Das IS-Kalifat kann nur so wie einst Hitler bekämpft werden – mit Krieg.

Facebook hat am Wochenende einen eigenen Button eingeführt, mit dessen Hilfe man sein Portraitphoto mit den französischen Nationalfarben unterlegen kann, ohne sich die Mühe machen zu müssen, das händisch zu erledigen. Damit ist es  möglich, seine „Solidarität mit Frankreich“ (was ist das eigentlich?) zu zeigen, ohne sich dafür auch nur ein wenig anstrengen zu müssen. Instant-Solidarität sozusagen, in zwei Minuten genussbereit wie der Fertigfrass aus der Mikrowelle.

Es ist ja schon schlimm genug, dass die Typen von der „Alluh-Akbar“-Fraktion in Paris ein Massaker von gediegenen Ausmaßen ausführen konnten. Aber jetzt schwappt, gleichsam als emotionaler Fallout, auch noch eine globale Welle phrasenhaften Betroffenheitskitsches, leerer und hohler Solidariätsphrasen und völlig nutzlosen Tränendrüsen-Exhibitionismus durch die social media, Fernsehkanäle und Zeitungskommentare. Als ob Hashtags gegen Schnellfeuergewehre helfen könnten, „We are Paris“- Albernheiten gegen Handgranaten und „Pray for Paris“-Slogans gegen Selbstmordgürtel.

All dieses Betroffenheitsgedöns ändert an der Wirklichkeit leider nicht das Geringste. Es bedient höchstens das verbreite Bedürfnis, seine Betroffenheit  (was ist das eigentlich?) öffentlich zu machen, so ähnlich wie seine allfälligen Verdauungsprobleme in der „Barbara Karlich Show“.

Jene erheblichen Probleme, die das hochtoxische Gebilde „IS“ mittlerweile bereitet, werden so eher nicht zu lösen sein. Dazu müsste der Westen vielmehr gegen das sogenannte Kalifat vorgehen wie gegen den (dem IS übrigens ideologisch recht ähnlichen) Nationalsozialismus: mit Bombern, Panzern und hunderttausenden Soldaten, die jeden Quadratmeter des IS-Territoriums erobern, militärisch besetzen und anschliessend befrieden. Nur so zur Erinnerung für die Jüngeren hier: auch Hitler wurde nicht durch interkulturellen Dialog, Willkommenskultur für die SS oder Solidaritätsbekenntisse niedergerungen, sondern durch  brutale Gewalt.

Anders wird das auch in diesem Falle nichts.

Auch wenn Frankreich demnächst – schon weil das für den schwachen sozialistischen Präsidenten Hollande innenpolitisch notwendig sein wird – nun ein paar Angriffe gegen das Kalifat fliegen wird, ist mit einer wirklich ausreichend machtvollen Invasion des Westens dort nicht zu rechnen.

Und zwar aus einem ganz simplen Grund: weil in einem derartige Feldzug auch hunderte, vielleicht tausende westliche Soldaten in Zinnsärgen von der Front zurückkämen.

Und das sind Bilder, die westliche Politiker, aber auch die Öffentlichkeit nicht lange aushalten würden. Eine Kultur, die schon in kollektive Schnappatmung verfällt, wenn irgendwer „Zaun“ sagt, ist mental völlig ungeeignet, die zwingenden Konsequenzen eines Krieges zu ertragen, so notwendig dieser Krieg auch sein mag. Der Westen, vor allem aber Westeuropa, sind sozusagen strukturell unfähig geworden, sich angemessen zu verteidigen. Eine Gesellschaft, in der das weinerliche Halb-Mädchen den Mann als stilbildende Ikone  abgelöst hat, hat schon längst ihre vorauseilende Kapitulationsurkunde unterfertigt.

Im Grunde bestätigt sich gerade, was die arabisch-islamische Welt im großen und Ganzen über uns denkt: dass vor allem das westliche Europa ein überalterter, dekadenter und kraftloser Kontinent geworden ist, unfähig sich zu wehren und zu kämpfen. Dass die EU nicht einmal im Stande ist, ihre Grenzen nach außen zu kontrollieren und zu beschützen, steht als Symbol für diese Diagnose.

Für jene Muslime in der arabisch-islamischen Welt, die Europas Werte zerstören wollen, ist diese Haltung der Selbstaufgabe eine Einladung: eine Einladung, munter fortzusetzen, was in Paris begonnen wurde. You ain't see nothing yet.

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