Mittlerweile hat die Arroganz der „Besseren Menschen“ bei uns vollends Einzug gehalten. Ganz so wie früher, wo es noch die feine Gesellschaft und den gemeinen Pöbel gab. Früher waren es der Adel, der die Nase über das gemeine Volk rümpfte. Heute sind es die „Besseren Menschen“, die sich über das gemeine Volk echauffieren. Manche tragen mittlerweile die Nase so hoch, dass es ihnen schon hineinregnet.

Die Moral wird vor das Gesetz gestellt. Alle sollen die moralische Einstellung dieser „Besseren Menschen“ teilen. Wer nicht mitmachen will, bekommt die Verachtung dieser moralisch hochstehenden Gesellschaft zu spüren. Die Moral wird mittlerweile weit sichtbar wie eine Monstranz vorne weg getragen. Und wer sich nicht hinter dieser Monstranz versammeln will, ist außen vor.

Das Wort der Abgrenzung heißt heute „Haltung“. Die Menschen sollen „Haltung zeigen“. „Haltung zeigen“ heißt aber auch, man soll sich abgrenzen gegen DIE man Haltung zeigt. Man wird also zum elitären Klübchen derer, die besser als die anderen sind. Dabei wird „Haltung zeigen“ mit dem gleichgesetzt, was diese „bessere Gesellschaft“ als ihre Haltung ansehen.

Wenn es um die Grundgesetze, die Rechtsstaatlichkeit, um Demokratie, um Meinungsfreiheit, um gleiches Recht aller Bürger geht, dann ist das auch richtig und wichtig, dies sollten alle Menschen in einem Land verteidigen und „Haltung zeigen“.

Aber darum geht es ja gerade nicht. Die, die „zu Haltung zeigen“ auffordern, die wollen nicht unsere Grundrechte usw. schützen. Im Gegenteil die wollen ja sogar diese Grundrechte, manchen, ihnen nicht genehmen Leute, aberkennen.

Es gibt also DIE, die denken, sie allein wären im Recht und alles muss so laufen wie sie es für richtig halten - und DIE, die das eben nicht so sehen. Und genau gegen die wird aufgerufen „Haltung zu zeigen“, die zu ächten und aus der Gesellschaft auszuschließen. Dazu wird der Gegenseite einfach auch mal unterstellt, dass SIE die Demokratie, die Grundrechte usw. abschaffen wollen. Dabei geht es eigentlichen darum dass die „Besseren Menschen“ ihre hohen moralischen Werte der gesamten Gesellschaft aufdrücken wollen.

Meist wird dieses „Haltung zeigen“ auch im Zusammenhang mit Demonstrationen, die ihnen nicht genehm sind, ausgesprochen. Man soll da nicht teilnehmen sondern „Haltung zeigen“. Das heißt man soll auf Distanz zu anderen (nicht genehmen) Menschen gehen. Da werden Menschen abgewertet nur weil sie anders denken, und wenn man sich mit denen gemein macht, dann wird man auch selbst mit abgewertet oder gar ausgeschlossen. Man verliert sein Ansehen und manchmal auch seinen Arbeitsplatz. Das Ganze nennt sich übrigens cancel culture. Man arbeitet da mit der Angst vor Ausgrenzung.

Das ist übrigens etwas ganz anderes, als das was man uns bis vor kurzem beigebracht hat. Ab den siebzigern Jahren war es schrecklich, wenn man Menschen abwertete und aus der Gesellschaft ausgrenzte, nur weil sie anders waren, oder anders gedacht haben. Da gingen die Leute dagegen auf die Straße, dass man Menschen abwertete. Heute gehen die Leute auf die Straße und rufen dazu auf dass man Menschen abwertet und ausgrenzt.

Man stelle sich mal vor, es würde dazu aufgerufen, Migranten auszugrenzen, sich nicht mit denen gemein zu machen, sie zu ächten. Was wäre da (zu Recht) der Teufel los. Aber nichtmigrantische Bürger, die darf oder soll man ächten.

Was ist denn das für eine Auffassung?

Da hat sich etwas Unheilvolles aufgebaut.

Aber schauen wir mal genau, wer sind denn die Menschen, die mit der Angst der Ausgrenzung und Abwertung in Schach gehalten werden? Es sind die kleinen Bürger. Die „Besseren Menschen“ wollen also dass man die kleinen Bürger abwertet oder gar ächtet, wenn sie für ihre Belange auf die Straße gehen.

Der Mob hat nichts zu melden.

Die Corona-Demonstration hat es gezeigt, da sind von ganz Links bis ganz Rechts, von Impfgegnern, Esoterikern, Reichsbürgern bis zu den normalen Bürgern, die einfach die Bevormundung satt haben, oder mit dem ganzen moralische Gedöns nichts anfangen können, alles vertreten. Man kann natürlich jetzt sich darüber aufregen, dass solche Demos stattfinden. Aber sie sind mit geltendem Recht vereinbart.

Wer gibt denn jetzt den „Besseren Menschen“ das Recht, dass nur ihre Demos rechtens wären? Wer gibt ihnen das Recht Menschen für die Teilnahme egal an welcher Demo zu verurteilen oder gar auszugrenzen? Die „Besseren Menschen“ sind da ganz schön abgehoben mit ihrem moralischen Zeigefinger und wie sie damit die Menschen manipulieren wollen.

Was kann man dann mit diesem „Haltung zeigen“, und andere ausschließen die sich dieser Haltung nicht anschließen, denn eigentlich erreichen?

Vielleicht kann man das Volk (kleinen Bürger) damit ein wenig ruhig halten. Aber auf Dauer wird das auch nicht gehen. Denn wenn man weiterhin den Hass auf das eigene Volk, bzw. den kleinen Bürger schürt, oder sich lächerlich über die Leute macht, wie das gerade stattfindet, dann kann sich das auch mal in einem lauten Knall entladen.

Man kann eben die Gesinnung, die Meinung, die Gedanken anderer Menschen nicht unterbinden. Man kann NUR erreichen, dass diese Leute sich eben nicht mehr äußern. Aber sie sind dann ja immer noch da.

Wie heißt es so schön: Die Gedanken sind frei!

Die Gefahr, dass die Demokratie abgeschafft wird, kommt eben nicht von unten oder Rechts, wie man uns immer weismachen will. Die Gefahr kommt doch von denen, die denken, dass sie den anderen ihren Willen im Namen ihrer moralischen Vorstellung aufdrücken dürfen.

Wenn nur noch für die Minderheiten Politik gemacht werden soll, dann wird das in einer Demokratie schwer gehen. In einer Demokratie muss man genügend Menschen davon überzeugen, das mitzutragen. So war es zumindest die ganzen Jahre. Heute scheint dies vorbei. Heute arbeitet man nicht mehr mit Überzeugung, sondern lieber mit Beschimpfung und ist dann erstaunt, dass das „Volk“ auch mal aufmuckt.

Am liebsten wären den „Besseren Menschen“ natürlich, wenn sie das Volk gar nicht mehr fragen müssten. Die wählen ja eh immer falsch, also warum noch wählen lassen?

Dieses Denken ist eigentlich näher an der Feudalherrschaft, so wie früher, wo nur ein paar Fürsten das Sagen hatten und über das Geschick ihrer Untertanen bestimmten. Demokratisch ist das nicht.

Oder was ja jetzt ganz groß im Kommen ist, „der Sozialismus“. Wobei im Sozialismus sollte ja eigentlich gerade dem kleine Bürger die Macht gehören. So ist es zumindest gedacht. Allerdings ist es in allen sozialistischen Staaten eben nicht so. Auch da regiert und bestimmt ein ein „elitäres Klübchen“, die sich alles erlauben dürfen, über das Volk.

Was man aber auf jeden Fall mit diesem bashing der Bürger erreicht, man sät Misstrauen und Unmut. Und zwar in die Politik und in die Medien. Der kleine Bürger sieht sich nicht mehr von DENEN vertreten. Und je mehr Hass ihm entgegenschlägt, je mehr er beschimpft wird, weil er AUCH demokratische Einflussnahme verlangt umso mehr Unmut tut sich da auf.

Was kann man also tun? Wenn wir weiterhin in einer Demokratie leben möchten sollte man auch auf den kleinen Bürger, und seine Belange Rücksicht nehmen. Denn der ist ja auch der Wähler, er kann also mitentscheiden, wie die nächste Regierung aussieht.

Es muss wieder eine verständliche Politik für den Normalbürger gemacht werden. Selbstverständlich muss man auch für Minderheiten eintreten, aber bitte nicht NUR und ausschließlich für Minderheiten. Und ganz sicherlich sollten die moralisch so Hochstehende auch mal wieder von ihrem hohen Ross herunter kommen und darüber nachdenken, dass es in einer Demokratie auch andere Menschen geben darf, auch solche, die eben diese hohe moralische Einstellung nicht teilen wollen. Die völlig andere Ansichten haben. Das ist in einer Demokratie völlig rechtens.

Warum ist wohl der moralische Zeigefinger nicht sehr beliebt? Er ist ein Sinnbild der Überheblichkeit. Und das kommt eben nicht gut an.

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