Wäre die Hälfte wirklich zu wenig?

Derzeit beschäftigen mich simple Rechenbeispiele.

Wie immer nehme ich mich selbst bei der Nase. Somit geht mein Rechenfaktor vom sogenannten Mittelstand aus. Also nicht von den Armen und nicht von den Reichen.

Von Leuten wie mir, die ich nicht einmal im herkömmlichen Sinn "wohlhabend" bin.

Ich bin von einer Kindheit, in der ich nicht einmal ein eigenes Bett hatte, in eine – wie ich es nenne – Komfortzone aufgestiegen.

Ich lebe in einer komfortablen Wohnung (hab kein Haus), mit Bad und WC und ein paar Ikea-Möbeln, hab genug zu essen, genug anzuziehen, ein Mittelklasseauto (eins für meinen Mann und mich zusammen) und ein paar Ersparnisse, die wahrscheinlich so mancher andere nicht einmal erwähnenswert fände, aber zumindest keine Schulden – und das war beileibe nicht immer so.

Ja, komfortabel ist das richtige Wort. Luxuriös ist das alles nicht.

Wobei – ICH kann das jeden Tag als Luxus empfinden, das könnt ihr mir glauben, bei dem, wo ich herkomme (sh. oben).

Gestern wurde nun im Bekanntenkreis wieder einmal über die Zuwanderer diskutiert und leider war auch jemand dabei (der nicht zu meinem direkten Bekanntenkreis gehört und sicher auch in Zukunft nicht dazu gehören wird), der diesen sattsam bekannten Satz in die Runde warf: "Wir können sie uns einfach nicht leisten!"

Wie mein Umgang mit mir fordert, bin ich nach der Diskussion nach Hause gegangen und habe etwas differenzierter darüber nachgedacht, als es die dortige momentane emotionale Antwort wohl vermuten ließ.

Es geht mir nicht darum, dass ich von irgendjemandem verlange, dass er Fremde bei sich aufnimmt. Ich muss gestehen, ich würde auch keine fremden Österreicher jetzt auf die Schnelle so bei mir aufnehmen.

Es geht mir auch nicht darum, dass sich jeder unbedingt in der Flüchtlingsarbeit betätigen muss. Es gibt genügend Bereiche des Alltags, in denen wir gefordert sind.

Als es dann jedoch um den Bereich des Teilens ging, merkte ich, da verlange ich schon einiges von meinen Mitmenschen.

In erster Linie geht es dabei um Einstellung! Darum, überhaupt teilen zu WOLLEN.

Und dann setzte ich mich an mein Rechenbeispiel.

Wenn ich von dem, das ich jetzt besitze, die Hälfte abgeben sollte, wie sähe mein Leben dann aus? Würde es wirklich an Qualität verlieren?

Also, eine halb so große Wohnung, halb so viele Klamotten, Essensgeld auf die Hälfte reduzieren (vor allem die Restaurantbesuche), noch kleineres Auto, halb so teure Urlaube, halb so großen Fernseher, nur ein Festnetztelefon, nur einen Computer, usw. ...

Und ich saß da und dachte: So habe ich doch schon gelebt!

Und? Ich war glücklich damals. Ich bin heute nicht glücklicher! Erfreulicherweise aber auch nicht unglücklicher. Was ich allerdings darauf zurückführe, dass ich in meinem Leben auf andere Qualitäten setze als auf Besitz.

Denn Glück hängt nicht am Besitz.

Wenn ich also denke, dass ich jetzt alles, was ich besitze auf die Hälfte reduzieren sollte, was würde ich dann tun?

Genau. Das was ich immer schon getan habe.

Ich würde versuchen, mich damit wohlzufühlen und in weiterer Folge, etwas auf- oder auszubauen, mir Ziele setzen - halt andere als jetzt.

Ich müsste bei meinen Einkäufen wieder genauer darauf achten, wofür ich mein Geld wirklich ausgebe. Nicht einfach meinen Einkaufswagen anfüllen mit dem, was mir als notwendig vorgegaukelt wird. Wahrscheinlich würde ich sogar gesünder leben, weil ich wieder auf einfachere Produkte zugreifen würde, auf heimische und saisonale Lebensmittel, weniger Plastik, weniger Denaturiertes, das haltbar gemacht werden muss.

Weniger Klamotten? Wo sollte das Problem sein? Wir laufen ja alle nicht zerfetzt oder nackt durch die Gegend. Außer diejenigen, die glauben, dass das sexy ist, was immer auch sexy überhaupt sein mag.

Die technischen Geräte sind ja sowieso der schlichte Wahnsinn.

Pro Haushalt nur einen Fernseher und der nur halb so groß? In einer kleineren Wohnung würden wir damit nur näher zusammenrücken.

Ich will jetzt gar nicht davon ausgehen, dass jemand KEIN Handy haben sollte, aber EINES würde doch reichen. Alle Augenblicke eine neues macht echt glücklicher?

Ein Computer. Ja, also ohne wäre ich z.B. schon aufgeschmissen. Aber dazu nicht noch einen Laptop, ein Notebook, ein Tablet, würde meine Lebensqualität nicht schmälern, das weiß ich ganz genau.

Gut, ich sage noch einmal, ich gehöre nicht zu den Armen. Obwohl sicher zu denen im unteren Bereich des Mittelstandes. Aber ich gehöre nicht zu denen, die wirklich jeden Cent umdrehen müssen.

Dennoch bleibt für mich die Frage:

Auch jene, die sich nicht einmal so viel leisten können wie ich, brauchen die wirklich das alles, dem sie nachhecheln? Ist es nicht eher so, dass die Aufpolsterung ihrer Lebensqualität eigentlich durch Reduzierung derselben bewerkstelligt werden soll? Und dieses Prinzip deshalb niemals von Erfolg gekrönt sein kann?

Und ist es nicht wirklich ein einfaches Rechenbeispiel, wieviel wir eigentlich zum Teilen zur Verfügung haben? Ohne an Lebensqualität zu verlieren. Wenn wir unsere menschliche Qualität als Grundlage ansetzen und nicht unseren Besitz?

Wenn wir nach Wohlbefinden streben. Welches aber nur durch Frieden, ZuFRIEDENheit und Miteinander erreicht werden kann. Wenn wir als Komfort ansehen, was wirklich Komfort bedeutet. Nämlich warme Betten, tägliche Duschen, ausreichend zu essen (wenn vielleicht auch einfach), bedeckte Nacktheit und freiem Umgang mit jenen, mit denen wir ihn haben wollen.

Und ich kam zu dem Schluss:

Wenn geschätzte drei Viertel der Bevölkerung Österreichs ein Viertel (nicht einmal die Hälfte) von dem abgeben würde, was sie besitzt, ginge es uns immer noch ausgezeichnet! Und vor allem auch dem vierten Viertel Österreicher.

Wie gut würde es uns dann erst gehen, wenn wir alle nur ein bisschen abgeben? Vielleicht ein bisschen vom Überfluss ... anstatt so vieles wegzuwerfen und für die Entsorgung zu bezahlen.

Was viele vergessen: Das würde mit Sicherheit zur Verbesserung ihrer eigenen Lebensqualität beitragen.

Wenn der Neid Angst in die Hirne bläst und diese dort zur Dummheit umwandeln, die dann Hass aus Mündern quellen lässt, bringt das mit Sicherheit keine Lebensqualität.

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