Sonnenbaden. Fotos. Aus dem rückständigen Jahr 1949 und aus dem fortschrittlichen Jahr 2017.

Ich habe in einer Kiste gekramt. Also, eigentlich war es eine Schachtel. Dabei bin ich auf drei kleine, mit gezacktem weißen Rand versehene Schwarz-Weiß-Fotos gestoßen.

Sie zeigen meine jung verheirateten Eltern mit meinem Bruder, ihrem ersten Kind. Auf dem einen Bild sitzen sie auf dem Sofa, Vater im Anzug mit Krawatte, der kleine Sohn mit adretter Strickjacke und ebensolchem –höschen bekleidet, in das aufgeschlagene Buch blickend, meine Mutter, jung, hübsch und mit Stricknadeln ausgestattet, an der Arbeit an ihrem neuesten Werk. Rechts im Bild, auf einem Holzkästchen: das Radio, wichtigster Einrichtungsgegenstand für den Musikfreund, der in der englischen Kriegsgefangenschaft die Klassik kennen und lieben gelernt hatte. So weit, so erwartbar.

Die beiden anderen Fotos zeigen die junge Familie beim Baden im steirischen Bad Edling. Mutter trägt einen Badeanzug mit Spaghettiträgern und sitzt rechts im Bild. Neben ihr, auf der gemeinsamen Decke, Vaters Jugendfreund vor dem aufgestellten Schachbrett. Links, ebenfalls auf der Decke, sitzt mein Vater, liebevoll über seinen Baby-Sohn gebeugt, obwohl die Schachpartie offensichtlich im Gange ist. Angesichts des Babyalters meines großen Bruders muss es sich bei der Aufnahme um das Jahr 1949 handeln.

Beate K.

Soviel zu dem oft gehörten Satz: „Das war bei uns vor 30, 40, 50 Jahren genau so!“ (Wechselweise angewandt auf Prüderie, Frauenunterdrückung, mangelnde Männerbeteiligung an der Kindererziehung, Kopftuchtragen usw.)

Cut. Wir schreiben 2017. Die oberösterreichische Polizei postet ein Foto von einer sommerlichen Alltagssituation. Ort der Handling: Linz, Donaulände. Ein Polizist und eine Polizistin gehen bei der sogenannten „Sandburg“ vorbei, einer aufgeschütteten Sandfläche mit Liegestühlen vor dem Brucknerhaus. Eine Frau sonnt sich bäuchlings oben ohne, eine zweite ist im Bikini zu sehen.

Sie ahnen schon etwas? Ja? Ja! Fäkaliensturm! Zitat Oberösterreichische Nachrichten: „Die Frauensprecherin der SPÖ Oberösterreich, Sabine Promberger, zeigte sich entsetzt: 'Sexistische Werbung ist bei der Polizei fehl am Platz', teilte sie in einer Aussendung mit. 'Das Bild löst bei mir nur Kopfschütteln aus und ist purer Sexismus', so Promberger. Das Bild wurde mittlerweile wieder von der Facebook-Seite entfernt.“

Soviel zu „Offene Gesellschaft“. Frau Promberger musste in der Folge leider wirklich niederträchtige und sexistische Kommentare einstecken, was mir nicht gefällt. Aber ich frage mich schon: Frauen, ist das euer Ernst? Ihr kämpft gegen Mäuslein vor euch und seht das Monster im Rücken nicht? Die Gefahr, die uns Frauen droht, wenn jedes Sommerkleid von vielen unter uns Lebenden als „haram“ betrachtet wird, von Badeanzügen, Bikinis oder gar Oben-Ohne ganz zu schweigen?

Cut. Wir fahren mit dem Rad an unserem Badesee vorbei. Seit Jahren schon, von Frühjahr bis Herbst. Die Verhüllung der Badegäste wird von Jahr zu Jahr mehr und dunkler. Die Verhüllten werden von Jahr zu Jahr jünger und sind selbstverständlich – weiblich. Ihre männlichen Begleiter dürfen sich des Lebens in der Badehose erfreuen.

Soviel zu: „In ein paar Jahren sind alle integriert. Man muss den Menschen nur Zeit lassen!“ Im Gegenteil, der Abschottungszug fährt für einen großen Teil der hier geborenen und eingewanderten Muslime mit großem Tempo in die andere Richtung.

Mein Fazit: Aufregung findet statt. Sehr oft aber an der falschen Stelle.

http://www.nachrichten.at/oberoesterreich/Aufregung-um-Facebook-Auftritt-der-Polizei;art4,2621674

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