Als Hundecoach erlebt man ja manchmal die seltsamsten Geschichten.

Normalerweise werde ich zu Kunden gerufen, deren hündischer Hausgenosse sich (vermeintlich) nicht in die Familie einfügen möchte. Letztens gab es aber einen Anruf, der mir zu denken gab. Es meldete sich ein Herr mittleren Alters, der sich einen Rottweiler anschaffte. Er rief mich an, weil er den Hund ausbilden wollte. "Ares", drei Monate alt, soll ein "Wachhund" werden. Er hätte in dem Infoblatt gelesen, dass ich auch eine Wachhunde-Ausbildung anbieten würde. Ich sagte ihm natürlich, dass ich Hunde sehr wohl zum Wachhund ausbilden würde, sich das jedoch eher auf Hunde beziehen würde, die man zum Dienst in der Sicherheitsbranche verwenden möchte.

Ich hörte förmlich die Enttäuschung des Besitzers von "Ares" und er druckste eine Weile herum, bevor er seinen Wunsch an mich herantrug. "Na, und fir Private mochens des ned..?" Ich erklärte ihm, dass es darauf ankäme, WAS er von seinem Hund wolle und erinnerte ihn gleichzeitig daran, dass ein Rottweiler sowieso gute Schutzinstinkte hätte. Er bräuchte eigentlich bloß eine normale Ausbildung, das würde reichen. Nach einer Weile des um den heißen Brei Herumredens kam er dann doch auf den Punkt: "Kennans ma den Hund a schoaf mochn?" Wenn ich so eine Frage höre, dann läuten bei mir normalerweise alle Alarmglocken, denn eigentlich möchte man in seiner Familie eben KEINEN "schoafen" Hund haben, aber ich bat ihn, mir den Grund zu erklären, weswegen er denn einen Hund haben möchte, der auf Kommando Menschen anfällt. Die Erklärung kam prompt:

"Najo.....Mir haum sehr vü Flichtling bei uns und uns haums a Heim fir Flichtling in Ort gmocht, sehr vü Leit fiachtn si und haum se Woffn besurgt - i wüll oba kane Woffn und hob ma denkt, a Hund schützt mi und mei Familie! Es san sehr vü Fremde im Ort und kana fühlt si mehr sicha.....!"

Was soll man darauf antworten....?

Es wäre arrogant gewesen, ihm seine Angst auszureden, die er zweifellos hat. Offenbar hat man den Ort mit dem Standort eines Flüchtlingsheims "überfahren", die Menschen konnten sich nicht darauf vorbereiten. Nach den Vorfällen von Köln und anderen Städten haben die Menschen natürlich Bedenken, wenn in einer kleinen Gemeinde plötzlich so viele Fremde beherbergt werden.

Die Zunahme von Waffenkäufen zeigt dies ebenso, wie der Wunsch nach Schutz durch Hunde - und anders als üblich wollen immer mehr Hundehalter bewusst einen auf Kommando aggressiven Hund, der Haus und Familie verteidigen soll.

Diese Entwicklung stimmt mich als Hundecoach bedenklich, denn eigentlich es ist mein Bestreben, Harmonie zwischen Mensch und Hund zu schaffen und nicht, eine menschenfressende Bestie auszubilden. Was ich aber immer deutlicher sehe, ist eine unglaublich negative Entwicklung, die oft aus Hass und Angst gegen über allem Fremden entsteht. Diese resultiert zum Teil aus Unwissenheit, aber zum großen Teil auch deswegen, weil man den Bedenken der Bürger kein Gehör schenkt und diese glaubhaft auszuräumen versteht. Waffenkäufe und der Wunsch nach "scharfen" Hunden sind das Resultat einer Abwärtsspirale, die niemand billigen kann. Und wieder einmal wäre es an der Politik, dieser Entwicklung entgegen zu wirken!

Was den Besitzer von "Ares" betrifft: Ich konnte ihn davon überzeugen, dem Hund eine normale Ausbildung zukommen zu lassen, da alles andere gesetzeswidrig wäre. Ich möchte aber nicht wissen, wie viele Menschen künftig ihre Hunde "am Mann" trainieren ("scharf machen" ) . Ich denke, die Politik sollte sich so einige Gedanken darüber machen. Der Hund als "Waffe" gegen Menschen?

Für mich ein Albtraum....

shutterstock/bikeriderlondon

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