Wer das hier nicht erlebt hat, der hat nicht gelebt.

Samstagabend. Ich bin unterwegs in die Guess-Bar. Ich treffe mich um neun Uhr mit Rose. Ich freu mich schon sehr, sie wieder zu sehen. Scheint mehr zu sein als eine der üblichen Geschichten.

Bisher haben wir erst einen gemeinsamen - sehr netten - Abend verbracht. Noch dazu in Gesellschaft. Ja und ein Treffen im Cafe Stein, auf einen kleinen Braunen.

Und die gemeinsame Zeit im Chat. Begonnen hat es wie das übliche Geplänkel. Mein arrogantes Machogehabe war wieder einmal der Auslöser. Aber zum Date hat es dann doch nicht gereicht. Irgendwann hat sie dann bemerkt, dass diese übertriebene ”Männlichkeit” nur ein Spiel ist. Und letztendlich kann ich schon auch charmant sein. Unser Gechatte ist dann immer persönlicher und ernster geworden. Ich hab da sehr viel entdeckt, das mir sehr gut gefallen hat. Offensichtlich ist bei ihr das gleiche passiert. Es gibt da einen Gleichklang im Denken, in der Art Fragen zu stellen und zu beantworten. Einverständnis bei Dingen über die man/frau lacht oder schmunzelt und Unausgesprochenes richtig zu deuten. Oft passiert mir das nicht. Ein sehr angenehmes Gefühl. Und zu diesem Zeitpunkt wußte ich noch immer nicht wie Rose aussieht. War mir auch nicht wirklich wichtig.

Als ich sie dann zum ersten Mal sah, wußte ich es ganz genau. Diese Frau ist etwas besonderes für mich. Es paßt einfach alles. Intelligent, witzig, selbständig und attraktiv. Einen Teil ihrer Persönlichkeit kannte ich ja bereits aus dem Chat und vom Telefon. Die Art und Weise zu schreiben verrät doch sehr viel über eine Persönlichkeit. Und dass ihre Attraktivität diesem, meinem, Bild von Ihr entspricht, durfte ich zwar hoffen, aber nicht erwarten. Und ich durfte ja auch nicht erwarten, dass sie mich interessant und attraktiv findet. Schließlich bin ich nicht Richard Gere. Aber passiert ist es trotzdem. Wir waren uns vom ersten Augenblick an ”sehr” sympathisch.

Samstagabend. Ich sitze in der Guess-Bar und warte auf sie. Ich bin etwas zu früh dran. Das Lokal ist noch fast leer. Um diese Zeit ist das auch noch kein Wunder. Vor zehn tut sich in In-Bars kaum etwas. Ich setze mich gleich beim Eingang an die Bar, bestelle mir ein Achterl Rot und zünde mir eine Zigarette an. Viel Glas und viel Chrom verbreiten eine eher kühle Atmosphäre. Nicht wie in einem Bahnhof - mehr so wie Dave Brubeck in ”Unsquare Dance”. Nur die Wand mit den vielen Spiritousenflaschen strahlt ein wenig Wärme aus.

Das Styling der Kellner paßt perfekt dazu.

Jetzt kommt sie. Auch etwas vor dem vereinbarten Zeitpunkt. Ganz in Schwarz. Ich liebe diese Nicht-Farbe. Mit einem strahlenden Lächeln kommt sie auf mich zu. In diesem Moment wird es im ganzen Lokal heimelig warm. Wie an einem verschneiten Winterabend vor dem offenen Kamin.

Der Begrüssungskuß ist anders als er zwischen zwei Bekannten ausfallen würde. Nicht auf die Wange, sondern auf den Mund und mit einem Hauch von Zärtlichkeit. Sie zieht die Lederjacke aus und wir suchen eine Ablagemöglichkeit. Es gibt keine. Völlig unkompliziert hängt sie die Jacke über den Sitz ihres Barhockers und setzt sich drauf. Es sind diese Kleinigkeiten, die ich an einer Frau liebe. Sie ist so überhaupt nicht affektiert, sondern herrlich natürlich und unkompliziert.

Da ist es wieder, dieses Gefühl von Vertrautheit und Einverständnis. Ich kann nicht anders. Ich muß ihr sagen, wie schön ihre Augen sind. Ihre Verlegenheit macht sie noch hübscher als sie ohnehin ist. Ein leichter Anflug von Röte huscht über ihr Gesicht. Nicht zum letzten Mal an diesem Abend.

In der Zwischenzeit hat sich die Bar mit Leben gefüllt. Ein dauerndes Kommen und Gehen. Heute interessiert mich das alles aber nicht. Alles was hier und jetzt meine Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt ist Rose. Ihre Art zu reden. Ihre Art sich zu bewegen. Ihre Art zu lachen. Ihre Art verlegen zu werden und vor allem: ihre Art mir in die Augen zu sehen.

Wir sitzen uns gegenüber. Und ich benehme mich wie ein verliebter 17jähriger. Mit einem Unterschied. Heute weiß ich, wie ich damit umgehen kann. Vorsichtig nehme ich ihre Hand. Zärtlich, aber doch bestimmt. Sie läßt es zu. Unsere Beine berühren sich. Mein Bedarf an Nikotin ist deutlich gesunken. Ich möchte keinen Augenblick versäumen, indem ich sie berühren und fühlen kann. Meine Hand streicht über ihre Wange und ihren Nacken. Ein tiefes Gefühl von Zärtlichkeit steigt in mir hoch. Ich möchte diese Frau jetzt küssen.

Meine Hand liegt um ihren Nacken. Ganz langsam nähern sich unsere Gesichter. Vorsichtig berühren sich unsere Wangen. Ich küsse ihren Hals. Fühle die Zartheit ihres Nackens. Und noch viel langsamer berühren sich dann unsere Lippen. Zögernd. Dieser Kuß ist anders als die vielen davor. Das Gefühl der Vertrautheit überträgt sich auf unsere Körper. Aber nicht nur das. Da ist noch etwas. Unsicherheit und Einverständnis. Erotik und Leidenschaft. Es bleibt nicht bei diesem einen Kuss.

Fünf Stunden sitzen wir jetzt schon an dieser Bar. Fünf Stunden, die auch nur fünf Minuten sein könnten. Die Zeit mir Rose ist ein zeitloser Raum.

Sperrstunde. Es nieselt leicht. Der Regenschirm ist im Auto gut aufgehoben. Den Arm um Rose geschlungen, schlage ich den Weg zu meinem Parkplatz ein. Ich bleibe stehen. Unsere Blicke finden sich. Ganz fest nehme ich Rose in die Arme und ziehe sie bestimmt in einen Hauseingang. Diesen Kuß werde ich nicht mehr vergessen. Ich spüre ihre Unsicherheit und gleichzeitig ihre Hingabe. Unsere Körper sprechen eine deutliche Sprache. Ich kann mit meinem ganzen Körper fühlen wie sehr wir uns begehren.

Dieser Kuß ist mehr Erotik, Leidenschaft, ja sogar Wollust, als viele andere je in einem Bett erleben dürfen.

Ich bring Rose nach Hause. Immer wieder finden sich während kurzer Ampelstops Blicke und Hände. Zum Glück ist es ein weiter Weg. Aus einem letzten Abschiedskuß werden mehrere.

Wie auf Wolken und mit den Gedanken bei IHR fahre ich durch den Regen nach Hause.

Bevor ich mich zum Träumen hinleg schicke ich ihr noch eine SMS - ”Du bist mehr als bezaubernd - Träum was Schönes - Kuss”

Am nächsten Morgen, noch vor Frühstück oder Zähneputzen, ein Blick auf das Handy. Erhofft habe ich ja eine Antwort. Aber diese Antwort ist schöner als in all meinen ohnhin unbescheidenen Träumen: ”Kuss und danke. Ich Dich auch”

Der Wecker läutet. Samstag, eine Woche später, 7.30 Uhr. Heute bin ich bei Rose zum Frühstück eingeladen. Wir haben uns seit dem Guess-Club drei Mal getroffen. Einmal nur kurz auf einen Kaffee. Einmal waren gemeinsam beim Spinning und anschließend bei mir Videoschauen. Das werd ich nicht aufschreiben. Es glaubt mir sowieso keiner, dass wir wirklich nur Video schauten. Und einmal haben wir uns im Marias Cantinas auf einen Cocktail getroffen. Beide Male ist sie viel zu früh gegangen. Aber ich habe ihr etwas versprochen. Ich werde nichts fordern und nichts erwarten. Aber hoffen darf ich ja! Rose ist mir in der kurzen Zeit die ich sie kenne ziemlich ans Herz gewachsen. Es scheint etwas Besonders zwischen uns zu sein. Da kommen Gefühle zum Vorschein, von denen ich dachte, dass es sie bei mir gar nicht mehr gibt. Und was mich an mir verwundert, ist die Tatsache, dass nicht der Sex im Vordergrund steht. Sicher, sie ist eine begehrenswerte Frau. Sogar ziemlich genau der Typ Frau, der es mir besonders angetan hat. Aber die erotische Spannung die es zwischen uns ohne Zweifel auch gibt, ist nur das Sahnehäubchen auf einem perfekten Capuccino - obwohl ”nur” hier ein sehr unpassender Ausdurck ist, geb ich zu. Mir fällt da eine Textzeile aus einem Lied vom Andre Heller ein: ”Sie kommt so über mich, wie der 14. Juli über Paris”. Genauso geht es mir. Ich weiß, dass sie seit 10 Jahren in einer Beziehung lebt. Und ich weiß, dass ihr diese Beziehung wichtig ist. Eigenartiger Weise bin ich in keiner Weise eifersüchtig auf diesen anderen Mann.

Und heute bin ich bei ihr zum Frühstück. Duschen, Kleidung auswählen, Anziehen. So gegen Acht komm ich aus dem Haus. Jetzt noch zum Billa für Rose eine Tafel Schokolade besorgen. Sie mag keine Schnittblumen, aber Süßigkeiten ist sie nicht abgeneigt - hat sie mir gestanden. Ich kenn den Weg, nur heut dauert er mir viel zu lang. Ich werde schon erwartet.

Sie führt mich ins Haus. Ein schönes, liebevoll restauriertes altes Haus. Der Frühstückstisch ist schon gedeckt. Sie wollte ganz genau wissen, was ich so gern frühstück. Und es ist auch alles da. Nicht, dass ich wegen dem Essen gekommen wäre. Ist nur so ein weiteres Zeichen, dass meine Gefühle nicht einseitig sind.. Sie trägt eine Jean und ein weißes, enges Top - bauchfrei. So kommt ihre gute Figur richtig zur Geltung. Ihr Lächeln erscheint mir schöner, als der schönste Sonnenaufgang und mit der ihr eigenen Wärme könnte ich einen Winter in Sibirien überstehen. Ich muß sie küssen.

Mich interessiert, wie sie lebt. Das Wohnzimmer ist äußerst geschmackvoll eingerichtet. Naturholz überwiegt. Der Boden, die Fensterrahmen, die Einrichtung alles paßt. Durch die großen Fenster hat man/frau einen Blick in den Wienerwald - beeindruckend. Über eine Treppe gelangt man/frau zu Schlaf- und Badezimmer. Auch ein kleines Arbeitszimmer für sie ist vorhanden. Früher einmal nannte mann sowas Bügelzimmer. Aber nachdem sie ja nicht bügelt steht da ein Schreibtisch und ein PC drauf - ist mir auch viel sympathischer so. Auch der Arbeitsplatz ihres Freundes ist gleich nebenan. Er ist Selbständig und beschäftigt sich mit Internetauftritten von Firmen. Über eine weitere Treppe kommt man/frau unter den Dachstuhl. Ich weiß sofort, dass das mein Lieblingsplatz in diesem Haus wäre. Es ist genau das, was ich als Liebesnest bezeichnen würde. Der optimale Platz zum Kuscheln und Lieben.

Wir frühstücken. Ich erfahre etwas über ihre Freundin Eva und auch, dass ich sie demnächst kennenlernen werde. Auch das ist mir wichtig. Ich möchte die Freunde von Menschen kennen, die mir nahe sind. Ich möchte auch wissen wie ihr Freund aussieht und wie er ist.

Eigentlich hatte ich schon ein mulmiges Gefühl, wenn ich daran dachte, dass ich in einem fremden Haus sozusagen eindringe. Mir wäre das umgekehrt auch nicht recht. Aber in der Anwesenheit von Rose kommt dieses Gefühl nie auf. Es liegt wahrscheinlich an der Besonderheit der Beziehung zwischen uns. Diese ist so abgekoppelt von Zeit und Raum, dass das rundherum eigentlich keine Bedeutung hat.

Sie zeigt mir Fotoalben, weil ich gern wissen möchte, wie ihr Freund aussieht. Dabei rückt sie an meine Seite. Ihre körperliche Nähe tut mir gut. Ich streichel ihr über die Haare und den Nacken. Wir küssen uns. Voller Leidenschaft. Unter dem Dachstuhl finden wir uns wieder.

Sie ist der leuchtende Stern in der Dunkelheit meiner Sehnsucht. Wir tauchen ein in ein Meer voller Zärtlichkeit.

Meine Hände und mein Mund nehmen Besitz von ihrem Körper. Ich liebkose ihre Schultern, ihren Rücken. Daran denken was ich mache und gleichzeitig nicht mehr denken können. Genau dieses Gefühl überkommt mich jetzt. Ich möchte fünf Hände und fünf Münder haben. Möchte überall gleichzeitig sein. Möchte ihren Busen, ihre Scham, ihren Bauch, ihren Mund, ihren Nacken, ihre Haare, ihre Ohren, ihren Rücken, ihre Beine, einfach alles spüren. Und ich spüre alles. Ich spüre ihre Hände an mir, ihre Hingabe, ihr Verlangen, ihre Bereitschaft.

Meine Sinne sind hellwach.

Ich höre ihren Atem, der jetzt schöner klingt als die schönste Musik ist die es gibt.

Ich rieche ihren Körper, diesen ganz eigenen Duft einer erregten Frau.

Meine Geschmacksnerven erfahren eine Offenbarung - ich könnte süchtig werden nach diesem Geschmack von erhitzter Haut und Schweiß.

Ich fühle ihren Körper und ihre Wärme mit jedem Bestandteil meines Körpers. Alles an mir wird jetzt empfindsam.

Und ich sehe die schönste Frau der Welt.

Die Zärtlichkeit mischt sich mit Erregung und Verlangen. Meine und ihre Bewegungen werden immer fordernder und eindeutiger. Meine Zunge unternimmt eine Entdeckungsreise an die schönsten Stellen des Universums und entdeckt den Ursprung alles Lebens und der Wollust.

Gibt es noch eine Steigerung dieser Emfpindungen? Es gibt. Selbst das Überziehen des Kondoms verliert in diesem Moment jede Peinlichkeit. Ich will es. Sie will es. Wir wollen es beide. Jetzt könnte die Welt untergehen und wir würden es nicht merken. Alles steht still und alles bewegt sich. Raum und Zeit verschmelzen zu einer neuen Dimension die nie enden dürfte. Es gibt kein ich mehr und kein sie. Es gibt jetzt nur ein wir.

Wir gehen durch die Weinberge des Wienerwald spazieren. Mit meiner Ex-Frau bin ich nur äußerst unwillig spazieren gegangen. Jetzt ist es die schönste Sache der Welt - oder sagen wir die zweitschönste. In einem idyllischen Gasthaus mitten im Wald, mit herrlichem Ausblick über Wien, machen wir Halt. Ich habe schon wieder dieses Gefühl in einem Film zu sein.

Wir reden. Es ist dieses Zeitlose, das mich fasziniert. Eine Minute mit ihr ist eine Stunde und mehr. Eine Stunde ist eine Sekunde und weniger. Es tut der Seele unheimlich gut mit einem Menschen ohne Hemmungen über Gefühle sprechen zu können. Mit ihr kann ich und habe dabei nie die Angst mich auszuliefern. Gibt es soetwas, wie verwandte Seelen. Offensichtlich.

Beim Retourweg zum Auto fällt dann ein ganz wichtiger Satz. Wir unterhalten uns über Freundschaft. Rose sagt: ”ich möchte Deine Freundschaft”. Sie ist auf dem besten Weg, mein 2. Freund zu werden. Und wir werden den Gegenbeweis zu Harry und Sally antreten. Nämlich, dass Freundschaft zwischen Mann und Frau auch mit Sex möglich ist.

Ich weiß, das klingt kitschig. Aber alles, was in den letzten Wochen zwischen ihr und mir passiert ist, ist kitschig. Bis jetzt dachte ich immer, das kommt nur in schlechten Hollywood-Filmen vor und hat mit dem richtigen Leben nichts zu tun. Und jetzt passiert es mir. Ich werde meinen Zynismus überdenken müssen.

Was für ein wunderbares Gefühl. Wer es nicht erlebt hat, der hat nicht gelebt, wisst ihr, was ich meine?

pixabay/gabrielferraz

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