10 Jahre "Deutschland schafft sich ab". Ein Florilegium

10 Jahre ist es nun her, dass ein führender Beamter der Bundesbank seine offenbar reichlich vorhandene Zeit dazu nutzte, um die durch die Wirtschaftskrise verunsicherte Mittelschicht daran zu erinnern, dass es allemal einfacher sei, nach oben zu buckeln und nach unten zu treten als umgekehrt. Vorangegangen waren Interviews, in denen er Einwanderern unterstellte, sie lebten vom Staat und produzierten "ständig neue kleine Kopftuchmädchen", flankiert wurde die Veröffentlichung des Buches mit Vorabdrucken in der größten Zeitung des Landes und seiner wichtigsten politischen Zeitschrift. Die bahnbrechenden Thesen lassen sich in 2 Sätzen zusammenfassen: "Wer arm ist, ist dumm und soll es auch bleiben" und "Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm". Die Prophezeiung, dass Deutschland sich abschaffe, bewahrheitete sich nicht: Trotz einer noch gestiegenen Zuwanderung nimmt das Land den 4. Platz auf dem Index menschlicher Entwicklung ein und beherrscht Europa wirtschaftlich. Und Sarrazin ist trotz seiner rassistischen und antisemitischen Äußerungen, die zum Erstarken der Neuen Rechten und der AfD beitrugen, immer noch Mitglied der SPD.

Aus Anlass dieses traurigen Jubiläums folgt hier eine Sammlung der 30 albernsten Gemeinplätze und widersprüchlichsten Plattitüden:

1.) »Wer nicht lernt, bleibt unwissend. Wer zuviel isst, wird dick.« Solche Wahrheiten auszusprechen, gilt als politisch inkorrekt, ja als lieblos und eigentlich unmoralisch - zumindest aber ist es unklug, wenn man in politische Ämter gewählt werden möchte.

2.) Nirgendwo und niemals kann man den Kuchen essen und zugleich behalten.

3.) Es bleibt niemals etwas so, wie es ist, und kein gesellschaftlicher Zustand ist konservierungsfähig.

4.) Wie ein Fluss ändert sich der Strom der Geschichte beständig und kehrt niemals in sein altes Bett zurück.

5.) Der Realist akzeptiert, dass jeder historische Zustand eine Medaille mit zwei Seiten ist.

6.) Ein Land aber ist das, was es ist, durch seine Bewohner und deren lebendige geistige sowie kulturelle Traditionen. Ohne die Menschen wäre es lediglich eine geografische Bezeichnung.

7.) Doch es gibt große Unterschiede in der Mentalität der Völker und Gesellschaften.

8.) Die Welt ist ungerecht. Die Gaben der Natur - Schönheit, Intelligenz, Gesundheit - sind ungleichmäßig verteilt und nicht nach dem Grundsatz, dass der, der die schönere Seele hat, auch die bessere genetische Ausstattung erhält.

9.) Dem Menschen wird mit der Geburt ein Platz in der Gesellschaft zugewiesen, und diesen behält er in der Regel bis zu seinem Tod.

10.) Der technische Fortschritt hat etwas Faszinierendes und zugleich etwas äußerst Beängstigendes.

11.) Die Existenzbedingungen gesellschaftlicher Formationen ändern sich unablässig, wenig bleibt, wie es ist.

12.) Jeder muss selber entscheiden, ob er es für wertvoll erachtet, Nachkommen zu haben, dass seine Familie sich fortpflanzt und sein Volk in seiner kulturellen und physischen Eigenart eine Zukunft hat.

13.) Die beste Schule macht ein dummes Kind nicht klug, und die schlechteste Schule macht ein kluges Kind nicht dumm.

14.) Johann Wolfgang von Goethe und Alexander von Humboldt stammten aus hochgebildeten Elternhäusern und genossen eine ausgezeichnete Erziehung, die in dieser Qualität damals nur wenigen zuteil wurde. Hätten sie dieselben schöpferischen Leistungen erbracht, wenn sie auf einer integrierten Gesamtschule in Rüsselsheim oder Duisburg unterrichtet worden wären?

15.) Jeder Sportler, der seine Leistungen steigern will, muss regelmäßig und intensiv trainieren.

16.) Der Tag hat für jeden nur 24 Stunden, und jede Stunde, die vor dem Fernseher, im Internet oder bei einem Computerspiel verbracht wird, ist unabhängig vom Bildungsgrad für Lektüre verloren.

17.) Jeder Musiker, egal wie begabt er ist, muss, wenn er Spitzenleistungen erzielen will, täglich viele Stunden auf seinem Instrument üben.

18.) Wer viel, schnell und mit gutem Textverständnis liest, hat eigentlich niemals Probleme mit der Rechtschreibung.

19.) Jeder Jäger weiß von seinem Hund und jeder Reiter von seinem Pferd, dass er seinem tierischen Freund, der seine Führung erwartet, nichts abfordern kann, wenn er ihm keine Zuwendung zuteil werden lässt. Er weiß aber auch, dass sich das Pferd nicht von selber dressiert und der Hund nicht von alleine apportiert. Viel anders sind die Regeln nicht, die in der menschlichen Erziehung gelten.

20.) Das Deutsche in Deutschland verdünnt sich immer mehr, und das intellektuelle Potential verdünnt sich noch schneller. Wer wird in 100 Jahren »Wanderers Nachtlied« noch kennen? Der Koranschüler in der Moschee nebenan wohl nicht.

21.) Der Mensch ist ein territorial orientiertes Wesen. Diesbezügliche Instinkte sind tief in ihm angelegt. Das beginnt bei der eigenen Wohnung, setzt sich fort am Gartenzaun und reicht bis zur Staatsgrenze.

22.) Wer als Deutscher durch diese Viertel geht, kommt sich vor wie ein Fremder im eigenen Land.

23.) Der Mensch bevorzugt das Vertraute und pflegt dem Fremden gegenüber Distanz zu zeigen. Das gilt für Sprache, Speisen, Sitten und Gebräuche. »Gleich und gleich gesellt sich gern«, heißt es.

24.) Kaum jemand weiß, was in den Moscheen gepredigt wird. Tatsache ist, dass es sich um eine sehr abgeschlossene Religion und Kultur handelt, deren Anhänger sich für das umgebende westliche Abendland kaum interessieren - es sei denn als Quelle materieller Leistungen.

25.) Der Beschenkte fühlt sich nicht respektiert und nicht ausreichend ernst genommen. Um sein Ego zu stützen, entwickelt er eine Abneigung gegen den Wohltäter. Das sind elementare psychologische Mechanismen, denen man sich kaum entziehen kann. Das erklärt beispielsweise auch zum Teil den nagenden Missmut, den das wiedervereinte Deutschland bei vielen Ostdeutschen hervorruft.

26.) Wer Schalke-Fan ist, kann eben nicht gleichzeitig Bayern-Fan sein.

27.) Gandhi war in diesem Sinne Fundamentalist, wenn auch für eine gute Sache. Hitler war Fundamentalist, leider für eine böse Sache.

28.) Völker gehen ja nicht nur unter durch Hungersnot, Krankheiten, Eroberung oder Genozid. Sie können auch still sterben. Wer fragt schon nach ihnen? Andere Stämme und Völker treten an ihre Stelle.

29.) Was vernünftig ist, ist stets auch möglich. Das Grundgesetz ist schon für weitaus unbedeutendere Fragen geändert worden.

30.) Aber nichts bleibt eben, wie es ist. Gerade unter dem schönsten Baum sitzt immer schon der Wurm, der an der Wurzel nagt und später die Krone zum Welken bringt.

Und nun ab damit, in den nächsten Papiercontainer.

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