Holz, Stein und Rost: Wie ich am Küchentisch Texturen für mein 3D-Hobby baue

Seit gut zwei Jahren verbringe ich meine Winterabende mit einem Hobby, das meine Familie anfangs belächelt hat: Ich baue kleine 3D-Szenen. Eine alte Wiener Hinterhofwerkstatt, ein Bauernhaus im Waldviertel, zuletzt eine verregnete Straßenbahnhaltestelle. Die Modelle selbst sind gar nicht das Schwierigste. Was eine Szene glaubwürdig macht, sind die Oberflächen – das abgeblätterte Grün einer Holztür, der Kalk zwischen den Ziegeln, der Rost am Geländer.

Das Problem mit den Oberflächen

Wer schon einmal versucht hat, eine nahtlose Textur selbst zu fotografieren, kennt das: Die Sonne wandert, ein Schatten fällt quer über die Mauer, und am Ende passt die rechte Bildkante nicht zur linken. Kachelt man so ein Foto, sieht man sofort das Muster, das sich wie eine Tapete wiederholt. Ich habe stundenlang mit dem Stempelwerkzeug Kanten retuschiert und war trotzdem selten zufrieden.

Gekaufte Texturpakete sind eine Alternative, aber sie sind oft teuer, und nach einer Weile erkennt man dieselben Steinmauern in jedem zweiten Hobbyprojekt im Netz. Ich wollte etwas Eigenes, das zu meinen Szenen passt.

Mein heutiger Arbeitsablauf

Inzwischen gehe ich so vor: Ich fotografiere eine Oberfläche, die mir gefällt, möglichst bei bedecktem Himmel und gerade von vorne. Dieses Foto dient dann als Ausgangsbild. Für Varianten – etwa dieselbe Mauer, aber feuchter, älter oder mit Moos – nutze ich einen ai texture generator, der aus einem Referenzbild neue, kachelbare Versionen erzeugt. Das Ergebnis ist kein Ersatz für Handarbeit, aber ein hervorragender Startpunkt.

Danach kommt die eigentliche Arbeit: Ich prüfe die Kachelung, indem ich die Textur drei mal drei nebeneinander lege. Fallen mir wiederkehrende Flecken auf, retuschiere ich sie. Anschließend leite ich aus dem Farbbild eine Höhen- und eine Normal-Map ab, damit das Licht in der Szene die Fugen und Unebenheiten richtig abbildet.

Drei Dinge, die ich gelernt habe

Erstens: Das Ausgangsfoto entscheidet alles. Ein unscharfes oder schräg aufgenommenes Bild wird durch keine Software besser. Lieber zehn Minuten länger auf das richtige Licht warten.

Zweitens: Weniger ist mehr. Ich war anfangs begeistert von dramatischen Rissen und tiefem Rost. In der fertigen Szene wirkte das übertrieben. Echte Oberflächen altern unregelmäßig und meist unauffällig.

Drittens: Maßstab beachten. Ein Ziegel ist ungefähr 25 Zentimeter lang. Wenn die Textur auf dem Modell plötzlich Ziegel in Schuhkartongröße zeigt, merkt das jeder Betrachter sofort, auch wenn er nicht sagen kann, was ihn stört.

Warum ich das überhaupt mache

Man könnte fragen, wozu der ganze Aufwand für ein paar Bilder, die außer mir und ein paar Leuten in einem Forum kaum jemand sieht. Für mich ist es eine Art Meditation. Wenn ich abends eine alte Holzmaserung nachbaue, denke ich an die Werkbank meines Großvaters in Gmünd. Die Szenen sind kleine Erinnerungsstücke.

Und nebenbei lernt man, genauer hinzuschauen. Seit ich Texturen baue, bleibe ich auf dem Weg zur Arbeit vor bröckelnden Fassaden stehen und fotografiere Kanaldeckel. Meine Frau hat sich daran gewöhnt.

Falls jemand hier ähnliche Hobbys hat: Ich freue mich über Tipps, wie ihr eure Oberflächen erstellt – ob klassisch mit Kamera und Bildbearbeitung oder mit neuen Werkzeugen. Schreibt es gerne in die Kommentare.

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