PCR-Tests retten Leben. Hunderttausende alleine in Europa. Mindestens.

Die klarsten und wichtigsten Daten zu jeder Epidemie kommen aus den Todeszahlen im Vergleich zum langjährigen Mittel.

Deutschland hatte während der 1. Coronawelle im Vergleich zu 2016 - 2019 eine moderate Übersterblichkeit:

Destatis + eigene Ergänzungen

Die Untersterblichkeit vor der 1.Coronawelle ist das Ergebnis der Minimal-Grippewelle.

Mit den Destatis-Daten läßt sich die Übersterblichkeit (lila Linie minus grüne Linie) z.B. so darstellen:

eigene Auswertung

Die höchste relative Übersterblichkeit (lila Linie geteilt durch grüne Linie minus 1) in der Woche 15 lag bei 15%.

Vergleicht man den Verlauf der täglichen Infektionszahlen laut RKI (wochenweise addiert) mit der Übersterblichkeit, dann erkennt man, daß die deutschen Testzahlen die Toten der 1.Welle mit 1 Woche Vorlauf und einer Todesrate (CFR) von ~ 6,5% fast perfekt vorhergesagt haben:

eigene Auswertung

Grundsätzlich muß jeder Tote der Corona-Übersterblichkeit auch mit Covid-19 infiziert gewesen sein; wegen der Dunkelziffer lag die CFR ca. 13-fach über der aktuell vermuteten IFR von ca. 0,5%.

Insgesamt zeigt die Grafik: Was so gut mit der Realität der Todeszahlen korreliert, kann nicht so schlecht bis nutzlos sein, wie es in Verriß-Berichten und -Blogs suggeriert wird!

.

Verglichen mit anderen EU-Ländern lag die Übersterblichkeit der 1.Welle in Deutschland und auch Österreich relativ niedrig. Hier ein Vergleich mit dem traurigen Spitzenreiter Spanien:

Our World In Data

In Spanien starben während der 1.Welle rund 48.700 Menschen mehr als saisonal üblich - das sind ca. 1.030 pro Million Einwohner. Deutschland und Österreich hatten während der 1.Welle ca. 130 bzw. 150 Covid-19-Opfer pro Million Einwohner.

Vergleicht man die Euromomo-Grafiken von Spanien und Portugal, dann fällt auf, daß die Todesraten über 3 Jahre lang einschl. der winterlichen Grippewellen fast völlig parallel verliefen. Das erscheint aufgrund der direkten Nachbarschaft auch ganz normal - bis Covid-19 kam:

https://www.euromomo.eu/graphs-and-maps + Ergänzungen in rot

Dieses Virus wütete in Spanien in der Spitze mehr als 6-mal so tödlich wie in Portugal und schien über Spaniens mehr als doppelt so gute Intensivbetten-Ausstattung nur zu lachen.

Dafür gibt es genau eine naheliegende Erklärung: Spaniens Lockdown kam etwas zu spät, aber Portugals Lockdown kam so rechtzeitig, daß die Corona-Todesrate nicht über die üblichen Grippewellen stieg - wie auch in Österreich und Deutschland.

Allerdings dauert es je nach Land mehrere Wochen, bis die Statistik-Dienststellen die aktuellen Todeszahlen so weit gesammelt und aufbereitet haben, daß verläßliche Aussagen zur Übersterblichkeit möglich sind.

Wie aber konnten die Regierungen u.a. in Protugal, Österreich und Deutschland wissen, wann der richtige Zeitpunkt für den harten Lockdown war? Antwort:

Sie haben das Frühwarnsystem der PCR-Tests richtig gedeutet!

Wer bei Covid-19 mit dem Lockdown so lange wartet, bis die Sterbezahlen deutlich steigen, riskiert Todesstürme wie in New York City:

New York Times https://www.nytimes.com/interactive/2020/04/27/upshot/coronavirus-deaths-new-york-city.html

Die Woche 15 mit ca. 5.800 mehr Toten als die üblichen ca. 1.000 brachte eine Übersterblichkeit von ~ 580%! Die insgesamt rund 24.000 Corona-Opfer in den 2 Monaten der 1.Welle entsprechen ~ 2.860 Toten pro Million Einwohner.

Schauen wir nun wieder auf ganze Länder anstatt "nur" eine riesige Metropole mit ungefähr der Einwohnerzahl Österreichs.

Hätte Deutschland mit dem Lockdown in der 1.Welle ähnlich lange gewartet wie Spanien, dann hätte es hier ca. 82.000 Coronatote geben können. Anders ausgedrückt:

Das Frühwarnsystem der PCR-Tests hat in Deutschland gegenüber dem "spanischen Weg" in der 1.Welle wahrscheinlich ca. 72.000 Leben gerettet.

In den europäischen Ländern mit niedriger Übersterblichkeit in der 1.Welle dürften PCR-Tests als Auslöser rechtzeitger Lockdowns insgesamt sicher Hunderttausende, womöglich sogar Millionen Tote verhindert haben:

eigene Auswertung

Österreich erlebt es nach einem Halb-Lockdown a la "ein bißchen Schweden" gerade andersherum. Während der gesamten 1.Welle gab es dort ca. 1.300 mehr Tote als saisonal üblich. In der 2.Welle sind es mit Stand 06.12. bereits rund 4.800, und bis zum Ende der 2.Welle wird es noch viele weitere Coronatote geben. Hier die Rohdaten . . .

Our World In Data

. . . und hier die prozentuale Übersterblichkeit im Vergleich mit Schweden:

Our World In Data

Offenbar hat Schweden aus den Fehlern während der 1.Welle gelernt, wogegen Österreichs Regierung für ihren 2. Versuch von dem Virus mit (bisher) maximal 58% Übersterblichkeit abgewatscht wird.

Schätzen wir die 2.Welle in Österreich vorab vorsichtig auf insgesamt 9.000 Coronatote, dann werden es ca. 7.700 mehr sein als in der 1.Welle. Auch diese 7.700 Toten (es werden eher noch mehr als weniger sein) hätten mit einem rechtzeitigen Lockdown aufgrund der PCR-Infektionsdaten verhindert werden können.

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Iris123

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Dieter Knoflach

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