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Derzeit poppt sie mal wieder auf, die unendliche Geschichte der Bundesrepublik: die Rentendebatte. Sei es, um von anderen Problemen abzulenken (ein Schelm, wer Böses denkt) oder weil man hofft, über die öffentliche Debatte endlich mal einen sinnvollen Lösungsansatz präsentiert zu bekommen.

Grundsätzlich finde ich, dass die gesamte Rentendebatte einen gravierenden Fehler macht: Man unterscheidet nicht nach der Belastung, die verschiedenste Berufe über ein Arbeitsleben an den Körper und Geist stellen. Eine mögliche Lösung: Die Einführung eines „Arbeitsfaktors“.

Wenn man sieht, wie Menschen wie Herr Schäuble oder Herr Hopp (SAP) bis ins hohe Alter vor Energie strotzen, ist man leicht versucht zu sagen: „Seht her, Ihr faulen Säcke! Es geht doch, wenn man will!“. Ganz so einfach ist es jedoch nicht. Nicht nur, dass beide Personen möglicherweise ihren „Wunschberuf“ leben (Schäuble) oder ihr „Kind“ (SAP/Hopp) weiter betreuen, auch sonst sind ihre Berufe kaum mit alltäglichen Jobs wie Industriekaufmann, Mechaniker, Krankenpfleger oder dem vielzitierten Dackdecker zu vergleichen.

Hier könnte man sinnvoll ansetzen: Grundsätzlich sollte jeder Deutsche eine gewisse Anzahl an Lebensjahren arbeiten und in die Sozialkassen einzahlen. Wer dies vollendet, erhält seine staatliche Rente in voller Höhe und zwar in einer Höhe, die ihn nicht zum Flaschensammeln ermuntert oder dazu zwingt, einen 450 Euro-Job im Rentenalter anzunehemen, um irgendwie über die Runden zu kommen. Vielmehr sollte sie ein entspanntes Genießen des Rentner-Alltags ermöglichen. Nehmen wir mal die Phantasiezahl 2.000 Euro. Netto. Ohne Abzug. Und sagen wir mal – noch eine Phantasiezahl – hierfür sind 50 Jahre sozialversicherungspflichtige Beschäftigung notwendig.

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Ein fairer Ansatz wäre nun, wenn man für jedes Berufsbild einen Faktor festlegt. Nach diesem Faktor werden die Beitragsjahre berechnet. Beispielsweise erhält ein „normaler Büroangestellter“, also z.B. ein Industriekaufmann, den Faktor 1,00. Heißt: Er muss effektiv 50 Jahre arbeiten und einzahlen. Eine Krankenschwester erhält den Faktor 1,2, sie könnte damit nach gut 42 Jahren in Rente gehen. Ein Dackdecker oder Stahlarbeiter mit dem Faktor 1,4 wäre nach 36 Jahren harter köperlicher Arbeit im verdienten Ruhestand.

Nicht nur würde man damit dringend benötigte Berufe (z.B. Berufe in der Alterspflege) attraktiver machen, man würde auch den Menschen, die tagtäglich harte körperliche Arbeit vollbringen, einen angemessenen Ruhestand ermöglichen. Derzeit kann niemand ernsthaft mit 70 Jahren noch auf dem Bau arbeiten oder ein Dach decken. Und wenn ein Stahlarbeiter mit 67 in Rente geht, ist er wahrscheinlich körperlich ein Wrack und kann seine Rente angesichts der körperlichen Gebrechen, die mit dieser Berufsvergangenheit einhergehen, sicher nicht mehr genießen.

Sicher, dies ist nicht mehr als ein plumper Ansatz für mehr Fairneß und angemessene Wertschätzung der Arbeitskräfte hierzulande. Aber wenn für die Politik wirklich, wie so oft zitiert, der „Mensch im Mittelpunkt“ steht, wäre es zumindest eine Überlegung wert. Wenn…

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Claudia56

Claudia56 bewertete diesen Eintrag 07.03.2017 14:04:33

Silvia Jelincic

Silvia Jelincic bewertete diesen Eintrag 27.04.2016 23:19:13

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