Grüße aus dem Jenseits - in Liebe, dein Franz!

Inspiriert durch die Debatte über Gott und die Welt und das Sterben des Menschen, werde ich nun doch eine Geschichte erzählen, die ich bereits wieder verworfen hatte. (Man kann nicht über alles schreiben.)

An einem Sonntag im April baute ich einer Nachbarin, die schon etwas älter ist, einen Gartentisch zusammen. Das war überhaupt nicht schwer, sondern lustig. :)

Ich nahm die Tischplatte und die Tischbeine aus der Verpackung, kniete auf der sonnenwarmen Terrasse nieder und begann zu schrauben. Ein herrlicher Tag!

Nach einer Weile wunderte ich mich immer mehr, dass sich die Muttern nur schwer drehen ließen, dauernd waren mir irgendwelche Kanten im Weg. :(

Das Wundern ging in ein lautloses Fluchen über - die Nachbarin sollte nur nicht mitbekommen, dass ich mich über ihren neuen Tisch ärgerte!

Nachdem ich drei Beine angeschraubt hatte, rief die Nachbarin, ebenfalls verwundert: "Du, schau einmal diese Skizze an! Gehören die Beine nicht anders angeschraubt?"

Natürlich gehörten sie anders angeschraubt! Die Erkenntnis traf mich wie ein Schlag, es waren schließlich nicht die ersten Tischbeine, die ich an Tischplatten geschraubt hatte. Ich hatte diese Beine versehentlich an der Innenkante der Tischplatte angeschraubt. Wieso war ich plötzlich so unbeholfen?

Wir hoben den neuen Tisch mit den falsch angeschraubten Beinen auf den alten Tisch hinauf, legten Platte an Platte, schraubten gemeinsam die Beine wieder ab und lachten und lachten...

Als die Arbeit, die normalerweise eine Arbeit von zehn Minuten ist, nach einer Stunde beendet war, stellten wir den alten Tisch zur Seite, die Nachbarin machte Kaffee und wir nahmen an dem neuen Tisch Platz.

Der Tisch wackelte, was nach der unverhältnismäßig langen Arbeit zusätzlich ärgerlich war! Warum wackelte der Tisch, wo doch der Terrassenboden eben war?

Die Nachbarin sagte: "Das erledigen wir später!" Ahnte sie, was kommen würde? War sie an dem Vorfall beteiligt?

Die Nachbarin begann mir von ihrem verstorbenen Mann zu erzählen, von seiner Krebskrankheit, dass man ihn nicht mehr operieren konnte. Sie erzählte von den letzten Wochen und Monaten, in denen er so tapfer gewesen war, nie ein Wort über das Sterben gesagt hatte, noch einen langen Ausflug mit ihr gemacht hatte. Dann erzählte sie von der Stunde des Todes, dass sie den Anblick nicht ertragen konnte, dass ihr Sohn sich um die letzten Dinge kümmern musste und wie dann am Morgen der Blechsarg kam...

Dann war die Nachbarin still. Sie sprach kein Wort mehr. Sie hing wohl in Gedanken der schrecklichen Situation nach?

Mitten in diese bedrückende Stille hinein machte der Tisch plötzlich einen 'Rums'. Das Geräusch war so laut, dass wir erschrocken zusammenfuhren. Es schien, als sei der Tisch mit einem Gepolter 'hinuntergefallen'.

Ich hörte mich spontan zur Nachbarin sagen: "Das war dein Mann!"

Die Nachbarin riss entsetzt und gleichzeitig erfreut die Augen auf und antwortete: "Ja, jetzt wo du es sagst, er war es bestimmt! Ich weiß, dass er immer da ist!"

Nach dem Gepolter wackelte der Tisch plötzlich nicht mehr. Stramm wie ein Soldat stand er da und rührte sich nicht mehr. Franz hatte das wohl in Ordnung gebracht? Franz war Tischler gewesen und hatte sich bestimmt köstlich über unsere Dummheit amüsiert? Diese Weiber! Nicht einmal Tischbeine können sie richtig und schnell an Tischplatten anschrauben! Da musste wohl ein Mann her?! Ein richtiger Tischler!

Gleichzeitig dürfte Franz ein wenig eifersüchtig gewesen sein, weil jemand anderer seine Rolle übernommen hatte. Immer war doch Franz der Herr im Haus gewesen! Alles hatte stets Franz erledigt.

Bestimmt hatte auch Franz mich beim Zusammenschrauben des Tisches mit Dummheit geschlagen, damit dann ER einspringen und sein fachmännisches Wissen beweisen konnte?!

So war denn klar, dass Franz den Tisch in seine richtige Position gebracht hatte.

Ich überlegte dann länger und kam zu keinem Schluss. Auch wenn die Tischbeine vielleicht verstellbar waren, so existierte auf der Tischplatte kein Druck, der die Beine hätte ausgleichen können. Auf der Tischplatte hatten nur zwei Handys und zwei Kaffeetassen gelegen und gestanden. Das war sicher zu wenig Druck. Die Tischplatte selbst war auch nicht schwer, sie ist aus Kunststoff.

Mir ist bis heute nicht klar, wer oder was einen solchen Druck auf die Tischplatte ausgeübt haben könnte, damit möglicherweise höhenverstellbare Beine (das habe ich nicht überprüft) sich dadurch ausgleichen konnten. Das Geräusch war auch ziemlich laut, geisterhaft laut. Man weiß aus der parapsychologischen Forschung, dass Geister immer mit einem Gepolter auftreten. :)

Dieses Gepolter ließe sich dahingehend analysieren, dass Geister nicht gesehen und gehört werden können und die von ihnen bewegte Materie deshalb gehörig poltern muss, damit der Betrachter des Spuks die richtigen Schlüsse aus dem Spektakel zieht. :)

Aber egal! Wie es auch sei! Das Wesentliche und Wichtige ist: Die Nachbarin kann glauben, dass Franz lebt, dass er immer bei ihr ist und sie weiter mit ihm reden kann, wenn die Nächte einsam sind.

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