Von Zucht sprechen wir wenn wir definieren wer sich fortpflanzen darf und wer nicht. Im Falle des Hundes begannen wir mit Wölfen die eben halb verhungert beim Menschen um Futter bettelten und dann bei unseren Ahnen blieben. Der Mensch eliminierte den Nachwuchs der aufsässig war und begünstigte so die devote Hundelinie. Das Gleiche taten wir mit unseren Kulturpflanzen und anderen Haustieren.

Und uns selber.

Im Falle des Menschen passiert diese Auswahl im Wesentlichen über die Kultur. Die Kultur definiert Ideale und Menschen die diesem Ideal eher entsprechen haben es eher einfacher sich fortzupflanzen und damit meistens mehr Kinder. Das Resultat ist der perfekte Mensch.

Blöderweise bedeutet Perfektion alle 100 Kilometer und alle 50 Jahre etwas anders.

Gilt in der einen Kultur die Fähigkeit eine Gazelle zu Tode zu joggen als Perfektion ist es anderswo die Fähigkeit einen Tanz perfekt auszuführen oder ein Buch auswendig zu lernen. In der nächsten Kultur ist es wirtschaftlicher Erfolg und in der übernächsten die korrekte Übereinstimmung mit einer Ideologie.

Entsprechend der Kultur veränderten sich die Menschen. Die Kultur selber definierte sich über Notwendigkeiten. Für eine Kultur die in der Wüste lebte waren andere Dinge bedeutend als für eine Kultur die am Meer lebten.

Bedeutend ist hierbei dass nur in seltenen Fällen Menschen die nicht dem Ideal entsprechen von Klippen oder Hochhäusern geworfen werden, auch wenn das in einigen Kulturen bis heute gelebte Praxis ist.

Gängiger ist dass sie einfach kinderlos sterben, wohingegen die Menschen die dem Ideal am ehesten Entsprechen ihre Gene entsprechend stärker weitergeben.

So friedlich das Ganze klingt, so dunkel ist die Schattenseite. Die einfache Magd trug nicht selten das Kind des Gutsherren, ob sie das nun wollte sei in den Raum gestellt. Erfolg, Macht und Machtmissbrauch sind Dinge zu praktisch immer gemeinsam auftreten.

Eben daraus können wir ableiten dass der „gute Mensch“ eher selten das Zuchtziel darstellte. Öfter als nicht waren es jene die sich nahmen was sie wollten, die mehr Nachkommen hatten als jene die fragten. In anderen Worten: jeder von uns hat vermutlich viel Schwein in seinen Genen.

Dazu kommt natürlich der Umstand, dass Kulturen das eigene Ideal gerne über die Ideale anderer stellen. Die Kultur die auf Intelligenz getrimmt ist schaut dann verächtlich auf die Läufer herab. Im Extremfall mit Aussagen wie „Die könnten genauso gut rechnen, wenn sie sich nur anstrengen würden“ unter Ausblendung der Tatsache dass sie selber eben nicht fähig sind mit einer Gazelle mitzuhalten.

Jede Kultur strebt nach Perfektion in einem Bereich auf Kosten aller anderen Bereiche. Die Überhöhung des eigene Ideals und die Annahme dass jeder nach diesem Ideal zu streben hätte ist die schlimmste Ausprägung der Ignoranz anderer Menschen, Kulturen und Idealen gegenüber.

Die Auswüchse dieser Ignoranz hat im Wesentlichen zwei polare Extreme: den Rassismus der postuliert dass es besser und schlechter Menschen gäbe, sowie die Egalitären die behaupten es gäbe keinen Unterschied zwischen Kulturen oder gar Menschen gäbe und alle messbaren Unterschiede seien ein Resultat von ungerechter Behandlung.

Beide Ansichten sind falsch.

Die Kulturen der Welt optimieren auf unterschiedliche Ziele und würden wir sie das weiterhin tun lassen, anstatt mittels „Entwicklungshilfe“ jede Kultur (außer unserer eigenen) zu zerstören, hätten wir weiterhin Kulturen die nach unterschiedlichen Dingen streben.

Die „primitiven“ Kulturen der Welt etwa, auf die der "zivilisierte Mensch" so verächtlich herunterschaut und „modernisieren“ will, sind unsere beste Chance im Falle einer weltweiten Katastrophe, als Spezies zu überleben.

Für eben diesen Fall sind sie besser gerüstet als wir mit all unserer Technologie.

Womöglich sollten wir alle von unserem hohen Ross einmal herunterkommen und akzeptieren dass es weder einen Übermenschen, noch einen Untermenschen und schon gar keinen Normmenschen gibt.

Jede Kultur strebt nach Perfektion und auch wenn uns das in Konflikt miteinander bringt so sollten gerade wir, die wir die Macht haben alle anderen Kulturen zu zerstören, langsam einsehen dass wir nicht das geringste Recht haben die Menschheit nach unserem Ebenbild zu formen.

Wenn ich ein Bild von Menschen sehe die in Lehmhütten leben und sich um ihre Ziegen kümmern überkommt mich kein Gefühl von Mitleid sondern Bewunderung.

Denn diese Menschen leben näher am Ideal als wir an unserem. Das zu verstehen ist erhebend.

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