Ich habe mir in den letzten Tagen eine Portion Politik zumuten wollen – oder besser gesagt: zugemutet. Ich habe Alice Weidel zugehört, Tino Chrupalla, Jens Spahn – und schließlich Frau Professorin Brosius-Gersdorf bei Markus Lanz.
Ein Kontrast, wie er schärfer kaum sein könnte. Zwischen Wahn und Vernunft, zwischen Lautstärke und Substanz, zwischen Pose und Haltung.
Niemand, der ihnen zuhörte, wird überrascht sein, wem ich am Ende folgen konnte – und wer mich überzeugte. Sicher, ich hatte es geahnt. Ich war mir im Vorfeld schon sicher, dass es Frau Brosius-Gersdorf sein würde, die mich nicht nur mit Argumenten erreicht, sondern auch menschlich.
Dennoch wollte ich es noch bestätigt wissen. Und das wurde es.
Nicht nur inhaltlich – wobei ihre präzise, ruhige juristische Einordnung in Zeiten hysterischer Debatten bereits ein wohltuender Sonderfall ist.
Es war auch ihre Art: wie sie sprach, wie sie zuhörte, wie sie sich nicht auf plumpe Vereinfachungen einließ.
Keine Show, keine verbalen Brechstangen. Stattdessen: Augenmaß. Würde. Verstand.
Im Gegensatz dazu die anderen drei:
Weidel – eine Mischung aus kaltem Furor und grimmiger Arroganz, die in Mimik und Gestik fast aggressiv übersteuert wirkt.
Chrupalla – bar jeder rhetorischen Eleganz, dafür mit der Mischung aus Selbstmitleid und Nationalpathos, wie man sie vom Bierzelt kennt.
Und Spahn – glatt, berechnend, aber erschreckend leer. Einer, der reden kann, ohne etwas zu sagen – und das mit bemerkenswerter Energie.
Ich will es ganz offen sagen:
Bei diesen drei Personen verspürte ich nicht nur Ablehnung. Es war eher, als ob sich ein Ausschlag auf meiner Haut bildet, sobald sie sprechen.
Das ist keine Polemik, sondern eine Reaktion auf eine Art des Auftretens, die ich zunehmend als toxisch empfinde:
Rechthaberei ohne Reflexion, Lautstärke ohne Inhalt, Pose ohne Verantwortung.
Dann kommt da eine Frau wie Brosius-Gersdorf, die leise spricht und dennoch deutlicher wird als die Lauten.
Die nichts verkauft, aber etwas zu sagen hat.
Die keine Meinungsschlacht führt, sondern Orientierung gibt.
Ihr Auftritt bei Lanz war genau das, was man in dieser Zeit so dringend braucht:
eine Rückeroberung der Vernunft.