Natürlich besitze ich einen Akkuschrauber, auch einen Akkurasenmäher und eine Akkuheckenschere. Und schon seit dem Jahr 2010 fahre ich fast täglich mit dem E-Bike zur Arbeit. Ich könnte mich also zurecht einen Vorreiter der E-Mobilität und der Nutzung der Akkutechnologie nennen. Und halten wir ganz nebenbei fest, sowohl E-Bikes wie Akkurasenmäher verkaufen sich gut, ganz ohne staatliche Intervention.

Kürzlich bekam ich Werbepost von einem Autohersteller. Ich solle mir doch ein E-Mobil kaufen. Also ehrlich waren die Jungs und Mädels wenigstens, denn sie haben auch die Leistungsdaten des Gefährts mitgeteilt: Reichweite maximal 160 km, Ladezeit von 20% auf 100 % an einer öffentlichen Ladestation oder einer speziellen Ladestation zu Hause (die ich dann noch einrichten müsste) "nur 3,5 Stunden". An der normalen Haushaltssteckdose dauert es 6 bis 8 Stunden.

Jetzt bin ich doch etwas sauer, denn offensichtlich glauben die allen Ernstes, dass ich total bescheuert bin. Und das lasse ich mir nicht gern nachsagen. Soll ich mir für teures Geld ein Auto kaufen, mit dem ich unter optimalen Bedingungen mit Glück vielleicht 160 Kilometer weit komme (realistisch sind eher 120 Kilometer) und dass ich dann stundenlang nachladen muss? So ein Auto taugt als Spielzeug und Drittwagen für Schwerreiche, aber ist doch keine Alternative für den Normalbürger. Das Problem: Politik und Medien tun so, als wäre ein E-Mobil doch eine Alternative und es fehlt dem dummen Volk nur am guten Willen. Deshalb hat Martin Schulz, SPD-Spitzenkandidat für die Bundestagswahl, nun sogar eine Quote für Elektroautos ins Spiel gebracht und fast jede größere Behörde, jede Landesregierung und natürlich auch die Bundesregierung haben E-Mobile in ihrem Fuhrpark, um zu zeigen wie vorbildlich sie sind. Allerdings haben die Damen und Herren Politiker die Autos nicht von ihrem eigenen, sondern vom Geld der Steuerzahler, also unser aller Geld, gekauft. Da lässt es sich gut reden. Dass diese Fahrzeuge eben doch noch nicht alltagstauglich sind, müssen selbst sie gelegentlich eingestehen.

Kanzlerin Merkel hat zwar der Quote eine Absage erteilt, ist aber dennoch in das übliche Bashing von Politik und Medien gegenüber der rückständigen deutschen Autoindustrie eingestiegen. Das ist in diesen Tagen ebenso wohlfeil wie Zeugnis großer Dummheit. Tenor ist: Die deutsche Automobilindustrie verschläft die Zeichen der Zeit, andere sind weiter, das Ende der deutschen Autobranche naht. Und das alles wird unbeleckt jeder Sachkenntnis im Brustton eigener Wichtigkeit und unverhohlener Freude verkündet. Dümmer geht's nimmer. Man kann der Automobilindustrie jedoch eines vorhalten: Dass sie dem Wahn, Grenzwerte für Emissionen könnten immer weiter gesenkt werden, bis statt CO2 und Stickoxiden aus dem Auspuff nur noch Chanel N°5 rauskommt, nicht Einhalt geboten und gesagt hat, was geht und was nicht. In den letzten Jahrzehnten hat man den Schadstoffausstoß der Autos bereits deutlich gesenkt. Dieser Prozess lässt sich jedoch nicht beliebig weiter betreiben. Das hätte die Automobilindustrie deutlich machen müssen, statt im allgemeinen Ökowahn mit Softwaremanipulationen zu tricksen.

Doch wer sind nun diejenigen, die der deutschen Autoindustrie immer wieder als Vorbilder vorgehalten werden? Da ist natürlich vor allem Tesla, um die es einen wirklichen Hype gibt. Dabei können die vor allem mit grottenschlechten Zahlen aufwarten. Tesla ist hochverschuldet und seit Jahren stets kurz vor der Pleite. Man legt eine Anleihe nach der nächsten auf, um überhaupt weiter Autos bauen zu können. 2016 hat man weltweit gerade einmal rund 80.000 Autos verkauft, BMW dagegen 2,2 Mio.

Sieht man sich die Reichweiten der Tesla-Autos an, sind diese zunächst einmal besser als die manch anderer E-Mobile. Liegt aber daran, dass die großen Fahrzeuge praktisch mit Akkus vollgestopft und entsprechend teuer sind. So kommt ein Tesla S 75D auf dem Papier zwar unter Idealbedingungen rund 460 Kilometer weit, dann darf man aber auch nur konstant 100 Km/h fahren und Klimaanlage und Heizung sind bitte aus. Fährt man auf der Autobahn statt mit matten 100 km/h nur etwas schneller, nämlich 120 km/h, sinkt die Reichweite schon um 100 Kilometer auf 360 km. Liegt dann die Außentemperatur bei 0° C und die Heizung ist an, sind es nur noch etwas über 300 km. Und auch das ist schon recht optimistisch, wie der Praxistest des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums zeigt. Ja und derjenige, der so irre wäre, mit der theoretisch möglichen Höchstgeschwindigkeit von über 200 km/h zu fahren, hätte wohl Schwierigkeiten, auch nur die nächste Abfahrt zu erreichen. Bleibt anzumerken, dass es an den Teslaladesäulen immerhin 30 Minuten dauert, den Akku wenigstens halbvoll zu laden. Das Auto an einer normalen Steckdose zu Hause voll zu laden dauert 20 Stunden.

Vergessen sollte man auch nicht den Kapazitätsverlust der Akkus. Tesla gibt zwar 8 Jahre Garantie auf die Akkus, nicht aber auf deren Kapazität. Nach rund fünf Jahren soll die in der Regel noch bei rund 70% liegen, egal ob viel oder wenig gefahren wurde. Das heißt dann auch nur noch 70% der Reichweite. Wer Erfahrungen mit Handyakkus oder dem Akku von E-Bikes gemacht hat, der weiß, dass das eine eher optimistische Annahme ist. Und Akkus altern auch ohne Nutzung. Nach acht Jahren ist der Akku dann so verschlissen, dass er ersetzt werden müsste. Bei den Tesla-Modellen sind geschätzte 10.000 Euro dafür wohl noch niedrig gestapelt. Vor allem aber: Bei der Produktion der Akus fällt laut einer schwedischen Studie so viel CO2 an, dass ein E-Mobil erst ab acht Jahren umweltfreundlicher unterwegs wäre als ein Diesel. Just zu dem Zeitpunkt wären aber neue Akkus fällig. Wenn dann noch Strom aus Kohle- oder Gaskraftwerken geladen wird, fällt die Bilanz noch schlechter aus. Und Wind- und Solarstrom können unsere Energieversorgung noch lange nicht decken. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass alle E-Mobile mit Null CO2-Emissionen angegeben sind. Das ist schlicht ein Witz.

All dies sind Fakten, die Politik und Medien nicht weiter interessieren. Beim Thema E-Mobilität geht es aber auch nicht um Fakten, sondern um Ideologie. Im Welterrettungswahn geht es nicht mehr darum, ob eine Technologie bereits alltagstauglich ist, sondern nur um das, was wünschenswert erscheint. Das ist, wie wenn man sich ein neues, schöneres Haus bauen will und das alte bereits abreißt, obwohl zum neuen gerade einmal der Grundstein gelegt ist. Es mag sein, dass dem Elektroantrieb die Zukunft gehört. Dann wären hier aber ein Quantensprung und neue Ideen gefragt. Preiswertere Autos und entweder neue Akkus mit mehr Kapazität, weniger Kapazitätsverlusten durch Alterung und deutlich kürzeren Ladezeiten oder ganz neue Konzepte. Solange dies nicht der Fall ist, kann man niemanden von Elektroautos überzeugen, sondern nur mit staatlichen Zwangsmaßnahmen eine nicht ausgereifte Technologie am Markt durchsetzen, also Planwirtschaft betreiben. Die ist aber bereits einmal glorreich gescheitert. Die krampfhaften Versuche von Politik und Medien, die Elektromobilität zu verklären und zum Heilsbringer zu machen, zeugen so vor allem von einem erschreckendem Realitätsverlust der "Eliten".

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