Inzidenzen: Ich sehe was, was du nicht siehst

David Travis https://unsplash.com

Neuerdings wird in den sozialen Medien von Corona-Verharmlosern unter aktuellen Corona-Meldungen gerne eine Grafik ähnlich wie diese hier gepostet:

So auch kürzlich, als die WAZ eine Karte der Stadt Mülheim mit den Inzidenzen der einzelnen Stadtteile veröffentlicht hatte. Dazu wird dann noch auf eine Schwurbler-Seite im Netz verwiesen, auf der Dr. Wodarg seine haarsträubenden Ansichten vertreten darf und die tödliche Seuche als harmlos dargestellt wird. In den FAQ der Internetseite werden dermaßen viele Lügen verbreitet, dass es sich kaum lohnt, sich länger als fünf Minuten damit zu beschäftigen – deshalb werde ich darauf jetzt nicht verlinken.

Was diese Grafik bezwecken soll, ist schon klar: suggerieren, dass eine Inzidenz von 100 eigentlich kaum der Rede wert ist, weil sie auf der Grafik eben kaum sichtbar ist.

Doch die Stadtkarte von Mülheim offenbarte noch mehr. Zwar liegt die Inzidenz der Stadt mittlerweile bei 224,5 (Stand 17.04.2021), aber in den einzelnen Stadtteilen sind eklatante Unterschiede erkennbar. So beträgt die Inzidenz im vornehmen Mülheim-Saarn 108,3, im gutbetuchten Menden-Holthausen 117,4 und in Styrum – einem recht ärmlichen Stadtteil mit exorbitant hohem Migrationsanteil – katastrophale 475,4. In Styrum ist die Anzahl der Infizierten also 4 x so hoch wie in den anderen Stadtteilen. Dass Corona vor allem die einkommensschwachen Bevölkerungsgruppen trifft, ist schon seit längerem bekannt. Weitere Infos dazu hier und hier und hier.

Um mir selbst ein Bild von der Lage in Styrum machen zu können, habe ich einfach mal die Schwurbler-Grafik als Grundlage genommen und die Inzidenz von Styrum sichtbar gemacht:

Derzeit liegt der R0-Wert bundesweit knapp über 1, d.h. eine Person steckt eine weitere an. In Styrum sehen wir aber, dass sich 4 x so viele Menschen anstecken wie in anderen Stadtteilen. Deshalb könnte die Grafik in einer Woche so aussehen:

Laut RKI liegt die Dunkelziffer bei einem Faktor von 4 bis 6. Da wir es mittlerweile überwiegend mit der aggressiveren Variante B.1.1.7 zu tun haben, nehme ich mal den Faktor 5. Wenn ich also auch noch die Dunkelziffer darstelle, könnte sich für Styrum nächste Woche dieses Bild ergeben:

Weil diese ganzen Zahlen aber im Grunde ein Infektionsgeschehen darstellen, das sich bereits vor ca. einer Woche ergeben hat, halte ich die letzte Grafik für ziemlich realistisch, um das derzeitige Risiko in Styrum einzuschätzen.

Nun kann man argumentieren, dass aber nicht alle rot markierten Männchen in der Grafik schwer erkranken. Das ist schon richtig. Nur werden diese dazu beitragen, dass die Seuche eben auch Angehörige der Risikogruppen trifft – dazu gehören immerhin bis zu 40% der Bevölkerung. Dass das bereits der Fall ist, zeigt der Klinik-Monitor. Die Intensivstationen beider Mülheimer Krankenhäuser sind inzwischen voll ausgelastet. Es sieht also nicht so gut aus.

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