„Woher sollen alte, reiche Männer wissen, was für uns gut ist.“ Die wahren Worte einer jungen Kandidatin von Frankreichs Emmanuel Macrons „La République en Marche“ bei der sonntäglichen Parlamentswahl bringen es auf den Punkt: Das aufkeimende Interesse der europäischen Jugend – der Millennials. Denn: „Nur wir können wissen, was gut für uns ist.“

Wer bisher desinteressiert Wahlen fern blieb, hat endlich kapiert, dass Zuhausebleiben gar nichts ändert. Diese schmerzliche Lektion musste Theresa May lernen. Mit einer Wahlbeteiligung von 72% bei den 18-14jährigen sorgte die junge Wählerschaft nicht unerheblich für die Niederlage der Tories. Im Vereinigten Königreich brachte es ein junger Politiker auf den Punkt: „Unsere Anliegen stehen nicht mehr auf der Speisekarte, also müssen wir uns selbst an den Tisch setzen.“ Die Millennials haben aus dem Brexit-Referendum gelernt: Ältere Wähler haben über die Zukunft der Jungen entschieden, von der Einschränkung der Reisefreiheit für UK-Youngsters bis hin zum EU-Studienprogramm Erasmus und – das tut vielen weh – der Niederlassungsfreiheit.

Vielleicht sind es auch die ersten 150 Tage der Amtszeit von Donald Trump, die auf dramatische Weise zeigen, was passiert, wenn man einem Kapitalisten-Rambo die Schlüssel zum Weißen Haus in die Hand drückt. Für den (vermeintlichen) Kurzzeiterfolg von ein paar Tausend neuen Kohlebergbau-Jobs nach dem Kippen des Pariser Klimaabkommens wird die globale Katastrophe geschürt; die angepeilte Steuerreform macht die Reichen noch Reicher – das passiert, wenn alte, reiche Männer regieren.

Sowohl in Österreich als auch in Deutschland würde es den Erst- und Jungwählern ebenfalls gut zu Gesicht stehen, es ihren britischen Altersgenossen gleich zu tun. Denn bei der Nationalratswahl 2013 gingen in Österreich gerade etwa 60% der 16-20jährigen zu den Urnen, die Zusammensetzung des deutschen Bundesrats bestimmten 2013 bloß 60% der 21-24jährigen mit.

Nur – weder in Österreich noch in Deutschland – zeichnet sich eine Bewegung ab, die längst überfällig ist: Weg mit den Alten, werft sie aus den Parlamenten, aus ihren Sesselkleber- und Versorgerämtern!

Über Jahre hinweg haben die Entfremdung der etablierten Machteliten und ihre Überlebensabhängigkeit von Banken und Wirtschaft zum programmatischen Ignorieren von Zukunftsproblemen und neuen Lösungsansätzen geführt. Zu Stillstand, zu einem krampfhaften Bewahren von Altem und der konsequenten Verweigerung vor Neuem. Vom versteinerten Lagerdenken, von einzementierten Kammern, Bünden und Gewerkschafen. Von der Vergewaltigung der Politik zum Selbstzweck anstatt zum Dienst an der Allgemeinheit.

Sowohl Österreich als auch Deutschland würde eine frische Figur wie Macron gut tun – viel mehr aber eine Bewegung im Geiste seiner „La République en Marche“, die nach den Wahlen wie ein Tsunami die politische Landschaft Frankreichs verändern könnte: Ein Aufbruch in die Zukunft, ohne die alten Parteigänger, Nörgler, Verhinderer und Pessimisten.

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