Nun ist es auch schon wieder 100 Jahre her, dass Hans Carl als Sohn des Schuhmachers Johann Artmann und seiner Frau Marie Schneider geboren wurde. Unbemerkt von der Welt, wie Biografen bei Jubiläen oft anmerken, so als müsste jede Hebamme dieser Welt bei einer Geburt sofort erkennen, dass sie gerade ein Genie von der Nabelschnur der Mutter getrennt hat. Zumindest künftigen Genies wird der Schicksalsschlag der unbemerkten Geburt erspart bleiben, denn heutzutage wird jeder erste Schrei eines Babys auf facebook live übertragen. Spätestens in zehn Jahren wird eine künstliche Intelligenz am ersten Schrei erkennen, ob es sich um ein Genie handelt; oda goa an owezaara!

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Der Regissuer Martin Polasek hat 2019 ein Filmprojekt über H.C. Artmann eingereicht, das die Direktion des ORF-Landesstudios Wien mit haarsträubenden Argumenten abgelehnt hat: „H.C. Artmann war in den 60ern äußerst populär (...) Aber das ist schon sehr lange her und Lyrik heute lange nicht mehr so beliebt wie damals. Deswegen sind wir der Ansicht, dass Thema und Person nur mehr für Liebhaber, also eine recht kleine Gruppe, relevant sind.“

Am 3. Juni 2021 erinnert sich Martin Polasek: "Der ORF pflegt ja nicht nachzugeben. Ich hab auch nicht erwartet, dass er einlenkt, auch nicht vor der Demo vor dem ORF Funkhaus in Wien (am 5. September 2019). Das ist logisch, da geht es nur um die Einhaltung von Machtstrukturen." Und es geht um Kommerz. "Dem ORF geht es nur noch um materiellen Gewinn, das drückt das Niveau auf die niedrigste Stufe. Für mich ist die Sache erledigt, ich bin über 65, i brauch das nimma." Laut Polasek hat im ORF seit den 1990er Jahren eine schleichende Veränderung stattgefunden: "In den letzten zehn Jahren hat sich die Programm-Gestaltung im Kulturbereich nochmals radikal in die Kommerz-Richtung gedreht. Jetzt redet man schon offen darüber und keiner geniert sich mehr dafür." Polasek war ab 1980 für den ORF als Regisseur und Gestalter bei zahlreichen Dokumentationen und Feuilletons tätig. Das TV-Portrait über den Dichter Gert Jonke, das Polasek gemeinsam mit Ingrid Ahrer gestaltete, wurde mit dem Fernsehpreis 2008 der österreichischen Volksbildung ausgezeichnet. Zudem führte Polasek auch oft Bildregie: bei Übertragungen von Konzerten, Theater- und Opernaufführungen, aber auch bei „Kultsendungen“ wie „Phettbergs Nette Leit Show“ oder „ProjektX“.

Immerhin erinnern sich nun ein paar Leute vom Radio an den Ausnahme-Dichter. Noch bis 16. Juni spielt der Ö1 Beiträge von und über den Dichter H.C. Artmann, der am 12. Juni 2021 seinen 100. Geburtstag feiern würde. Eigentlich wollte auch der ORF Kulturmontag gestern am späten Abend ein Artmann-Porträt bringen, aber dann ist die Mayröcker frisch verstorben. Und der ORF ist ja immer top aktuell, wie wir wissen - umso mehr bei den Toten.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Bevorzugung des ORF verfassungwidrig ist!

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berridraun

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