Coronademo macht‘s möglich: Die „Achse“ feiert Antisemiten

Wenn 38.000 Querfrontler sich auf den Weg nach Berlin machen, um querfronttypischen Unfug zu treiben, gerät die Redaktion der „Achse des Guten“ schnell ins Schwärmen, und wenn bürgerliche Journalisten sich nicht zu halten wissen, verrutschen schnell die Metaphern: „Ähnlich wie ein Fluss, den man aufstaut, sich einen neuen Weg sucht, wird sich auch die Unzufriedenheit mit der gegenwärtigen Politik mäandernd durchs Land bewegen“ und dieser Fluss wird „unterwegs immer mehr an Momentum gewinnen“, während er so durch die Momenta mäandert, obwohl er ja eigentlich aufgestaut ist, aber sei‘s drum. Man komme den Autoren nicht mit Logik, also kommen wir zur Maske, die „längst zum allgemeinen Symbol einer Politik geworden“ ist, die dem Bürger „einen Maulkorb aufsetzt und ihn zum Untertan degradiert“, bzw. zum Zögling, trägt „der Staat“ doch „selbst die Maske der biestigen Gouvernante.“ Wenn sie ihnen doch Benehmen beibrächte!

Und wenn es darum geht, zu erklären, warum sich Deppen nicht entblöden, in der Öffentlichkeit einen Judenstern zu tragen, in dem „Corona“ steht (https://www.fischundfleisch.com/thomas-schweighaeuser-ex-gotha/deutschland-in-einem-bild-66979), dann hat das nichts zu tun mit der menschlichen Verkommenheit dieser Deppen, sondern die Schuld liegt bei der Regierung, denn noch für die verkommensten Formen des Protestes suchen die bürgerlichen Querfrontler eine Rechtfertigung, oder auf Achse-Deutsch: „Die politische Elite gebiert ihre eigene APO und trägt sie im Kokon mit sich herum, voller Furcht, die eigene Brut könne aufwachen.“ Die APObabies im Kokon, diese Reichsflaggenträger, Reichselsässer, Reichstagsrowdies und Reichssellners können doch nichts dafür und daher nicht anders: „Diese Menschen wurden von der Politik ins Abseits gestellt und agieren jetzt aus der Diaspora mit dem Image einer neuen APO“, sind also sowohl Stürmer als auch Heimatlose bzw., ist eh alles Wurscht, Wüstenfüchse: „Diese neue APO hat den Sandsturm im Rücken. Unsere Polit-Eliten werden sich bald die Augen reiben, wenn ihnen der Sand ins Gesicht und ins Getriebe weht.“ Da rauscht den Autoren noch das Pathos von Günter Eich, der sich auch nicht mehr wehren kann, durch die Rübe: „Seid Sand, nicht Öl im Getriebe der Welt“. Und dabei geht es doch nur darum, dass sie ein paar Wochen eine Gesichtsmaske tragen sollen.

Genug von diesem unfreiwillig komischen Metaphernsalat, der so komisch nicht ist, wenn man sich verlinkte „ikonografische Fotos“ ansieht, von denen die Achse richtigerweise feststellt, sie sagten „mehr als tausend Worte“: Da hält ein älterer Herr ein Schild hoch, das sich gegen „Merkel Gates Soros“ wendet und behauptet, man werde nicht deren „miese Tode sterben“, und da sieht man auch den antisemitischen „Volkslehrer“ Nikolai Nerling, wie er fröhlich einen Reigen bei der Siegessäule tanzt, nachdem er zuvor an der „Stürmung“ des Reichstags sich beteiligt hat. „Es geht nicht um die Maske, es geht um die Lüge“, behaupten die Autoren. Und haben damit Recht, denn ihre Aufzählung der teilnehmenden Gruppen („geprellte Mittelschichtler, unzufriedene Normalos, Impfgegner, Friedensbewegte, Reichsbürger, harmlose Esos und Ökos, Verschwörungstheoretiker und sinistre Radikalinskis“) unterschlägt den offensiven Antisemitismus der Veranstaltung. Jede krumme Metapher dient einzig dazu, diese Lüge zu verschleiern.

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G. Szekatsch

G. Szekatsch bewertete diesen Eintrag 02.09.2020 20:26:45

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