Hegels Dialektik und die Widersprüche der Freiheit – ein aktueller Vergleich

Stell dir vor, jemand behauptet: *„Bei uns soll alles frei sein – aber nur für die, die schon immer dazugehört haben.“* Klingt das nicht nach einem Widerspruch? Genau hier setzt Hegels Dialektik an, und sie passt erstaunlich gut zu den Debatten, die heute in der Politik geführt werden.

Hegel, ein deutscher Philosoph des frühen 19. Jahrhunderts, argumentierte, dass Fortschritt entsteht, wenn gegensätzliche Positionen aufeinandertreffen. Seine Dialektik funktioniert so: Es gibt eine These – zum Beispiel *„Freiheit ist das höchste Gut“* – und dann kommt die Antithese, also der Widerspruch: *„Aber absolute Freiheit führt zu Chaos, wir brauchen Ordnung!“* Am Ende, so Hegel, entsteht daraus eine Synthese, eine neue Lösung, die beide Seiten berücksichtigt – etwa *„Freiheit ja, aber mit Regeln, die für alle gelten“*.

Doch was passiert, wenn die Synthese ausbleibt? Wenn eine Seite den Widerspruch nicht aushält und stattdessen sagt: *„Lieber schränken wir die Freiheit ein, Hauptsache, es bleibt alles beim Alten“*? Genau das erleben wir heute in der politischen Diskussion. Viele fordern: *„Deutschland soll sicher sein – notfalls mit weniger Freiheit, notfalls mit mehr Kontrolle, notfalls mit Abschottung.“* Die Angst vor Veränderung, vor Fremdem, vor dem Unbekannten führt dazu, dass einige bereit sind, Grundrechte einzuschränken – solange nur *„die eigenen Leute“* davon profitieren.

Hegel würde vielleicht sagen: *„Ihr bleibt stecken im Widerspruch, statt ihn zu überwinden.“* Denn seine Dialektik lebt davon, dass Konflikte nicht durch Unterdrückung, sondern durch Auseinandersetzung gelöst werden. Wenn heute einige *„Freiheit nur für uns“* fordern, verharren sie in der Antithese. Sie weigern sich, den nächsten Schritt zu gehen: eine Gesellschaft zu gestalten, in der Freiheit und Sicherheit nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern gemeinsam gedacht werden.

Die Herausforderung wäre also, Hegels Prinzip anzuwenden: Wie schaffen wir es, dass Freiheit nicht zur Spaltung führt, sondern zur gemeinsamen Lösung? Dass wir nicht in der Angst vor dem Fremden verharren, sondern fragen: *„Wie können wir eine Gesellschaft bauen, in der alle Platz haben – ohne dass jemand seine Freiheit opfern muss?“* Das wäre eine Synthese, die Hegel wohl gutgeheißen hätte. Doch dazu müsste man erst einmal bereit sein, den Widerspruch auszuhalten – und nicht einfach die Freiheit der einen gegen die Sicherheit der anderen auszuspielen.

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