die große göttin und ihr letztes wort

im grunde genommen konserven, aber..

science-fiction1

@ nicht nur! fidelche aka manfred breitenberger, der rahab blockiert hat - obwohl ich in seinen blogs so gut wie nie kommentiert habe, zuletzt, als ich ihm erklärte, dass ich gewißlich Israel mehr liebe als er, was er sofort löschte...

gern würde ich dir sagen, so wie jener Jesche, von dem einige annehmen, er könne vielleicht raw gewesen sein: dein glaube hat dir geholfen!

allein, selbst wenn ich dir solches sagte, hätte dein glaube weder dir noch den weiblichen göttlichen zu existenz verholfen. letzteres finde ich übrigens bedauerlicher als ersteres. Das nun nicht, weil ich unbedingt weibliche göttliche glaubte/glauben wollte, sondern weil mir manche darstellungen dieser weiblichen göttlichen, beispielsweise der Artemis von Ephesus, ausnehmend gut gefallen – zuweilen ist mir nämlich danach, mir einen brustpanzer aus hoden umzuhängen!

so bleibt mir wie hier: https://www.fischundfleisch.com/rahab/die-kneipenwirtin-und-der-1-ne-gott-51845

und jetzt hier: https://www.fischundfleisch.com/manfred-breitenberger/marx-luther-lessing-und-das-opium-des-volkes-59220

versprochen, vorerst nur festzustellen, dass erschütternd ist, zu welchen glaubensinhalten dich unkenntnis in der sache führt.

1) ob es die weiblichen göttlichen je gab, gibt, geben wird, ist völlig unerheblich - fakt ist: sie wurden verehrt und zwar im syro-palästinensischen raum (inklusive Nord-wie-Südreich-wie-Judäa&Schomron-Israel) bis mindestens in die zeit des 2. tempels hinein (der von den rückkehrern aus dem babylonischen exil so ab ca.550 vor... erbaut worden sein soll und 70 nach... zerstört wurde), vermutlich aber noch länger, weil anders der furor, mit welchem die sogenannten christlichen kirchenväter die letzten kultstätten dieser weiblichen göttlichen zerstörten, nicht zu erklären ist.

2) die frage, ob weibliche göttliche oder männliche göttliche oder göttliche tumtums (mischna-hebräisch für hermaphrodit) den tanach geschrieben hätten, stellte sich in dieser form den redaktoren des tanach nie. Schon oder eher noch damals war bekannt: göttliche schreiben eher weniger - obwohl zuweilen der einen oder anderen göttlichen die erfindung der einen oder anderen schrift zugeschrieben wurde.

3) was die menschliche schreiberei anbelangt, ist zum geschlecht der schreibenden definitives nicht feststellbar. Feststellbar ist lediglich, für einzelne sogenannte bücher/schriftrollen und/oder auch nur teile derselben, dass diese auf ältere texte und erzähltraditionen zurückgreifen, die aus noch weniger mono-theistischen zusammenhängen stammen als sie im (fiktiv landgenommenen) lande Kanaan und unter den bnei Israel gegeben gewesen sein sollen. - 'Witzig' ist in diesem zusammenhang allerdings, dass solch ein wichtiger prophet wie Jesaja nicht schreiben konnte, sondern zu einer prophetin gehen mußte, welche des schreibens kundig war - nachzulesen am anfang der Jesaja-rolle. Dies verweist auf eines, welches auch aus anderen zusammenhängen bekannt ist: es gab schreiberinnen, also schreibende frauen. Und es gab analphabeten, also männer, welche des lesens und schreibens unkundig waren und von denen uns nur verbürgt ist, dass sie äußerst geschwätzig waren (ein phänomen, das bis heute anzutreffen ist).

4) wie überhaupt das entstand, was jüdische menschen den tanach nennen, das ist eine sehr lange geschichte, deren erforschung bibliotheken füllt. Diese bibliotheken zu durchforsten, um das eine oder andere zu diesem entstehungsprozess zu lernen und zu verstehen, ist ein spannendes unterfangen, das vermutlich mehr als ein menschenleben erfordert. Ich sage dir deshalb an dieser stelle nur so viel: seriös läßt sich zu den texten nur annehmen, dass sie, soweit die entsprechenden schriftrollen in Qumran gefunden wurden, so um/ab 200 vor… geschrieben wurden, wobei offen bleiben muß, ob sie selbst geschrieben oder abgeschrieben wurden. Ob es frühere eigene texte gab und welchen inhalt die hatten – nobody knows! Die LXX (septuaginta) als quelle ist zur erhellung dieser fragen alles in allem ungeeignet, denn auch sie verrät uns nicht, wann nicht in Qumran gefundene texte entstanden sein können. Schließlich kennen wir zur entstehung der LXX auch nur legenden mit sehr zweifelhaftem wahrheitsgehalt. Solche legenden haben bekanntlich meist nur einen zweck: sie dienen der legitimation durch herstellung von altehrwürdigkeit. Ein weiterer grund sei nur am rande erwähnt: die probleme der übersetzung alt-orientalischer lebens- und vorstellungswelten in hellenistische sind gewaltig. (Für die targumim gilt das zu LXX gesagte mehr oder weniger in gleicher weise)

5) aus vorstehendem ergibt sich, dass auch die existenz eines jüdischen volkes (in der art wie du glaubst, dass seine geschichte aus dem tanach ablesbar wäre) frühestens ab der ältesten Qumran-rolle angenommen werden kann. Dies deshalb, weil die Qumran-rollen zeigen, dass es ab rund 200 vor … verschiedene sich als jüdisch verstehende gruppierungen gegeben hat, die querbeet miteinander und gegeneinander anschrieben und -lebten, und zwar auf einem geographisch einigermaßen gut eingrenzbaren raum. Allerdings: darüber, wie groß oder klein diese gruppierungen waren und ob und wie genau sie mit den jeweiligen territorialherren bzw. –frauen verbandelt waren oder nicht, darüber wissen wir schon wieder nur wenig. So dass wir eigentlich doch nicht wissen, wie jüdisch das jüdische volk überhaupt war/gewesen sein könnte.

Alles andere ist schall und rauch, eine wilde mischung aus geschichte und geschichten, und schwebt zwischen archäologie und fiktion. Manche leute (und ich gehöre dazu) lesen den tanach daher als historiographie, also als eine geschichtsschreibung, welche ab einem nur ungefähr bestimmbaren zeitpunkt begann, geschichte zu konstruieren. In diesem fall die eines jüdischen volkes als herrschaftsgeschichte und religion und volk. Wobei die herrschaftsgeschichte, auch wenn sie sich prächtig lesen soll, doch recht mickrig ausfällt.

Vergnüglich zu lesen und mit thematisch geordneten literaturhinweisen aufs beste ausgestattet sind dazu die – auch auf deutsch erschienen – bücher von  Israel Finkelstein und Neil A.Silberman:

Keine Posaunen vor Jericho. Die archäologische Wahrheit über die Bibel, 2004 bei dtv

David und Salomo. Archäologen entschlüsseln einen Mythos, 2006 bei Beck

und mittlerweile und schon nicht mehr nur vergnüglich zu lesen

Israel Finkelstein: das vergessene königreich. Israel und die verborgenen ursprünge der bibel (2013)

Diese beiden nehmen übrigens an, dass das, was manche für das jüdische volk oder das volk Israel oder die bnei Israel halten, so ungefähr im 7. bis 6. jahrhundert vor… aus dem dunkel der geschichte aufzutauchen beginnt. Die davor nennen sie ‚proto-israeliten’. Was auch einen sinn macht, denn eines bedarf der erklärung: in der eisenzeit I (1150-900) lebten in den dörfern des westlich vom Jordan gelegenen berglandes menschen, welche kein schweinefleisch aßen. Davor und danach wieder war das anders.

Fraglich ist allerdings bereits wieder der schluß, den Finkelstein/Silberman daraus ziehen, nämlich der: „Wenn moderne Juden es ihnen gleichtun, halten sie am ältesten, archäologisch belegten kulturellen brauch des Volkes Israel fest.“

Was aus alledem zum einen folgt und zum anderen übrigbleibt, das steht im zweiten teil.

nämlich: science-fiction2

Im klartext bedeutet das: Sara (zuvor Sarai) gab es nicht, Rivka (Rebekka) gab es nicht, Lea und Rahel gab es nicht, weshalb auch keine/r weiß, was mit den sehr behelfsmäßig als ‚liebesäpfel’ übersetzten ‚duda’im’ eigentlich gemeint war - und all deren gatten gab es ebensowenig, weshalb die ganze geschichte der patriarchen ausfällt und die verehrung von patriarchen-gräbern in der Machpela zu Hebron kompletter unsinn ist und die ‚neugründung’ von kiriat arba bestensfalls fehlgeleitete nostalgie. Joseph gab es nicht, den auszug aus Ägypten gab es ebensowenig wie Mose, den fall von Jericho gab es nicht und damit gab es auch nicht Rahab und Josua schon mal gleich garnicht, die richterin Debora gab es ebensowenig wie ihre männlichen kollegen, der prophet Samuel, welcher Sha’ul zum ersten könig salbte, ist ebenso eine erfindung wie der angebliche gesalbte, king David gab es womöglich als obermotz einer bande von ziegenklauenden out-laws, über die königin von Saba wissen wir heute mehr als über könig Salomo, den ‚erbauer’ des 1.tempels – was bedeutet, dass wir über ihn garnichts wissen, außer das irgendwelche leute irgendwann angefangen haben sich zu erzählen, dass es ihn gegeben hätte!

Vereinfacht gesagt: über all die lichtgestalten, welche die rede vom einen volk und dessen einem gott begründen sollen, wissen wir herzlich wenig – über die schattengestalten dagegen, also die, welche den texten zufolge von ihrem gott abfielen und deshalb unheil über volk und land und sich selbst brachten, wissen wir vergleichsweise mehr. Was daran liegt, dass sich die entsprechenden namen in sogenannt außerbiblischen quellen auffinden lassen (und zuweilen eine kurze beschreibung eines ereignisses dazu), wohingegen das riesenreich Salomos in den texten/archiven der umliegenden kleinen und großen reiche nicht auffindbar ist. So zieht sich das durch bis zu Alexander, der ca. 330 vor… auf seinem weg nach Ägypten durch diesen landstrich einfach so durchzog, dabei die honneurs der dortigen territorialherren und –frauen entgegennahm, und nach Alexanders weiterzug ging die kleinteilige streiterei um weidegründe und anbauflächen im syro-palästinensischen raum weiter. Ziemlich viel nebel also, der sich stellenweise dank außerbiblischer quellen etwas lichtet, aber eben nur stellenweise und aus der sicht der jüdisch-israelischen traditionspflege auch noch an den falschen stellen!

 Was es vermutlich wohl gab, ist eine sogenannte deuteronomistische bewegung, irgendwie im oder nach dem babylonischen exil enstanden (danach ist wahrscheinlicher als im), welche sich daran machte, aus erzählungen (sehr unterschiedlichen und geographisch relativ weitgestreuten lokalen erzähltraditionen) texte herzustellen, andere (zum teil ‚fremde’) texte umzuschreiben, und dies alles zu einem allmählich wachsenden text-korpus zusammenzustellen, aus dem der tanach (also die sammlung von tora-propheten-schriften) wurde. Ein prozess, der sich über jahrhunderte (wohlwollend gerechnet ab dem babylonischen exil) hinzog.

Welche tatsächlichen macht- und vor allem lebensverhältnisse diese texte wiedergeben, wissen wir heute nur teilweise, zum größten teil dürfen wir heute annehmen, dass wir es hier mit einer großartigen geschichtsklitterung nicht nur hinsichtlich der herrschaftsgeschichte sondern auch hinsichtlich der materiellen wie immateriellen kultur zu tun haben. Was es nötig macht, sowohl die texte als auch unsere eigenen sichtweisen auf selbige mehrfach gegen den strich gebürstet zu untersuchen.

Dieses verhältnis von nicht-wissen ./. wissen betrifft auch das, was du an diesen texten frauenfeindlich zu nennen beliebst und worin ich dir, was die bis heute vor allem in der jüdischen sekte der christen vorherrschende auslegung und die wirkungsgeschichte anbelangt, überhaupt nicht widerspreche, denn: die meisten der texte wurden dazu verwendet, frauen vom kult und zunehmend und viel wichtiger! von der herrschaft auszuschließen; so richtig entfaltete sich diese wirkung allerdings erst ‚nachchristlich’, wobei die christen-tümer gewissermaßen die tatherrschaft übernahmen und die rabbinische ‚bewegung’ große mühe hatte, diesen ihre (stellenweise stark) abweichende sicht der dinge überhaupt noch näherzubringen.

Etwas besser gelang dies der rabbinischen ‚bewegung’ in der region des spät-antiken orients, von der später die ‚futuh’ der muslime ausgehen sollten. Aber damit sind wir in einem teil der geschichte angelangt, der in dem, womit ich mich beschäftige, weniger vorkommt (vorerst), weshalb ich es bei dieser kurzen bemerkung belassen will.

 Bevor du nun aber annimmst, ich ‚glaubte’, der monotheismus (also eine religion) habe das ausgeübt, was ich weiter oben herrschaft nannte (von der frauen zunehmend ausgeschlossen wurden), laß dir versichern: das glaube ich überhaupt nicht. Ich ‚glaube’ auch nicht, dass andere göttliche, weibliche-männliche-tumtums, macht ausgeübt hätten. Ich weiß allerdings, weil ich die entsprechenden forschungen zur kenntnis genommen habe, dass in diesem geographischen raum ein bunter flickenteppich von kulten anzutreffen war, darunter auch alt-ehrwürdige kulte weiblicher göttlicher.

Also: ich ‚glaube’ nicht an die herrschaft irgendwelcher ‚göttlicher’ wie auch sonst kaum eine, die sich mit diesen texten und den ihnen zugrundeliegenden macht-, herrschafts- und geschlechterverhältnissen beschäftigt ‚glaubt’, die in diesen texten in teilen auffindbaren rechtsformen hätten aus den texten heraus und durch diese vermittelt ‚geherrscht’. Sie waren nützlich, die texte, und deshalb wurden sie benutzt  - zu legitimationszwecken und als ideen-steinbruch. Genauso, wie es im verlauf der europäischen aufklärung nützlich schien, vorherrschaft der männer und frauenfeindlichkeit mit ‚der natur’ zu begründen (was eine dem entsprechende ‚naturwissenschaft’ be-gründete), so schien weit davor nützlich, dies aus einem ‚göttlich gesetzten recht’ heraus zu tun.

Diese behauptung des ‚göttlich gesetzten rechts’ war sehr wirkmächtig – und sie ist es auch heute noch, teilweise bis in deine eigene rede hinein, aber auch und gerade in unserem eigenen rechtssystem noch auffindbar. Und sie wirkt – wen würde dies wundern? – auch  in dem, was auch bibelwissenschaften genannt wird/genannt werden kann. Wie sie auch in den fächern wirkt, die sich von anderen bezugspunkten aus wissenschaftlich mit dem Alten Orient beschäftigen. Anderes wirkt da allerdings auch – beispielsweise die antiken-rezeption, die ollen Hellenen und deren drôle de démocratie im besonderen, aber auch all das, was populärst-wissenschaftlich in solch büchern wie dem eines gewissen Keller mit dem atemberaubenden titel ‚Und die Bibel hat doch recht!’ unters volk gebracht wurde und unter anderen titeln von anderen autoren immer noch wird. Unter diesen legitimationsspendern ist übrigens auch der olle Darwin zu finden, auf welchen immer wieder zur legitimation dieses merkwürdigen westlichen ‚fortschrittsgedankens’ auch in den geschlechter- wie rechtsverhältnissen verwiesen wird.

 Im weiteren wirkt da – und zwar ebenfalls rechtsbegründend – die noch garnicht so alte rede- und traditions- wie tradierungsfigur vom patriarchalen Alten Orient, welche den heutigen männern immer wieder die beruhigende gewißheit zu verschaffen weiß, dass das ja alles furchtbar frauenfeindlich war und das patriarchat sich seither ganz gewaltig verbessert habe, denn es habe ja bis auf einige wenige noch verbliebene ausnahmen zugelassen, – und darauf ist für gewöhnlich fast jeder heute lebende mann ganz persönlich bis kurz vorm zerplatzen stolz! – dass die frauen sich emanzipieren, der aufklärung und der französischen revolution und bei einigen auch Marx&Engels sei dank. Nur, und da wendet sich der aufgeklärte mann mit schaudern ab, in anderen noch nicht so entwickelten weltgegenden, vornehmlich dem Nahen und Mittleren Osten, da wütet noch das patriarchat in seiner archaischen form.

Damit bin ich bei dem topos der ‚befreiung’ (vulgo: emanzipation) angekommen. Dieser topos hat dank der christen (fast egal welcher denomination) eine solche kraft entfaltet, dass sogar solche an ihn glauben, die von sich selbst behaupten, eingefleischte atheisten zu sein. Ich werde später darauf zurückkommen…

Ein paar dinge wissen wir aus dieser verhangenen vergangenheit über das hinaus, was ich oben kurz angerissen habe, aber schon.

So wissen wir, dass frauen rechte hatten.

Darunter auch solch merkwürdiges wie das, einerseits einen anspruch auf ein erfülltes wie erfüllendes sexualleben zu haben, andererseits aber den ihnen angetrauten nicht permanent zur verfügung stehen zu müssen. Einiges von diesem recht ist bis heute in den jüdischen traditionen aufbewahrt, einiges wird immer noch und bis ins alltägliche leben hinein gegen frauen gewendet, um sie im privaten wie auch in der öffentlichkeit tendenziell unsichtbar zu machen.

Darunter auch das so hochinteressante wie die ‚ketuba’ – also das, was viele fälschlicherweise für einen kaufpreis halten, was jedoch eine art ‚versorgungsausgleich’ für den fall von scheidung oder tod des gatten darstellt, welchen der prospektive ehemann der prosepktiven ehefrau vor der eheschließung überschreiben muß.

Besonders umstritten sind zwei rechte: das recht der ehefrau, sich scheiden zu lassen und das recht einer frau, ihre eltern oder auch wen anders in eigentum an grund und boden zu beerben.

Für beides wurden schriftliche textzeugen gefunden. Zur scheidung eine ‚git’ (scheidebrief) aus der zeit des Bar-Kochba-aufstandes, welche eine frau ihrem mann ausgestellt hat und deren empfang der mann bestätigt. Und zum erbrecht eine ganze reihe miteinander zusammenhängender testate eines ehepaares aus Elephantine (also weit vorchristlich!), welches seiner ‚ama’ (die einen sagen ‚sklavin’, andere zweifeln, ich nehme an: ziehtochter) seine liegenschaften so vererbte, dass der ehemann, mit dem diese ‚ama’ zeitgleich zur testamentserrichtung die ehe einging, keinerlei zugriff auf das erbe seiner ehefrau hatte/haben sollte.

Ich erwähne nur diese zwei bedeutsamsten funde; es gibt da noch mehr, einzelheiten lassen sich beispielsweise bei Tal Ilan nachlesen.

Diese zwei funde aus doch recht weit auseinanderliegenden zeiten verdeutlichen, dass es sich so ganz einfach-gewirkt mit der ‚göttlich verordneten’ frauenfeindlichkeit zu den zeiten, in denen die geschichten des tanach sich ereignet haben sollen, nicht verhält. So ähnlich wie eine frau (auch eine ehefrau) im Babylon des Hammurabi wesentlich mehr rechte hatte als eine engländerin (auch und gerade ‚von stand’) des 19. und beginnenden 20. jahrhunderts oder auch eine (west-)deutsche ehefrau bis ende der 70-ger jahre des vergangenen jahrhunderts dürfte es auch bei den frauen im vorchristlichen Palästina gewesen sein. Diese und andere funde (und die auseinandersetzungen um sie) verdeutlichen vor allem einen punkt: frauen waren vertragsfähig, und damit auch testier- und erbfähig! Eine ‚eigenschaft’, welche sie im sich immer weiter aufklärenden Europa zunehmend verloren. Allerdings sind im tanach hauptsächlich die texte erhalten geblieben, welche geeignet schienen (meine unterstellung) diese vertrags-,  testier-, erbfähigkeit zu beschneiden, am besten ganz zum verschwinden zu bringen. Und zwar mit hilfe eines ‚instruments’, welches wir heute noch kennen: die rede ist vom ehe-formular-vertrag. Dies ist, neben dem gesetzlichen güterstand,  das entscheidend ‚neue’, welches mit dem sich allmählich ausbreitenden monotheismus des tanach einherging – wobei die idee des formularvertrags und des gesetzlichen güterstandes gern auch ohne diesen einen gott, welcher beides eingesetzt haben sollte, übernommen wurde.

Das obige zu frauenrechten ist zwar kein grund, das vermutlich/womöglich nie existente alte Israel zum matriarchat zu erklären. Aber es ist allemal ein grund, mit dem urteil der frauenfeindlichkeit etwas vorsichtiger zu hantieren und die angeblich oder tatsächlich hinter den texten liegenden macht-, herrschafts- und geschlechterverhältnisse etwas näher in augenschein zu nehmen  (soweit dies anhand der verschiedenen quellen möglich ist) – und sich dabei auf allerlei überraschende erkenntnisse einzustellen, wie z.b. dass texte gerade nicht ein rechtswirklichkeit wiedergeben sondern eine art gegenmodell präsentieren (können, nicht müssen ). Dies erfordert zum teil eine neu-bewertung von funden, welche noch bis vor  ca. 50 jahren einfach unter kanaanäische fruchtbarkeitsgöttin abgelegt worden waren (beispielsweise) und dies erfordert sehr sorgfältige arbeit an und mit texten und eben auch deren teilweise bis gänzliche neubewertung. Denn so einfach, dass von einem text, gar einer einzelnen textstelle, darauf geschlossen werden könnte, dass das ‚göttlich verordnete recht’ des tanach in den realen sozio-kulturellen lebensverhältnissen 1:1 seine umsetzung erfahren habe, liegen die dinge nicht. Nicht mal da, wo Josephus Flavius dergleichen behauptet!

Eher gibt es grund zu der annahme, dass einige texte als beispiele für den umgang – von abwehr bis annahme – mit beispielsweise ‚solonischen’ aber auch anderen einflüssen stehen, einflüssen aus gesellschaften wie der athenischen/hellenischen, welche sich durch erhebliche rechtlosigkeit von frauen auszeichneten.

Alles in allem stellen gerade die texte der tora (pentateuch), aber auch andere texte des tanach, solche dar, an denen sich ein paradigmenwechsel ablesen läßt. Was nichts anderes bedeutet als dieses: frauen ‚verloren’ rechte, allem voran das recht an fortpflanzung – nachzulesen in den geschichten um Hagar (wobei es dem verständnis dieser geschichten sehr hilft, die midrashim zu Sara/Sarai dazuzulesen), weniger das an sexualität. Dieses recht an fortpflanzung beinhaltete (nicht abschließende aufzählung): das eigene kind (nicht zu verstehen als einem mann ein kind zu ‚schenken’!), das recht auf leihmutterschaft, das recht auf kinderlosigkeit, das recht auf ehelosigkeit, das recht auf enthaltsamkeit in der ehe. Auch das recht an der teilnahme am kult verloren sie – was unter anderem damit zu tun hat, dass regularien, die für den einen oder anderen mysterien-kult einen eigenen sinn hatten, in solche umgewandelt wurden, welche für alle und im alltäglichen lebensvollzug zu gelten hätten und zu beachten seien. Damit waren frauen tendenziell auch von herrschaft ausgeschlossen – aber nicht sofort, wie die noch von den rabbinen diskutierte königin Helena von Adiabene beweist (von dem polit-krimi um Mariamne nicht zu reden!) .

Dass dies alles – soweit es nicht sowieso erst mal nur ‚auf dem papier’ stattfand – nicht kampflos und ohne auseinandersetzung vor sich ging, davon zeugen diese texte ebenfalls (nachzulesen in der geschichte von Michal oder Hannah oder Jsebel beispielsweise). Wie sie auch davon zeugen, dass sie schlußendlich nur noch um den preis der historiographischen aufgabe der bundesidee und verheißungsgeschichte endzuredigieren gewesen wären – eine meiner lieblingsgeschichten dafür ist das buch Ruth.

Auch die idee der befreiung finden wir in den texten angelegt, nämlich als befreiung von der einhaltung bestimmter mizvot, die im lauf der zeit in den ausschluß von denselben und daraus folgend den ausschluß von öffentlichkeit umgedeutet wurde.

Richtig pervertiert wurde diese idee dann allerdings durch Paulus, der salopp gesagt das alte ‚gesetz’ für unbeachtlich erklärte, um sogleich ein noch höheres und von noch höherer stelle  inspiriertes neues zu installieren. Seither geistert die idee durch die weltgeschichte, menschen, zumal frauen, müßten ja nur von irgendwelchen sie einschränkenden gesetzen befreit werden, und schon sei alles ganz fein. Dabei ging und geht befreiern wie befreiten immer noch durch die lappen, dass die sogenannte befreiung zumeist darauf hinausläuft, die ein- und zugriffsmöglichkeiten zu erhöhen, also menschen, zumal frauen, verfügbarer zu machen. Zwar wurde im lauf der zeit die befreiende instanz gott von der befreienden instanz vernunft abgelöst – aber der mechanismus blieb derselbe. Und genau dieser mechanismus wirkt auch immer noch in deiner opiathaltigen rede zu lev 15 und der frauenfeindlichkeit von religion, lebt doch auch sie von der (christlichen) idee der erbsünde, wenn auch in weltlichem gewand..

 ‚Dein Israel’ jedenfalls, fidelche, das kann ich dir nochmals versichern, knüpft in seinem ehe- und familienrecht nicht etwa an ‚moderne’ oder gar menschenrechtlich orientierte sichtweisen an und auch nicht an gewisse, sehr ‚vormoderne’ auslegungsmöglichkeiten bestimmter texte sondern in weiten teilen an die allerfinstersten weil frauen=menschen-feindlichsten auslegungen, welche seit der zerstörung des 2.tempels schriftlich festgehalten wurden.

Und: es versteht sich von selbst, dass eine geschichte Israels, welche mehr aus fiction denn fakten besteht, historische ansprüche auf land nur sehr schlecht begründen kann!

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so viel aus der konserve und zu einem text, für den der sich fidelche nennende breitenberger in über 800 kommentaren in sachen religionskritik so richtig den arsch vollkriegte. weshalb das ganze geschehnis unter dem fidelchen seinem cosmos nicht mehr zu finden ist. denn er hat bis heute nicht begriffen: religionskritik ist gesellschaftskritik, auch+gerade der eigenen, schon bei Marx nachzulesen. es war ihm nur peinlich. aber das mochte er nicht eingestehen.

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robby

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sisterect

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