Schweden: ein Hauch Hoffnung mit nichts dahinter.

Update: 23.05.2020

Viele Menschen denken, der lockere Corona-Kurs der schwedischen Regierung wäre intelligenter als der vom großen Rest der Welt, der die Verbreitung des Covid-19-Virus mit harten Lockdowns auf ein verkraftbares Tempo reduzieren will.

Denn in manchen Berichten kann man lesen, daß das normale Leben in Schweden kaum eingeschränkt werden muß, weil die Landsleute die Hinweise der Regierung auch ohne harte Regularien und Strafen beherzigen, und die täglichen Infektions- und Todeszahlen daher niedrig bleiben. Solche Berichte werden umso gieriger aufgesaugt, je skeptischer man den Lockdowns z.B. in Deutschland oder Österreich gegenübersteht. Nicht zu vergessen: In Worte kann man recht gut das hineinlesen, was einem gefällt.

Zahlen sind da gnadenloser, und die kann man per Download direkt aus Schweden bekommen (danke an @Markus Andel für den Link). Netterweise sind die Texte zweisprachig, und Englisch bereitet hierzulande allgemein weniger Verständnisprobleme als Schwedisch.

Mich haben vor allem die beiden Grafiken in "Tabell 6" beeindruckt, die die wöchentlichen Todeszahlen (ungeachtet der Todesursachen) von Jahresbeginn bis einschl. der 15. Kalenderwoche zeigen: lila als Mittelwert der Jahre 2015 bis 2019, grün für 2020. Ich zeige die Grafiken hier etwas verändert zwecks besserer Lesbarkeit.

Zuerst für das ganze Land:

https://www.scb.se/en/finding-statistics/statistics-by-subject-area/population/population-composition/population-statistics/pong/tables-and-graphs/preliminary-statistics-on-deaths/

Will man die Kurven freundlich deuten, dann liegt der 2020er Spitzenwert mit 2.317 Toten nur um 16% über dem Maximum der lila Kurve (1.990). 16% mehr Tote als normal entsprechen einer mittleren Grippewelle, die nie zu solch einer Katastrophe aufgeblasen wird wie Covid-19 - hah, also haben die Schweden doch recht!

Schauen wir uns grade noch die gleiche Grafik für die Hauptstadt Stockholm an (974.000 Einwohner auf 188 km² ergibt 5.180 Menschen pro km²):

https://www.scb.se/en/finding-statistics/statistics-by-subject-area/population/population-composition/population-statistics/pong/tables-and-graphs/preliminary-statistics-on-deaths/

Ups . . . 727 wöchentliche Tote gegenüber einer normalen Rate von ca. 300 entsprechen einer Übersterblichkeit von 242%! Damit liegt Stockholm fast auf dem gleichen Niveau wie der Covid-19-Hotspot New York City mit 11.000 Menschen pro km²: Dort lag die Übersterblichkeit in der Spitze der letzen Wochen über 400%.

Der Hauptvorteil Schwedens liegt wahrscheinlich in seiner insgesamt dünnen Besiedelung (im Mittel nur 22 Menschen pro km²), was die landesweite Verbreitung der Epidemie schon ohne weitere Maßnahmen so bremst, daß die Covid-19-Zahlen von außen nur wie eine mittlere Grippewelle wirken.

Zum Schluß noch die Daten der Weltstadt Berlin, die zusammen mit Rest-Deutschland im Würgegriff des Shutdown dahinsiecht: 3,8 Millionen Menschen auf 892 km² ergibt 4.230 pro km². Wöchentliche Tote im Normalfall: 806. Bestätigte Coronatote in den letzten 7 Tagen: 31 - das sind 4% der Normalsterblichkeit.

Wer mag, kann ja nochmal auf der Basis dieser einfachen Fakten über den schwedischen Kurs nachdenken . . .

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