Bitcoin ist keine Währung und dennoch ein Zahlungsmittel

und möglicherweise eine disruptive Innovation, die das für uns so natürliche Bankensystem für immer verändern wird.

Bitcoin ist keine Währung

Den Begriff Währung, der häufig in der Bitcoindiskussion fällt, definiert der Duden als gesetzliches Zahlungsmittel eines Landes oder der Länder einer Währungsunion. Ohne Zweifel wird Bitcoin und auch keine der verbreiteten Altcoins wie Ethereum, Monero oder Litecoin dem Anspruch gerecht ein gesetzliches Zahlungsmittel zu sein. Der banale Grund ist, dass in den Gesetzestexten der Euroländer der Euro als dieses gesetzliche Zahlungsmittel festgelegt ist. Als Unternehmer gibt mir der Euro Sicherheit und eine gewisse Werthaltigkeitsgarantie, ist er doch von staatlicher Seite definiert und dementsprechend manipuliert um gemäß dem von der Europäischen Union erwünschte Inflationsziel von 2% abzuwerten. Außerdem ist er als Leitwährung in der Euro-Zone das von meinen Geschäftspartnern bezahlte sowie geforderte Zahlungsmittel beim Güteraustausch in der Wertschöpfungskette.

Kryptowährungen sind (noch) ungeeignet

Wenn ich mein Rohmaterial in Lappland einkaufe, erwartet mein Lieferant, dass ich ihn in Schwedischen Kronen bezahle. Mein Herstellungspartner im Baltikum will von mir in Euro bezahlt werden. Die norwegische Designagentur will Norwegische Kronen von mir und den Verpackungslieferanten bezahle ich in US-Dollar. Umgekehrt stelle ich auch meinen Kunden eine Rechnung in Schwedischen Kronen aus, da dies die gesetzliche Währung des Staates ist, in dem mein Unternehmen firmiert. Würde ich bei B2B-Geschäften Rechnungen in Bitcoin oder Ethereum ausstellen, hätte das für meine Geschäftspartner vermutlich einen weniger seriösen Beigeschmack. Außerdem wird immer argumentiert Kryptowährungen seien zu volatil und da kein Wert dahinter sei auch de-facto wertlos. Den Wert, mit dem sie auf Kryptobörsen notieren, haben digitale Währungen also nur weil die Personen, welche mit ihnen handeln, an diesen Wert glauben. Moment; kommt Ihnen das bekannt vor?

Geldwert in Post-Goldstandardzeiten

Ach ja, da war einmal der Goldstandard. Spätestens seit dieser 1973 endgültig abgeschafft wurde, gilt auch für gesetzliche Zahlungsmittel das Prinzip des Glaubens. Man könnte weiter hinterfragen ob der vormalige Wert von Banknoten durch die Golddeckung überhaupt gegeben war. Selbst dieser hatte seine Berechtigung nur, da die untereinander handelnde Gesellschaft dem seltenen Edelmetall einen gewissen Wert beimaß. Die Nachfrage und das Wissen über die Seltenheit des Goldes waren der Ursprung seines Wertes. Nichtsdestotrotz wurde beim Handel mit Gold das tatsächlich seltenes Material meist gegen ein gleichwertiges anderes Gut eingetauscht. Bei Bitcoin ist das – genauso wie bei dem Euro - nicht der Fall. Beim Einkauf tauscht man etwas eigentlich wertloses – also ein Stück Papier oder einige Bits Information – gegen ein höherwertiges Gut. Genauso kann man als Verkäufer einen umgekehrten Handel durchführen. Es fungiert also – obwohl der materielle Wert unbedeutend gering ist – als Zahlungsmittel.

Akzeptanz schafft Zahlungsmittel

Zahlungsmittel sind sinnvoll und sie waren eine disruptive Innovation für den Tauschhandel. Dieser fristet seither ein Schattendasein auf lokaler Ebene. Durch die Verwendung von Zahlungsmitteln jedoch können Unternehmer internationale Geschäfte tätigen, Millionenprojekte realisiert werden und ein Arbeiter kann sich im Supermarkt Brot, Milch und Eier kaufen, selbst wenn weder Bäcker noch Bauer seine Arbeitskraft nachfragen. Diese Art des Geschäftes hat sich bewährt und der Euro ist daher bis in jede Provinz hinein der Eurozone akzeptiert und teilweise sogar über die Grenzen dieser hinaus. Außerhalb des gesetzlichen Geltungsbereichs jedoch ist der Verkäufer nicht verpflichtet Euro anzunehmen; er kann dies jedoch freiwillig tun. In diesem Fall fungiert der Euro, auch ohne Unterstützung der Gesetzgebung, als Zahlungsmittel.

Mit Kryptowährungen bezahlen

Das Gleiche gilt für Kryptowährungen. Sie sind schnell, haben minimale Gebühren und benötigen keine Banken als Intermediäre. Das einzige von Nöten sind ein Käufer und ein Verkäufer, die sich darüber einig sind Kryptogeld als Zahlungsmittel einzusetzen. In unserem RENJER-Onlineshop (www.renjer.ky) beispielsweise kann man unsere Produkte nicht nur mit Euro (Kreditkarte, Paypal und Applepay) erwerben, sondern auch mit zwölf verschiedenen Kryptowährungen. Seit einer halben Woche bieten wir diese Bezahlweise nun an und die Anzahl der Bestellungen dürfe bald die 100er-Marke knacken. In all diesen Geschäften haben Kryptowährungen wie Monero oder Litecoin also tatsächlich als Zahlungsmittel fungiert.

Von Pionieren und der disruptiven Innovation

Wir sind hierbei auf jeden Fall ein Pionier, jedoch werden sich im Laufe des Jahres viele Unternehmen unserem Beispiel anschließen – erst Start-ups, dann immer größere Firmen. Spätestens wenn die Anzahl der Pioniere eine signifikante Größe erreicht hat und wertvolle Geschäfte mit Ethereum und Co. abwickelt, werden auch Großunternehmen folgen. Vielleicht werde ich auch meine B2B-Partner früher oder später danach fragen, ob ich sie direkt von meiner Kryptowallet bezahlen kann, oder diese kommen mir zuvor. Eines scheint sich auf jeden Fall zu manifestieren – Kryptowährungen ist gekommen um zu bleiben. Insbesondere da Staaten beginnen über die Schaffung eigener digitaler Währungen zu diskutieren, könnte es sein, dass wir tatsächlich am Beginn einer disruptiven Innovation stehen.

Der Euro wird nicht von heute auf morgen von Bitcoin verdrängt werden, doch dass sich binäres Geld als Nebenwährung etabliert ist mehr als nur wahrscheinlich.

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Sailing-Tiki

Sailing-Tiki bewertete diesen Eintrag 21.01.2018 11:26:12

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