Ich machte es schon längerer Zeit unbewusst. Bei der Entscheidung, für welche Beiträge in welchen Medien ich Zeit opfere, schaue ich zuerst, ob sie kommentierbar sind, kommentiert werden. Sind sie nicht kommentierbar, war es das schon. Das spart mir viel Zeit und Nerven.

Ist das eine sinnvolle Strategie?

Dazu ein paar Informationen.

Große Mainstream-Medien sind dazu übergegangen, die Kommentarfunktion unter einigen Beiträgen abzuschalten. Dies geschieht hauptsächlich bei strittigen Themen.

Bei der Analyse meines Leseverhaltens stelle ich fest, dass nichtkommentierbare Beiträge grundsätzlich einseitig, unsachlich und manipulativ sind. Das Framing ist unübersehbar. Es gibt niemanden mehr, der in den Kommentaren auf die Fehler hinweist oder zusätzliche Informationen liefert. Hinzu kommt, dass die meisten dieser Beiträge keine Quellen verlinken, somit gezielt Überprüfbarkeit erschweren.

Bei mir ist es so, dass die Lektüre derartiger Beiträge für mich doppelt negativ ist. Einerseits, weil ich mich über die zumeist plumpe Manipulation ärgere und zusätzlich, weil ich Zeit an so etwas verschwendet habe.

Nun bewege ich mich nicht in einer Filterblase und lese gerne Beiträge, die nicht meine Meinung wiedergeben. Dabei stelle ich fest, dass mich das bei kommentierbaren Beiträgen nicht stört. Denn diese Beiträge sind argumentativ wesentlich sauberer, bieten Quellen an, sie wissen um die Überprüfbarkeit und dass jeder Fehler in den Kommentaren thematisiert wird.

Das macht die Lektüre für mich stressfrei.

Warum entscheiden sich bestimmte Mainstream-Medien gegen Kommentierbarkeit?

Gerne wird angeführt, es gäbe zu viel "Hass" und der Aufwand wäre zu groß. Das ist dummes Zeug.

Die Hass-Debatte wurde von diesen Medien losgetreten, als ihre unsauberen Beiträge in den Kommentaren sachlich verrissen wurden und sie kein Bein mehr mit ihren durchsichtigen Frames auf den Boden bekamen.

Große Medien, die in inniger Verbundenheit zu Staat und Wirtschaft stehen, benötigen vermeintliche Hass-Kommentare ebenso, wie der Staat protestierende Gelbwesten medial kriminalisieren lässt und dann mit Gewalt bekämpft.

Kurz gesagt: Das Ziel ist weder Aufklärung noch Information, es geht grundsätzlich um Manipulation und Framing, stets Richtung noch mehr Kapitalismus und noch weniger gesellschaftlicher Zusammenhalt. Die immer größere Ungleichheit zeigt es deutlich.

Wobei es ein erhellendes Phänomen gibt: Ungefähr 25 Prozent rechnen sich zu den oberen zehn Prozent. Was zu einer Identifiaktion mit einem System durch Selbsttäuschung führt.

Einen Fehler sollte man allerdings nicht machen. Die großen Medien sind nicht so dumm, wie es den Anschein hat. Natürlich gibt es viele kleine Würstchen dort, die jeden beliebigen Unsinn schreiben, weil sie nur so weiterhin ihre Brötchen verdienen können. Aber das ist nicht alles. Die gegenwärtigen EU-Bestrebungen bezüglich der Urheberrechts sind ein Generalangriff auf alle kleineren Medien mit Kommentarfunktion.

Denn diese -noch- kleinen und offenen Medien und Plattformen sind dabei, den großen und geschlossenen Medien den Rang abzulaufen. Die kleinen, offenen Plattformen erreichen mit wesentlich weniger Aufwand wesentlich mehr - eben auch zufriedene Leser. Denn sie müssen nicht alle Fakten recherchieren und können durchaus quer zur Meinung ihrer Leser liegen, all das wird in den Kommentaren korrigiert und durch sie kompensiert. Das wollen die großen Mainstream-Medien zerstören, da sie nichts Vergleichbares bieten können, ohne ihre Funktion als Manipulationswerkzeug des Finanz-Wirtschaft-Polit-Komplexes einzubüßen.

Wer meint, das sei eine Verschwörungstheorie und große Medienkonzerne seien unabdingar für unsere Demokratie, der verkennt, dass Demokratie auf Meinungsfreiheit, nicht auf Pressefreiheit gründet. Medien/Pressekonzerne waren und sind stets die Wegbereiter aller nicht-demokratischen Regime.

Es gibt gegenwärtig kaum einen wichtigeren Kampf als den um die Meinungsfreiheit, welche ganz konkret auf offenen Plattformen als Kommentare sichtbar wird.

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gloriaviennae

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