Geschafft: Bundesweites Verbot der Gatterjagd

Martin Balluch

„Nein, das werdet Ihr niemals schaffen“, hat man uns anfangs gesagt. „Der nö Landesjagdverband ist viel zu mächtig, der ist ein Panzer, da beißt Ihr Euch die Zähne aus!“ Und natürlich das Jagdgatter Mayr-Melnhof in Salzburg, das könnten wir nie verbieten, der habe viel zu viel Einfluss in der Politik. Und doch, es scheint jetzt, dass es soweit ist: wir haben die Gatterjagdkampagne gewonnen. Jagdgatter werden bundesweit verboten, das Aussetzen von Zuchtfasanen für die Jagd wurde das bereits. Ein schöner Erfolg, wenn auch mit dem Wermutstropfen teilweise langer Übergangsfristen.

Der Ausgangspunkt war denkbar schlecht. 87 Jagdgatter österreichweit, davon 74 in einem Bundesland mit ÖVP-Alleinregierung. Die Jagd dazu nur Landessache, vom Tierschutzgesetz ausgenommen. Zwar gab es Jagdgatter nur in 4 von 9 Bundesländern, aber überall war das Aussetzen von Tieren für die Jagd erlaubt. Wie soll man 9 Landesregierungen gleichzeitig überzeugen, noch dazu wo fast überall JägerInnen an den Schaltstellen sitzen und sich selbst die Jagdgesetze schreiben? Und doch, es ging schließlich um eine echt perverse Tierquälerei, um die Jagd auf extra dafür gezüchtete Tiere, aus Jux und Tollerei. Und aus „Tradition“. Genauer, aus feudaljagdlicher Tradition. Weil die Oberen 10.000 seit jeher diesem Hobby frönten. Wo man in Europa hinschaut, vergnügt sich der Adel mit dieser infantilen Belustigung. Das sind Leute mit viel politischem Einfluss, insbesondere hier in Österreich. Dass auch sie es waren, die bereits hinter der Verfolgung in der Tierschutzcausa gestanden sind, kann man dem Dokumentarfilm „Der Prozess“ entnehmen. Das Treffen der DrahtzieherInnen am Wiener Jägerball wird dort nachvollziehbar vorgeführt.

Begonnen hat alles im März 2015 mit unseren ersten Demos vor dem als Jagdgatter geführten Lainzer Tiergarten in Wien. Das war der Startschuss zu unserer Kampagne. Nach nicht einmal 2 Monaten war die Stadt Wien bereit, über die Sache zu diskutieren. Es wurde ein Arbeitskreis mit professioneller Moderation eingerichtet und bald beschlossen, das Jagdgatter bis 2021 aufzulösen. Am 16. Dezember 2015 wurde diese Lösung in einer gemeinsamen Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit einiger Verzögerung trat dann das gesetzliche Verbot am 4. April 2017 in Kraft. Wien war damit erledigt.

Wir recherchierten 50 Jagdgatter, besuchten insgesamt 78 Jagden auf Zuchttiere, um sie zu dokumentieren, hielten etwa 400 Demos und 100 Medienaktionen ab. Dazu gab es praktisch täglich eine Presseaussendung zur Kampagne. Unsere 4 wissenschaftlichen Gutachten und zahlreichen Pressekonferenzen taten ihr Übriges. Das Burgenland lenkte als nächstes ein.

Wir hatten mehrere Eingaben an die zuständige Landesrätin Verena Dunst gemacht und uns mit einigen ExpertInnen ihres Büros getroffen. Im Sommer 2016 kündigte sie noch eine Reform ohne Gatterjagdverbot an. Wir intensivierten die Öffentlichkeitsarbeit, unterbrachen einige ihrer öffentlichen Auftritte und reichten eine Petition ein. Im März 2017 kündigte Dunst ein echtes Verbot mit 7 jähriger Übergangsfrist an und am 15. Mai 2017 trat es tatsächlich in Kraft.

Was die Gatterjagd betrifft blieben damit nur noch 2 Bundesländer übrig. In Sachen Aussetzverbot von Zuchtfasanen waren wir unterdessen bereits bundesweit erfolgreich gewesen, wobei in den Landesjagdgesetzen durch die Bank das Aussetzen und Bejagen dieser Tiere erschwert, eingeschränkt oder ganz verboten wurde. Letzteres z.B. in Wien. Nun, in NÖ und Salzburg mit zusammen ursprünglich 78 Jagdgattern saßen ÖVP-Politiker am zuständigen Landesratsposten. Und in Salzburg trieb diesbezüglich Mayr-Melnhof auch noch sein Unwesen und warf sein politisches Gewicht in die Waagschale. Doch auch das sollte nichts nützen.

In Salzburg machten wir ebenfalls einige Eingaben, führten Gespräche mit der Landesregierung und demonstrierten häufig vor den Ämtern. In den beiden Kampagnenjahren schlossen 3 der 4 Jagdgatter von sich aus. Das Letzte, jenes von Mayr-Melnhof, ist mitten in einem Natura 2000 Gebiet und damit EU-rechtswidrig. Allen Beteiligten ist damit klar, dass es keinen Bestand haben kann, mit oder ohne Gatterjagdverbot. Das Land versucht deshalb den Grund zu kaufen bzw. gegen ein gleichwertiges Gebiet im Bundesbesitz einzutauschen. Bisher ohne Erfolg, aber noch ist nicht aller Tage Abend. Wenn Mayr-Melnhof vernünftig ist, dann wird er verkaufen. Sein Grund hat nur durch das Jagdgatter einen hohen Wert. Aber ein Verbot wird kommen, sowohl im Natura 2000 Gebiet, als auch in ganz Salzburg. Das ist unausweichlich und politisch deutlich zu spüren. Die Zeit tickt. Im Mai 2018 wird gewählt, im Februar davor tagt der Landtag das letzte Mal, bis spätestens Jänner 2018 wird also alles unter Dach und Fach sein. Mit oder ohne Verkauf.

Blieb nur noch NÖ. Das Land mit dem „Panzer“ als Landesjägerschaft, mit Gatterjägermeister Josef Pröll als Sprachrohr. Das ist derjenige, der den VGT als radikal und fanatisch bezeichnet hat, und nach dessen Ansicht unsere Kampagne undemokratisch wäre. Ja, 70 % der Menschen wollen ein Gatterjagdverbot und der Herr Pröll will das verhindern, aber wir, die wir die Mehrheitsmeinung vertreten, sind undemokratisch. So kann man sich alles zurecht reden.

NÖ hatte bereits im ersten Jahr unserer Kampagne, im Herbst 2015, eine Reform eingeführt. Es durften keine neuen Gatter mehr errichtet werden, in den bestehenden wurde es erschwert, Tiere zum Abschuss zuzuführen. Auch die Anzahl der Jagden wurde auf 8 pro Jahr beschränkt. Doch damit waren wir nicht zufrieden. Auch hier machten wir einige Eingaben und es gab ein Expertengespräch. Zusätzlich demonstrierten wir an den Zufahrten zum Landtagsgelände. Für kommenden September 2017 hatten wir angekündigt, dass wir uns auf NÖ konzentrieren würden. Ein heißer Herbst stand bevor. Für manche zu heiß. Landesrat Stephan Pernkopf trat am 15. Mai 2017 in einer Pressekonferenz an die Öffentlichkeit und verkündete ein Gatterjagdverbot mit 12 Jahren Übergangsfrist, das noch vor dem Sommer beschlossen werden soll.

Damit ist alles auf Schiene, die Kampagne war erfolgreich. Vor 2 Jahren noch war niemandem in Österreich die Gatterjagd ein Begriff. Jetzt ist sie, wenn auch mit zum Teil langer Übergangsfrist, überall verboten. Erfreulich in vielfacher Hinsicht. Erfreulich für die Tiere, weil die Spaßjagd auf Zuchttiere ein Ende findet. Erfreulich für alle aufrechten DemokratInnen im Land, weil bewiesen wurde, dass auch noch so mächtige Seilschaften dem öffentlichen Druck zumindest bei derartig perversen Tierquälereien nicht standhalten können. Erfreulich auch, weil der Rechtsstaat verteidigt werden konnte: trotz über 25 Zivilklagen seitens der Feudaljägerschaft, ließen sich die RichterInnen mehrheitlich nicht irritieren und verteidigten Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Und erfreulich für den VGT, weil trotz aller Versuche, uns zu kriminalisieren, für radikal und fanatisch zu erklären, und uns aus der Gesellschaft auszuschließen, trotz sogar eines Spitzels aus der Jägerschaft im VGT, haben wir uns mit Hilfe sehr vieler TierschützerInnen und einer tierschutzaffinen Öffentlichkeit auf demokratischem Weg durchsetzen können.

Zeit, zu feiern.

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