Ich war der Blogger fidelche in Jakob Augsteins antizionistischer Freitagscommunity

Manfred Breitenberger - Die blauen Balkone am Parque Cespedes in Santjago de Cuba

Im Januar 2010 stieß ich zufällig auf die Internetseiten von CASMII (Campaign Against Sanctions and Millitary Intervention in Iran). Schnell stellte ich fest, dass es sich bei CASMII um eine iranische Lobby-Organisation handelte. Die Seiten von CASMII waren Hort einseitigster Propaganda für den Iran und gegen Israel. Ich ergoogelte die Autoren und stellte fest, viele Autoren von CASMII schrieben in der mir bis dahin kaum bekannten Wochenzeitung „der Freitag.“ Jakob Augstein hatte das ohnehin israelkritische Blatt im Jahr 2008 übernommen und machte den Versuch einer Verschmelzung von Redaktion und Leserschaft, gleichzeitig formte er das irgendwie linke Blatt zum deutschsprachigen Sturmgeschütz der Israelkritik. Leser konnten eigene Artikel schreiben und diese wurden in der sogenannten Online-Community diskutiert und teilweise in der Printausgabe gegen geringes Entgeld gedruckt. Diese Artikel, egal ob von Lesern oder Redakteuren geschrieben, hatten es in sich. Wöchentlich wurden zu dieser Zeit im „Freitag“ von der Redaktion und aus dem Bloggerbereich bis zu zwanzig Israel dämonisierende und oder delegitimierende Artikel, mit entsprechenden Kommentaren veröffentlicht. Ich entschied mich Widerspruch einzulegen, meldete mich im Januar 2010 an. Symbolträchtig gab ich mir den Bloggernamen fidelche, eine Kombination aus Fidel Castro und Che Guevara, mein Titelbild des Blogs waren die selbstfotografierten blauen Balkone am Parque Cespedes in Santjago de Cuba, wo Fidel Castro den Sieg der Revolution über die Batista Diktatur verkündete.

Im Hinterland des Feindes

Am 11.02.2010 veröffentlichte ich im "Freitag" meinen ersten Artikel „Die Linke, Israel, Jean Améry und der ehrbare Antisemitismus“ und wirbelte von da an die antizionistische Gemeinde mächtig durcheinander. Die Verteidigung Israels und die Kritik am linken Antisemitismus machte die Community fassungslos. Wütende Hasstiraden gegen Israel und Beleidigungen gegen mich waren in den rund 500 Kommentaren die Folge, wie beispielshalber: "Ich habe den Gaza-„Krieg“ verfolgt, und ich habe geweint, als ich die Bilder gesehen habe. Tote Kinder. Kinder mit Kopfschüssen." (tinktankgirl) oder "Halt die Klappe" (Magda) oder "Der Zionismus ist rein ideologisch der Zwillingsbruder des nationaldeutschen Imperialismus, und genauso wie der fühlt er sich immer zu kurz gekommen.“ (zelloti) oder "Eine Kritik an der menschenverachtenden Politik Israels gegenüber dem palästinensischen Volk ist kein Antisemitismus" (Fro) oder „Sind Sie so ein bezahlter Propaganda-Schreiberling?“ (thinktankgirl) oder "Bist du erkenntnisresistent, lediglich kriminell uninformiert oder hast du schlichtweg grausige Lanngeweile über die Karnevalstage?" (Eddie Sayyid) oder "Spielt Hamas in der gleichen Liga? Popelige Raketchen auf ein Dorf in der Wueste. Wer immer die abgeschossen hat. Was wird Hamas denn vorgeworfen?" (Fritz Teich) oder "Wissen Sie fidelche, die ganze Zeit stören mich Ihre Unterstellungen, was wollen Sie damit erreichen? Das ist die Zionismus/Antisemitusmus Keule ist eine primitive Art der broderschen Dialektik sonst aber nichts anderes!" (Feilong) oder "Israel ist ein Staat, der systematisch Tausende von Menschen umbringt, obdachlos macht, Familien auseinanderreisst und bei Menschen, die nicht streben Traumata herbeiführt (Bot) oder "Wenn Ahmadinedjad sagt, die Sonne ist heiß. Dann sage ich, der Mann spricht die Wahrheit" (Fro) oder "Hoffentlich immunisiert dieser blog vom fidelche die Freitag-Communitiy davor, künftig auf derartig dümmliche Provokationen zu reagieren" (weinsztein) Als ich am Ende des Kommentarstranges die Bemerkung machte, hier gäbe einige schöne Beispiele für linken Antisemitismus wurde 90 Sekunden später der Artikel für weitere Kommentare gesperrt und mein Kommentar gelöscht, alles andere blieb stehen.

Bei meinem zweiten Beitrag "Slánský, Stalin und der linke Antisemitismus" verhielt es sich wie auch später identisch. Argumente hatte die "Avantgarde" des "Freitags" keine, Kommentare wie "fidel’che! komm runter von deinem thron! im zweifel ist’s eh nur der olle pisspott aus kindertagen" (7.3.2010) oder "rechtes Torpedo.." (Uwe Theel) oder „Systematisch codierst Du das in Deine Parteinahme für den Zionismus und die viehische Gewalttätigkeit seiner realen Vertreter" (TomGard) waren die Regel. Mir war von Anfang an klar dass ich auf Beleidigungen nicht entsprechend reagieren dürfe, da dies meinen sofortigen Ausschluss bedeutet hätte.

Es hatte den Anschein, für die "Avantgarde" und die Redaktion des "Freitags" ist Antisemitismus nur anzunehmen wenn ein KZ-Aufseher Juden in die Gaskammer schlägt. Für die "Avantgarde" des "Freitags" existierte weder islamischer noch sekundärer oder gar linker Antisemitismus. Über die Selektion von Juden in Entebbe durch deutsche linksradikale Terroristen im Juni 1976 wussten die wenigsten "Israelkritiker" des "Freitag", für die wenigen die davon wussten war es eine Notwendigkeit im antiimperialistischen Kampf gegen die westliche Moderne und den "Brückenkopf der USA". So diskutierten Redaktionsmitglieder mit ihren gleichgesinnen Bloggern, von der Anwältin über einem Lehrerausbilder bis zu einem ehemaligen WDR Fernsehkoch und gefühlt der gesamten Prominenz der „Israelkritik“ über die „Lösung der Judenfrage“. Die Antisemitismusdefinition der EUMC war den Schreibern des "Freitags" genauso unbekannt wie der "3-D-Test für Antisemitismus" von Natan Scharanski. Geschichtliches Wissen über Israel, über die Gründung Israels war im "Freitag" und seiner Community kaum vorhanden. Die Vorgeschichte der Gründung, die Teilung Palästinas von 1923, die Rolle des Großmuftis von Jerusalem, die Vertreibung von 700.000 Juden aus den arabischen Ländern, die Charta der Hamas, die Rolle Deutschlands während des Yom Kippur-Krieges, all dies und vieles mehr waren "Böhmische Dörfer" für die Schreiber des Freitags. Nur sehr wenige Ausnahmen bestätigen diese Regel.

Bevor ich am 27.4.2010 einen Artikel über die jüdische Vergangenheit von Bayern München und ihrem langjährigen Präsidenten Kurt Landauer, der in das KZ Dachau verschleppt wurde veröffentlicht hatte, knackte ein religionskritischer Artikel von mir mit einem Gedicht von Theodor Lessing am 2.4.2010, mit knapp 800 Kommentaren die bisherige Rekordmarke. Es stellte sich heraus, dass die Antizionisten des "Freitags" überaus gläubig waren, ein möglicher weiterer Grund für ihre Judenfeindschaft. Alien59, eine in Jordanien lebende Islamistin, die rund 120 antiisraelische Artikel im "Freitag" veröffentlichte, meinte: "Ich bin der Auffassung, dass die Frage, ob der Koran, der Islam, frauenfreundlich ist oder nicht, irrelevant ist. Diese Frage ist Ausfluss einer Denkweise, die es sich anmaßt, Göttliches zu beurteilen. Nicht der Islam hat den Menschen angepasst zu werden, sondern die Muslime haben sich an den Koran zu halten."

Als ich in einem Kommentar Hermann L. Gremliza zitierte, "Jedes Stückchen Emanzipation der Menschheit, noch das bescheidenste, ist nicht mit, sondern gegen Religion und Kirche erkämpft worden" schrieb eine bekennende "Israelkritikerin", eine Wortführerin des "Freitag": "... dagegen fällt dir und gremliza auch nix besseres ein als der vorschlag, frauen sollten sich doch ihrerseits auch zu durchfickerinnen emanzipieren." (09.04.2010 um 12:02) Beleidigungen mit sexueller Fixierung waren das Markenzeichen der Anführerin der antisemitischen "Damen" im "Freitag". Innerhalb von wenigen Tagen "argumenierte" Jakob Augsteins Frau fürs Grobe gegen mich wie folgt:

-" …ganz einfach: weil du zu deinem Solon und seiner prostitution auch nichts sagst! – könntest du ja auch nur dann, wenn du gleichzeitig einräumtest, dass du deinen schwengel für die einzig wahre gesetzesquelle hältst" (08.04.2010 um 22:52)

- "…wieviele hast du denn? rohre meine ich. (@fidelche)" (10.04.2010 um 09:17)

- "…weißte, du uffgemotzter: schieb dir dein manna ins eigene rohr!" (08.04.2010 um 07:34)

- "…deine fragen sind so dumm – du mußt ein bezahlter schreiberling sein!" (14.04.2010 um 06:20)

- "…preisfrage ohne sauternes: wieviele depperte eseln passen auf einen balkon?" (01.05.2010 um 17:43)

- "…kriegst du ohne das keinen mehr hoch oder was?" (22.05.2010 um 19:43)

- "…männer stehen auf nem balkon und holen sich einen runter" (14.04.2010 um 01:05)

Bei meinen letzten beiden Blogs am 12.5.2010 Proudhon, Gesell, Feder, Marx und die regressive Kapitalismuskritik und am 20.5.2010 Silvio Gesell, Rudolf Steiner und die „braune Soße“ thematisierte ich den strukturellen Antisemitismus der Zinskritik aus dem aktuellen Tagesgeschehen bis hin zu den Ursprüngen. Zum Knackpunkt wurden die Ansichten von Silvio Gesell, der in seiner Münchner Rede, nachdem die Räterepublik zusammenbrach, 1919 unter anderem sagte: "Völkisches Empfinden duldet keine Zinsknechtung anderer oder gar die Beteiligung daran. Wer noch etwas rassisches, völkisches Empfinden verspürt, der gehe in sich, tue Buße; der gestehe, daß er und seine Ahnen Verrat begingen am eigenen Volk, am eigenen Blut." Nur in einem kurzen Absatz sprach ich außerdem die Freilandtheorie Gesells an, in der Gesell Menschenzucht mit eugenischen Zielen propagiert.

Die Reaktionen waren grundsätzlich alle so zu erwarten. Einer der Startkommentare von Uwe Theel, einem Mitglied der Linkspartei, lautete: "Fidelche für Dich brauche ich nur einen Wasserschlauch, um Dir beim Rasen-Sprengen mal eine ernüchternde kalte Dusche zu verpassen. Wenn es Dir gefällt nennenn wir das dann eine Kondratjew-Welle."

Aus den zweimal rund 400 Kommentaren überraschte dann doch eine antizionistische Autorin des "Freitags", die Artikel in der Printausgabe des "Freitags" veröffentlichte, die in Italien, in Ligurien lebte, die "stolz wäre" (die Radikalantizionistin) "Felicia Langer zu sein" und unter dem Namen thinktankgirl im "Freitag" bloggte. Meine Kritik an der sozialdarwinistischen Freiland-Theorie Silvio Gesells machte die Gesellianerin rasend. Sie behauptete mit einem Gleichgesinnten, der sich Columbus nannte, Gesells Lehre sei emanzipatorisch gewesen: "Bei Gesell hat er ja sogar den ausgesprochen emanzipatorischen Aspekt, in Liebesdingen von der ewigen Geldabhängkeit weg zu kommen Die Schrift Bachofens über das Mutterrecht, gab dazu Impulse."

In rund 30 Kommentaren verteidigte thinktankgirl leidenschaftlich die sozialdarwinistische Freilandtheorie Silvio Gesells, mit "Was heute reaktionär erscheint, war damals emanzipatorisch" startete sie, in weiteren über 30 Kommentaren phantasierte sie vom "Naturweib", meinte beispielsweise "Gesells Hochzucht betrifft das ganze Menschengeschlecht und dahinter verbirgt sich die Entwicklungsidee des Hegelschen Weltgeistes" und "So kämen die Frauen wieder zu ihrem Wahlrecht, und zwar nicht zum wesenlosen politischen Wahlrecht, sondern zum großen Zuchtwahlrecht. Hier geht es nicht um eugenische Ziele, denen sich die Frauen zu unterwerfen haben, sondern darum, ohne Versorgungsprostiution mit Männern, die sexy sind, Kinder zu machen. Frauen wird ja heute immer wieder vorgeworfen, daß sie zwar mit den interessanten wilden Kerlen gerne rummachen, aber sich dann in die Versorgungsehe flüchten, um das Kuckuckskind aufzuziehen.“

Wegen meines absolut vorsichtig formulierten Satzes "Wer Begrifflichkeiten wie, „Hochzucht des Menschengeschlechts“, „Zuchtwahlrecht der Frauen“ oder „Erlösung von all dem Minderwertigen, mit dem die seit Jahrtausenden von Geld und Vorrecht geleitete Fehlzucht die Menschheit belastet hat“ um nur einige zu aufzuzählen, emanzipatorisch nennt, disqualifiziert sich um es mal vorsichtig auszudrücken" kam es zu einer Redaktionskonferenz, die laut dem Moderationschef Jan Jasper Kosok einstimmig beschloss, mich auszuschließen. Zuvor meinte die Chefin der "Damengruppe" ihr thinktankgirl verteidigen zu müssen und schrieb in meine Richtung: "… du betreibst das, was manche euphemistisch sozialdarwinismus nennen. du betreibst „Selektion“! in meinen augen trittst du hier in der fc als ein dr.mengele und ein eichmann auf. widerwärtig." Entweder hatte die Redaktion des "Freitags" genug von der Kritik an ihrem Antisemitismus oder sie wollten ihre sozialdarwinistische Mitarbeiterin vor Nachfragen schützen oder die Redaktion des "Freitags" hatte neben ihrem Antizionismus auch eine Vorliebe für die "Hochzucht des Menschengeschlechts" nach der Lehre von Silvio Gesell. Eine endgültige Antwort dazu wäre Spekulation. Die Klarnamen der angesprochenen Blogger sind mir übrigens alle bekannt, tun aber für die Ausführungen nichts zur Sache.

Es würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen weitere israelfeindliche, islamophile und reaktionäre Ansichten hier zu dokumentieren. Beispielsweise forderte eine der genannten Radikalfeministinnen, eine "Dame.von.Welt": "Scharia-konforme ‚Finanzprodukte‘ sind ausgesprochen interessant, waren von der Finanzkrise relativ wenig betroffen und werfen ein weiteres kleines Lichtlein auf das sehr weite Feld Scharia." Ein Bürger Fro forderte von Israel "sich dafür, nach 60 Jahren Unrecht, bei den Palästinensern entschuldigen und es als natürlich anerkennen, dass so etwas zu einer agressiven Gegenwehr führt – gerade sie müssten es eigentlich verstehen." Ein TomGard halluzinierte im "Freitag" völlig unbehelligt von der Moderation vom "israelischen Apartheitsstaat", von der "viehischen israelischen Regierung" vom "KZ Gaza", von "der wohlgeziehlten Schlachtung von palästinensischen Kleinkindern" und von "zionistischen Schlächtern" die "absichtsvoll und systematisch" die Palästinenser ermorden. Von den obligatorischen Israelgegnern Ludwig Watzal, Norman Paech, Mohssen Massarrat, Uri Avnery, Felicia Langer, Avraham Burg, Moshe Zuckermann bis hin zum damaligen „Ressortleiter Politik“ des „Freitag“ Lutz Herden und ihrer Sicht auf Israel ganz zu schweigen.

Nicht verschwiegen werden soll die rühmliche Ausnahme des "Freitags". Per PN schrieb mir Mitte März 2010 ein Redakteur des Freitags: "Lieber fidelche, ich habe es aufgegeben, den Kampf zu kämpfen, den Du in deinen Blogs kämpfst, finde es aber äußerst erfreulich, dass Du Dich nicht unterkriegen lässt und den ganzen, unter anderem auch persönlichen Anwürfen, nüchtern und sachlich immer wieder die Fragen entgegenhältst, die manche Leute wohl einfach nicht beantworten können, weil sie in den Fragen schon einen Affront sehen. Danke dafür!"

Öffentlichkeitsarbeit und Betonoskar

Als kleine "Hommage" an die Gesellianerin thinktankgirl betrat ich für ein paar Wochen als thinktankboy und später mit Manfred Breitenberger (die Trinität war geboren) die Freitagscommunity um letzte Informationen abzuholen. Noch Jahre nach meinem Ausschluss wurde jeder Neuankömmling in der Community, der ein vernünftiges Wort schrieb, verdächtigt "fidelche" zu sein, wie h.vanna richtig bemerkte: "das Phantom Fidelche, zuweilen auch mit kombinatorischer Paranoia: So wurde ich schon missbilligend als „Fidelche“ angesprochen, noch bevor ich das „F-Wort“ der FC kannte"

Nun war die Zeit für die eigentliche Arbeit gekommen. Nach fidelches cosmos gründete ich dafür mein Blog Mission Impossible. Der „Freitag“ wurde unter die Lupe genommen. Die Hauptakteure der Freitagscommunity porträtiert, der dortige Antisemitismus, der Hass auf Juden, der Islamismus öffentlich gemacht. Mittlerweile hatte ich einige Unterstützer gewinnen können und mit den Serien „Freitags Avantgarde“ und „Unterschätzte Publizisten“ mit jeweiligen Zitate-Sammlungen der bekanntesten Freitagsblogger, sowie Redakteuren wurden mit einem vielbeachteten Negativpreis des „Betonbloggers des Jahres“ durch ein vorheriges Voting der Leser abgeschlossen. Die Community des "Freitags" schäumte entrüstet auf und einige der dortigen Aktivisten waren tatsächlich der Meinung ihre Beleidigungen und ihre antisemitische Hetze stände unter Urheberschutz, der rechtsfreie Raum des "Freitags" gelte für das gesamte Internet.

Uwe Theel stellte im Juli 2010 öffentlich im "Freitag" die Frage "warum eigentlich der Freitag nicht gegen den "cosmos" des Fidelche" vorgeht. Im sei zwar bekannt dass er selbst dagegen vorgehen könnte, doch hielte er es aber "für geboten, dass der Freitag dies zum Schutz seiner Blogger insgesamt aus eigener Vollmacht täte" Wenige Stunden später schrieb die Wortführerin der "Damengruppe": "der obigen anfrage Uwe Theels schließe ich mich an! könnte es sein, dass sich die redaktion durch diesen blog aus fidelches cosmos (Ist der Freitag eine antisemitische Zeitung) so arg unter druck gesetzt fühlt, dass sie nichts zu unternehmen gedenkt?"

Die jeweiligen Portraits wurden von vielen Leuten in Mission Impossible ausgiebig diskutiert und der Fairness halber gab ich den "Avantgardisten" die Möglichkeit sich zu verteidigen. Freilich durften sie hier ihre kruden Ansichten nicht verbreiten, obszöne und antisemitische Kommentare wurden von mir zensiert. Von Juni 2010 bis Mai 2012 wurden in Mission Impossile weit über 20.000 Kommentare abgegeben, ich saß beinahe täglich zwei bis drei Stunden vor dem PC um teilweise seitenlange Kommentare freizuschalten und gegebenenfalls zu zensieren. Mit dem Betonoscar war auch ein Tippspiel verbunden. Buchpreise gab es für den 2. und 3. Platz und als erster Preis war eine Reise nach Ligurien zu gewinnen. Im Jahr 2011 wurde die Serie wiederholt und nicht überraschend gewannen "zwei Damen" aus Berlin und Ligurien punktgleich auf den ersten Platz.

Im Juni 2010 verkündete der Online Chef des Freitags öffentlichkeitswirksam in der Freitag-Community das Verlinken auf meine Blogs wäre ab sofort verboten, mein Blog Mission Impossible sei ab nun Tabu. Wer sich aus dem "Freitag" nicht daran hielt wurde gesperrt oder endgültig ausgeschlossen. Uwe Theel schrieb geknickt und konsterniert: "Was? Die Linke hat ein Tabu?" Bereits im Juni 2010 benachrichtigte ich diverse Zeitungen, Publizisten, jüdische und nichtjüdische Organisationen was in Deutschland, im antizionistischen "Freitag" 65 Jahre nach der Ermordung von sechs Millionen Juden wieder möglich ist. Der Publizist Stefan Frank schrieb mir „Was Sie schreiben, ist alles sehr richtig, und Ihr Kampf gegen den Antisemitismus sehr wichtig, insbesondere, weil sie die Gefechte ins Hinterland des Feindes tragen." Konkret twitterte im Juli 2010 „Verstößt Bloggen gegen Antisemitismus gegen die AGB des "Freitag"?“ Am 29. Juli 2011 erschien mein "Offener Brief an die isralische Botschaft" und im April 2012 fragte mich Henryk M. Broder ob ich nicht auf seiner "Achse des Guten" einen Beitrag über den "Freitag" schreiben wolle, ich willigte ein und veröffentlichte am 20.4.2012 die Reservisten des Freitag auf der Achse des Guten. Eine neue Eskalationsstufe für die Freitagsblogger war erreicht. Eine Million Leser hat die Achse des Guten im Monat, die Besucherzahlen meines Blogs stiegen ebenso rapide wie die Unruhe in der Community des Freitags.

Auf seiner Achse veröffentlichte Henryk M. Broder weitere Artikel gegen den Freitag, so in "Wie der Herr, so das Gscherr" über TomGard: "So was würde nicht einmal die Nationalzeitung drucken, aber Augstein und dem Freitag kommts grad recht. Verquastes, blödes, pseudointellektuelles Geschwätz eines Judenhassers, dem das Messer in der Tasche aufgeht, wenn er sich ans Schreiben macht." Einleitend schreibt Henryk M. Broder : "Jakob Augstein ist nicht nur ein lupenreiner Antisemit und eine antisemitische Dreckschleuder, er ist auch Verleger eines antisemitischen Drecksblattes, das aus der Konkursmasse der DDR übrig geblieben ist. Die Redaktion legt großen Wert auf die Interaktion mit der Leserschaft, was in der Praxis bedeutet, dass jeder Psychopath das Wort erteilt bekommt."

Einige Freitags-Blogger entschuldigten sich nun bei mir per email für ihre Entgleisungen, unter anderem Magda Geisler, sie bat mich darüber hinauseinige gehässige Kommentare die gegen sie auf Mission Impossible geschrieben wurden doch nochmal zu lesen und gegebenenfalls zu zensieren. Der Bitte kam ich nach. Der "Siegerin" des ersten Betonoscar-Wettbewerbers, einer radikalen Antizionistin, die unter dem Namen "Emma in Uniform" im "Freitag" äußerst aggressiv bloggte und entweder mit dem Namen Emma Rotschild oder Emma Rothschild unterschrieb, ging es nach ihrem Sieg nicht gut, wie die anderen Blogger des Freitags weinerlich und anklagend berichteten, für einige Monate tauchte Frau Rot(h)schild wohl deshalb unter.

Die "Israelkritiker" des "Freitags" längst stark verunsichert, antisemitische Artikel gegen Israel wurden von Monat zu Monat seltener im "Freitag". Außerdem trennte sich der "Freitag" bereits im Dezember 2011 von seinem islamophilen Sturmgeschütz, der Chefin der antisemitischen und esoterischen "Damengruppe". Am 13.12.2011 schrieb Online Chef Jan Jasper Kosok in einem extra dafür geschaffenen Artikel "Irgendwie Schweigen": „Liebe Community, vor Kurzem ... gesperrt. Dafür hatten wir unsere Gründe. Zunächst einmal möchte ich festhalten, dass ... nicht aus politischen Gründen gesperrt wurde. Die Entscheidung basiert auf einer langen Geschichte verbaler Verfehlungen. Sie ist also auch nicht Ergebnis des Strangs, in dem die Sperre ausgesprochen wurde. Ohne Zweifel wurde sie provoziert (RdH ist ebenfalls gesperrt). Zweifelsohne hat aber auch sie bei der Wahl ihrer Verteidigung nicht nur in diesem Fall die Grenzen dessen, was die Netiquette hergibt, bei weitem überschritten. Dies mehrfach. Ebenfalls wurde sie gebeten, ihren Sprachstil zumindest soweit abzumildern, das er “durchgeht”. Inhaltlich hatte zumindest ich nie groß etwas auszusetzen, .. "

Die nun Ausgeschlossene relativierte den Holocaust (..dass es in Hama nicht sehr viel heimeliger ausgesehen haben wird als in Bergen-Belsen und in Sinjar nicht sehr viel appetitlicher als in Dresden), sie bestritt dass der Holocaust ein Völkermord war, denn laut ihrer Auffassung sind die Juden kein Volk. Sie behauptete "Auschwitz sei das Gaza von heute", bezeichnete Israel als "Apartheidstaat", rief im "Freitag" zum Boykott gegen jüdische Waren auf und behauptete dass in Israel Frauen gesteinigt werden und vieles ähnliches mehr. So ist die Aussage Kosoks, dass die Bloggerin nicht aus politischen Gründen gesperrt wurde, in sich konsistent. Mit ihrem Ausschluss verlor der "Freitag" in jedem Fall eine wichtige Kämpferin für die palästinensische Sache, für den einen Staat Palästina, den sie immer forderte, freilich letztendlich ohne Juden.

Im Juli 2012 konnte man in Mission Impossible eine Villa im Tessin gewinnen. Zum zweijährigen Jubiläum von „Mission Impossible“ wurde der Aufklärung wegen eine Villa im Tessin an denjenigen Kommentator, an diejenige Kommentatorin übergeben dem/der die Suche nach der eventuell nichtexistierenden Nadel im Heuhaufen gelingt und unter den tausenden Artikeln im „Freitag“ über Israel oder den Iran 1.) einen pro-israelischen Artikel aus der Freitagsredaktion findet, oder 2.) einen Artikel aus der Freitagsredaktion findet, in dem die „Charta der Hamas“ und die islamfaschistischen Taten der Hamas thematisiert und entsprechend kritisiert werden, oder 3.) einen Artikel der Freitagsredaktion nachweisen kann, in dem die faschistische Politik des islamischen Gottesstaates Iran entsprechend kritisiert wird. Wer zuerst einen entsprechenden Link in „Mission Impossible“ setzte, wäre am selben Tag Besitzer einer wunderbaren Villa im Tessin geworden.

Das Simon Wiesenthal-Center und der 9. Platz für Jakob Augstein

Die Nachricht schlug im Dezember 2012 wie eine Bombe ein. Das renommierte Simon Wiesenthal Center hatte den Herausgeber der antizionistischen Wochenzeitung „Der Freitag“, Jakob Augstein auf Platz 9 ihres Antisemitismus-Awards gesetzt. Das Simon Wiesenthal Center ist eine internationale Menschenrechtsorganisation mit Hauptsitz in Los Angeles und setzt sich maßgeblich mit der Thematik des Holocausts auseinander. Es wurde 1977 gegründet beschäftigt sich mit Antisemitismus, Terrorismus sowie Völkermord und versucht gesuchte NS-Kriegsverbrecher der Justiz zuzuführen. Marvin Hier ist der Gründer und Leiter des Zentrums. Efraim Zuroff ist Direktor des Simon Wiesenthal Centers in Jerusalem und Koordinator der Verfolgung von Nazi-Kriegsverbrechen. Der Mitarbeiter des Simon Wiesenthal Centers Rabbi Abraham Cooper bedankte sich bei seinen Onlineaktivisten und sagte in einem Interview mit Stefan Frank: "Wir haben eine internationale Schar von Mitgliedern und Onlineaktivisten, die uns aus allen Teilen der Welt informiert, auch aus Deutschland. Um es festzuhalten: Wir hatten keinen Kontakt zu Henryk M. Broder – nicht vor, nicht während und nicht nach der Auswahl."

Nach dieser Nachricht floss bei Mission Impossible der Yarden Wein aus dem israelischen Golan in Strömen und die Sekretärinnen tanzten auf den Tischen bis tief in die Nacht. Das kleine Blog Mission Impossible schaffte innerhalb von nicht einmal drei Jahren eine Gegenöffentlichkeit und erschwerte "Israelkritikern" das Handwerk. David siegte über Goliath, denn die Freitags-Community lag nun am Boden und hat sich bis heute nicht davon erholt. Anfangs wurden noch peinliche Ausflüchte gesucht, das Simon-Wiesenthal-Center habe kaum etwas mit dem Namensgeber zu tun, der Leiter des Zentrums habe eine „einseitige Sicht auf den Nahostkonflikt“ und überhaupt wurde die angeblich fehlende Differenzierung bemängelt. In der Tradition von NS-Propagandafilmen in welchen Ratten gezeigt werden und von Juden geredet wird, transportierten Freitags-Blogger nach dem 9. Platz ihres Hausherren ihren Hass auf mich, indem sie Kommentare mit Bildern von Ratten posteten, meinen Namen schrieben und meinten sich nun übergeben zu müssen.

Nach nun fast 10 Jahren ist der Israelhass des "Freitags" nicht mehr mit dem von 2010 zu vergleichen, die Redaktion ist bedeutend vorsichtiger geworden. Lutz Herden ist nicht mehr Ressortleiter Politik. Israelfeindliche Texte erscheinen nur noch sporadisch, alle paar Monate und sind weniger extremistisch. Die ehemaligen "Israelkritiker" bloggen nun vermehrt an anderer Stelle und die meisten von ihnen sind einen Tick gemäßigter geworden. Die Argumente zeigten wenn auch sehr spät ihre Stärke und ihre Wirkung und linker Antisemitismus wird nicht mehr ausnahmslos abgestritten. Viele wissenschaftliche Bücher sind über den linken Antisemitismus des Jakob Augstein geschrieben worden, zum Beispiel "Der Fall Jakob Augstein" von Lukas Betzler/Manuel Glittenberg und selbst das deutsche Bundesinnenministerium hat vor ein paar Jahren den "Zweiten Bericht des unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus" veröffentlicht in dem der Fall Augstein ein Thema ist.

Das Schreiben im "Hinterland des Feindes", Diskussionen im Verhältnis 1:100 mit ideologisierten Gegnern die ihren Freibrief nutzten, hatte seine masochistischen Aspekte, aber die verbalen Siege gegen hilflose, argumentlose "Israelkritiker" und islamophile Terror-Versteher machten auch verdammt viel Spaß. Die Arbeit und die Mühen haben sich gelohnt, aber auch ohne diesen grandiosen Erfolg bleibt die Erkenntnis, Judenhass und islamischer Terror darf niemals unwidersprochen bleiben.

Leicht gekürzte Fassung des auf Mission Impossible erschienenen Artikels

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