[Ein]Topf voll Flüchtlingen - eine differenzierte Betrachtung

Wenn wir heute von Flüchtlingen lesen und hören, stehen dabei die Kriege in Syrien, dem Irak und die Konflikte in Libyen im Vordergrund. Die Rede ist hier zumeist von Kriegsflüchtlingen. Doch auf unserer Welt gibt es weit mehr Krisen- und Katastrophengebiete. Die meisten Staaten Zentral-Afrikas u.v.m. (interaktive Google-Karte -  Krisengebiete v. 08/2014: https://www.google.com/maps/d/viewer?mid=zDWAM9iMyhr8.k1bGBc9LtrOg). Es sind oft schon Jahre andauernde Kriege, Bürgerkriege, Unruhen, ethnische und/oder religiöse Verfolgung und natürlich durch klimatische Veränderungen hervorgerufene Völkerwanderungen, die die Menschen dazu zwingen.

In der Politik sieht man die Sache natürlich meist stark vereinfacht, und oft nur zum Vorteil der eigenen Argumentation. Hier kommt gerne der zweithäufigste Begriff zur Sprache - Wirtschaftsflüchtlinge. Der Begriff Wirtschaftsflüchtlinge wurde dabei mittlerweile zum Synonym für Ausgrenzung von Menschen, denen man pauschal unterstellt, sich am Wirtschaftswunder Europa bereichern zu wollen. In diesem Kontext werden auch Begriffe wie Asylwerber und Zuwanderer gleichgesetzt.

Welche Menschen und Ursachen stehen tatsächlich hinter den Worten Flüchtling, Asylwerber und Zuwanderer?

Bemüht man die deutsche Sprache und den darin enthaltenen Wortsinn, ergibt sich folgendes wertneutrales Bild:

- Flüchtlinge sind Menschen, die aufgrund von Katastrophen, Krisen, Verfolgung (politisch, ethnisch, religiös etc.) und vergleichbaren Ursachen ihre angestammte Region bzw. Heimat vorübergehend oder dauerhaft verlassen müssen, um keinen gesundheitlichen, persönlichen oder wirtschaftlichen Schaden zu nehmen.

- Asylwerber sind Menschen, die zumeist Flüchtlinge sind und in anderen Staaten aus nicht selbst verschuldeten Gründen um vorübergehende Aufnahme ersuchen.

- Zuwanderer sind in erster Linie Menschen, die ihr Lebenszentrum dauerhaft in ein anderes Land verlegen möchten. Dies kann sein, weil sie z.B. als Flüchtlinge ihre Heimat verlassen mussten, dabei Hab und Gut verloren haben oder schlichtweg aus persönlichem Interesse. Letztere würde man gerechterweise wohl eher als "wirtschaftlich motivierte" Zuwanderer bezeichnen, denn als "Wirtschaftsflüchtlinge". Im Übrigen spielt hier aber auch der Wunsch auf kulturelle oder klimatische Veränderung eine Rolle.

Was versteht man dann eigentlich unter Wirtschaftsflüchtling?

Nach meinem Dafürhalten bezeichnet man in erster Linie wirtschaftlich gescheiterte Existenzen und Wirtschaftskriminelle so, die in einem anderen Land eine neue Karriere mit weißer Weste starten wollen. Aber auch Zuwanderer, deren einziges Ziel die Ausnutzung unserer sozialen Errungenschaften ist, ohne selbst einen Beitrag dazu zu leisten. Keinesfalls darf man jedoch Menschen unter dem Begriff "Wirtschaftsflüchtling" einordnen, deren einziger Wunsch existenzielle Sicherheit ist, die sie in ihrer Heimat nicht mehr vorfinden.

Legal vs. Illegal

In intellektloser und reißerischer Manier werden aktuell von vielen Medien und Politikern Flüchtlinge gerne und oft generalisiert als "illegal" bezeichnet. Sogar von einer "illegalen Völkerwanderung" ist seitens einer österreichischen Partei die Rede. Es entscheidet jedoch einzig und alleine der Rechtsrahmen eines Landes, ob ein ins Land gelangender Mensch dies im Sinne einer rechtswidrigen Handlung tut (hier hat sich aber gerade in jüngster Zeit gezeigt, dass einige Staaten und Behörden angesichts des Schicksals vieler dieser Menschen Gnade vor Recht ergehen lassen) und ob er sich seinen Aufenthaltsstatus durch bewusst falsch angegebene Fakten rechtswidrig erschleicht. Aber selbst unter diesen Aspekten kann nur der Aufenthalt eines Menschen als illegal bezeichnet werden, aber niemals der Mensch selbst. Denn einen Menschen selbst als illegal zu bezeichnen, würde sein Existenzrecht als solches in Frage stellen.

Fazit: der Großteil der Kriegsflüchtlinge aus dem Nahen Osten und weiten Teilen Afrikas wird Europa relativ rasch nach Befriedung ihrer Heimat wieder verlassen. Warum? Ganz einfach - weil sie in ihre Heimat zurückkehren wollen, weil sie noch Angehörige dort haben, weil ihr Herz dort seine Wurzeln hat. Auch wirtschaftliche Gründe werden eine Rolle spielen. Viele der Gebiete sind verwüstet, und die Infrastruktur ist zerstört. All dies will wieder aufgebaut werden. Und wie wir selbst nach dem WK II gesehen haben, lässt sich in einer Periode des Wiederaufbaus sehr viel Geld verdienen. Der andere Teil kann - wenn wir es zulassen - unser Leben bereichern. Wir dürfen nämlich nicht vergessen, dass es oftmals sehr gebildete Menschen sind, die bei uns Zuflucht suchen.

Selbstverständlich hilft diese objektive Betrachtung nicht die humanitären und ökonomischen Probleme zu lösen, vor die uns der Zustrom von Menschen aus vielen Teilen unserer Welt stellt. Aber dieses Wissen im Hintergrund hilft uns dabei, dass wir uns von Demagogen und Dummschwätzern nicht vorführen lassen müssen und uns so an deren Parolen und Dogmen beteiligen. Wie wir sehen findet sich in der Bevölkerung eine starke Solidarität zu den Flüchtlingen, viele Menschen hierzulande wiederentdecken ihre Zivilcourage und selbst die Politik schafft bereits ungewohnt unbürokratische Sonderregelungen. Es ist ein Lernprozess auf allen Ebenen, von dem wir letztendlich profitiert haben werden.

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fischundfleisch

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Maria Lodjn

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