zu arbeiten. Was zur Folge hatte, dass jede(r) in irgendjemanden verliebt war. Natürlich nutzten wir diesen "Hatscher", um uns, engumschlungend tanzend, körperlich näherzukommen.

Ich kann mich noch genau an dieses eine Mädl erinnern, in das ich verknallt war. Sie war auch nicht abgeneigt, und so haben wir jeden Abend miteinander getanzt. Leider musste ich mit meiner Familie einen Monat später zurück nach Wien ziehen. Worüber ich ganz und gar nicht "amused" war, aber mit 13 hat man keine andere Wahl als mitzuziehen. Das Mädl und ich blieben eine Weile in Kontakt, schrieben ein paar Briefe (ja, die auf Papier, weil e-mails gab es damals noch keine, genauso wenig wie Facebook oder whatsapp), nach ungefähr zwei Jahren kam es, wie es kommen musste, und das ganze ist eingeschlafen. Erinnerungen an diese Zeit kommen nach wie vor hoch, wenn ich diesen Song höre.

Platz 7: SURVIVOR "EYE OF THE TIGER"

Dieses Lied war damals unter meinen Freunden ausgesprochen beliebt. Wir waren 11 oder 12 Jahre alt, und damals gab es weder Streaming Dienste noch youtube, und für das kaufen von Schallplatten hat das Taschengeld nicht gereicht. Also ist man mit dem Kassettenrecorder, mit dem Finger auf der Aufnahme-Taste, beim Radio gesessen und hat gewartet, bis der Song gespielt wird. Hoffend, dass der Moderator nicht zu viel reinquatscht (was er natürlich IMMER gemacht hat; so nervend!)

Inspiriert von "Eye of the Tiger" wollten zwei Freunde und ich eine Rockband gründen. Das Problem dabei war, dass einer der beiden und ich Schlagzeug spielen wollten. Nicht, dass wir eines besessen oder irgendeine Ahnung davon gehabt hätten. Jedenfalls konnten wir uns nicht einigen, wer denn nun Schlagzeuger unserer "Band" werden würde, und damit ist die Angelegenheit im Sande verlaufen.

Lustigerweise spielen wir heute beide in verschiedenen Bands, und beide spielen - Schlagzeug! Man soll also niemals seine Träume zu früh begraben.

Platz 6: SANDRA "IN THE HEAT OF THE NIGHT"

Überrascht? Nun, ich auch, ein wenig...

Ist die Bezeichnung "Hairbrush Song" ein Begriff? Wenn man seine Haarbürste wie ein Mikrophon hält und zu einem bestimmten Song aus dem Radio singt? Dieser Song war einer meiner Hairbrush-Songs. Ich war ungefähr 13 Jahre alt und begann mich ernsthaft mit meiner femininen Seite zu befassen. Wann immer ich alleine zu Hause war, zog ich mich um, experimentierte mit Make-up und Nagellack, und performte vor dem Spiegel zu diesem Song. Heute kann ich mir ein Schmunzeln darüber nicht verkneifen, aber damals fühlte es sich einfach nur gut an. Und ja, ich stehe dazu. Anekdoten wie diese sind einfach Teil meines verrückten Lebens...

Platz 5: HIM "JOIN ME IN DEATH"

Wie manche vielleicht wissen, war ich in meinem früheren Leben Polizist. Als solcher verbrachte ich einst 19 Monate im Kosovo, als Teil der internationalen Polizeikräfte von UNMIK (United Nations Interim Administration Mission in Kosovo). Der eine oder andere ist vermutlich mit der Geschichte vertraut, die mir unten widerfahren ist, ich gehe jetzt nicht ins Detail. Diese Situation, und die Folgen, haben mich an meine emotionalen Grenzen gebracht, und manchmal auch darüber hinaus. Was mich damals überleben ließ, waren stundenlange Telefongespräche mit meier Mutter, und mit zwei Freunden, die mit der Situation vertraut waren. Wie auch immer, am Ende hat sich alles zum guten gewandt.

HIM's Album "Razorblade Romance" war sehr populär, speziell den Song "Join me in Death" hab ich, während der Zeit im Kosovo, in meinem CD-Player rauf und runter gespielt. Das hat sich so sehr in mein Unterbewusstsein gebrannt, dass nach meiner Rückkehr nach Österreich unangenehme Erinnerungen hervorgerufen wurden, immer wenn ich den Song im Radio gehört habe. Das ist natürlich schon lange Vergangenheit, jetzt kann ich den Song hören, ohne dass schwarze Wolken in meinen Gedanken aufziehen. Im Gegenteil: es erinnert mich an eine Herausforderung, die mich stärker und widerstandsfähiger gemacht hat.

Platz 4: JENNIFER LOPEZ "IF YOU HAD MY LOVE"

Wenn man als Transgender nicht permanent als Frau lebt, ist die Transformation von Mann zu Frau, speziell am Anfang, immer wie eine kleine Zeremonie. Es bedeutet eine Reise in eine andere, schönere Welt. Als ich meine erste eigene Wohnung bezogen habe, bin ich zu Hause immer als Frau herumgelaufen. Und während des Schminkens lief immer J.Lo's Album "On the 6" im CD-Player. Das Album ist also untrennbar verbunden mit den Emotionen, die ich damals erlebt habe, als ich mich endlich frei fühlen konnte.

Als die Transformation mehr und mehr zur Routine geworden ist, geriet diese CD auch schön langsam in vergessenheit. Nachdem ich nach der Trennung von meiner Ex alleine in meine alte Wohnung gezogen bin, erinnerte ich mich plötzlich an die Emotionen aus der Anfangszeit, und hab wieder angefangen, das Album zu hören, wenn Jessi auch äußerlich zum Lebend erweckt wird. "If you had my love" ist der erste Song des Albums, sozusagen das Startsignal für das, was kommt.

Platz 3: NIGHTWISH "PHANTOM OF THE OPERA - END OF AN ERA"

Dieser Song ist letztendlich dafür verantwortlich, dass ich angefangen habe, Schlagzeug zu lernen, mit dem Ziel, in einer Band zu spielen. Mit dieser Performance, die 2005 in der Hartwell Arena in Helsinki aufgenommen wurde, hat die finnische Band Nightwish den Symphonic Metal auf ein Level gehoben, das bis heute keine andere Band dieses Genres erreicht hat. Voll Energie und Power, Emotional, perfekt arrangiert und ausgeführt. Leider musste Sängerin Tarja Turunen kurz nach diesem Konzert die Band verlassen, und mit keiner nachfolgenden Sängerin haben Nightwish jemals wieder an dieses Niveau anschließen können. Ich war in der glücklichen Lage, die Band in diesem Line-up in Wien live zu sehen, während der Welttournee, von welcher diese Show in Helsinki das letzte Konzert war. Und es war einer der besten Gigs, den ich je miterlebt habe.

Also, Lautstärke auf Maximum, zurücklehnen, und eine der besten Musik-Performances ever genießen:

Platz 2: METALLICA "MASTER OF PUPPETS"

Sägende Gitarren, hämmerndes Schlagzeug, und James Hetfield's zornige Stimme. Das ist Heavy Metal, erfunden von Metallica. Als ich 15 war, hörte ich "Master of Puppets" das erste mal, nachdem mir ein Freund das gleichnamige Album mit den Worten "Hör dir den Wahnsinn mal an" ausgeborgt hat. Von diesem Moment an war ich von Metallica gefangen. Und sie wurden ein wichtiger Teil meines Lebens. Sie begleiten mich in schlechten Zeiten, unterstützen mich in meinen "Die-ganze-Welt-kann-mich-am-Arsch-lecken"-Emotionen. Aber es braucht keine bad-hair-days um Metallica zu hören. Das geht immer und jederzeit. Bis heute hab ich nur ein einziges Österreich-Konzert der vier Kalifornier verpasst, und zwar jenes 2015 bei der "Rock-in-Vienna"-Missgeburt. Der Besuch eines Metallica-Konzertes ist immer ein Erlebnis. So, bang your head!

Platz 1: MYKAGE "ROCK WILL RISE AGAIN"

Ich weiß, das ist weder ein bekannter Song noch eine berühmte Band...

Ich hab immer davon geträumt, einmal bei der Aufnahme einer Schallplatte mitzuwirken. Aber je älter ich wurde, umso geringer wurde die Chance, jemals diese Erfahrung machen zu dürfen. Tja, man soll niemals seine Träume aufgeben. Letztendlich ist es doch passiert. Seit letzten Herbst ist das Album "Rock Will Rise Again" erhältlich. Und es ist mir egal, was die sogenanten Experten sagen, ich bin stolz darauf. Stolz auf die Songs, stolz auf meine Band-Kollegen, auf die ganze Produktion. Es war eine Menge Spaß, aber auch Herausforderung. Jedenfalls eine Erfahrung, die mir keiner mehr nehmen kann. Und ich hoffe, wir werden, Corona zum trotz, bald wieder live auf der Bühne stehen.

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