Vor 30 Jahren hat Bruno Kreisky (22.1.1911-29.7.1990) diese Welt verlassen. Was in der Zwischenzeit mit „seiner“ Arbeiterbewegung passiert ist, hätte ihm wohl nicht gefallen: „Wenn eine sozialistische Bewegung keine Visionen hat, dann sind alle ihre Anstrengungen ein sinn- und zielloses Taktieren – oder Soldknechtschaft für Interessengruppen.“ („Zwischen den Zeiten“, S. 142)

In seinen „Erinnerungen aus fünf Jahrzehnten“, die 1986 erschienen sind, schreibt Bruno Kreisky (22.1.1911 – 29.7.1990) über das Ende der Monarchie, die Zwischenkriegszeit, den zweiten Weltkrieg (insbesondere seine Zeit im Exil) und die Verhandlungen, die zum Abschluss des Österreichischen Staatsvertrags 1955 geführt haben. Die Zwischenkriegszeit ist geprägt von ideologischen Konflikten, die ersten zehn Jahre der Nachkriegszeit der Übergang zur Konsenspolitik, die in Österreich später den Namen „Sozialpartnerschaft“ erhalten hat.

Ernst Zdrahal / Kremayr&Scherieau www.ethos.at

Kreiskys Erinnerungen sind nicht nur ein Dokument der Zeitgeschichte, die er mit zahlreichen Anekdoten bereichert, sondern vor allem ein Dokument des Zeitgeistes, den er personifiziert – nicht durch seine sozialistischen Anschauungen, sondern durch seine Denkungsart. Es ist eine Denkungsart, in der Ideologien von Ideen abgeleitet werden, und Parteipolitik ein Kampf um die besseren Ideen ist. Parteien sind in dieser Denkungsart ein Teil des politischen Ganzen, im Mittelpunkt der Politik stehen die gesellschaftliche Entwicklung und die Visionen von einer besseren Zukunft. Und diese Visionen wiederum basieren auf verschiedenen Ideen, über die im politischen Diskurs gestritten wird und für die manchmal auf der Straße gekämpft wird.

Eine fixe Idee nach dem Zerfall der k.u.k.-Monarchie basiert auf dem Dogma: Österreich alleine ist nicht existenzfähig. Die 1918 ursprünglich gewählte Bezeichnung „Deutsch-Österreich“ brachte dies zum Ausdruck. Der Name musste zwar ein Jahr später, nach dem Vertrag von St. Germain, auf „Republik Österreich“ geändert werden, doch in den Köpfen aller Politiker aller Coleurs blieb die Idee des Anschlusses, und das Dogma: nur der Anschluss an Deutschland kann die Zukunft des Kleinstaates Österreich sichern. Diese Idee war Ausdruck des Zeitgeistes und hat lagerübergreifend die österreichische Politik der Zwischenkriegszeit total dominiert. Nur eine totalitäre Idee kann Grundlage für die Entstehung einer Ideologie sein, die sich als Totalitarismus politisch manifestiert.

Mehr über die Fragen: (1) Was ist eine Ideologie? (2) Wie führen Ideologien zum Totalitarismus? (3) Wer ist der größte Klassenfeind? (4) Warum zeigte Kreisky Sympathien für die Nazis? (5) Warum bestimmt das gesellschaftliche Sein das Bewußtsein der heutigen SP-Funktionäre nicht mehr? Siehe thurnhofer.cc

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G. Szekatsch

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