Die Opferrolle ist ihr Lieblingskostüm.

In Sachsen‑Anhalt spielt die AfD wieder ihr Lieblingsstück: „Wir wollten ja regieren, aber leider hat uns das böse Establishment nicht gelassen.“ Ein Drama in Dauerschleife, mit denselben Figuren, denselben Tränen, derselben künstlichen Empörung. Man könnte fast meinen, die Partei habe ein festes Ritual: Erst groß ankündigen, man sei bereit für Verantwortung – und sobald die Realität anklopft, hektisch nach einem Sündenbock suchen, der die eigene Unfähigkeit verdeckt wie ein schlecht sitzender Vorhang.

Denn regieren, das ist ja so eine Sache. Regieren bedeutet Kompromisse, Verhandlungen, Realitätssinn. Alles Dinge, die in der AfD ungefähr so beliebt sind wie Faktenchecks auf Telegram. Die Partei will nicht regieren – sie will herrschen. Und wenn die Zahlen, die Partner oder die demokratischen Spielregeln nicht exakt in die eigene Machtfantasie passen, dann wird eben erklärt, dass das System kaputt sei. Praktisch: Man muss nie Verantwortung übernehmen, man kann immer behaupten, man sei „gehindert“ worden.

So sucht die AfD in Sachsen‑Anhalt nun fieberhaft nach einem Schuldigen, der die Bühne für den nächsten großen Auftritt freimacht: Neuwahlen! Drama! Empörung! Ein neuer Versuch, die Macht zu erlangen, ohne sich mit der lästigen Realität herumzuschlagen. Die Partei wirkt wie ein Spieler, der nur dann weiterspielen will, wenn er die Regeln selbst schreiben darf – und wenn nicht, dann wird das Brett umgeworfen.

Die Opferrolle ist dabei ihr Lieblingskostüm. Es sitzt perfekt, es raschelt dramatisch, und es erlaubt, jede eigene Entscheidung als „erzwungen“ darzustellen. Die Logik dahinter ist altbekannt: Wer sich permanent als Opfer inszeniert, kann jede Eskalation als „Notwehr“ verkaufen. Historiker würden sagen: Das ist die klassische autoritäre Machtstrategie – die Tat von 1933, die gleiche Sehnsucht nach einem Moment, in dem man endlich „durchregieren“ kann, ohne störende demokratische Bremsen.

Am Ende bleibt ein Bild: Eine Partei, die nicht regieren will, sondern regiert werden möchte – von der Geschichte, von der Empörung, von einem Moment, der ihr absolute Macht verleiht, weil sie mit normaler Politik nichts anfangen kann. Und deshalb sucht sie den Sündenbock. Nicht, um Probleme zu lösen, sondern um die Bühne für den nächsten Machttraum freizuräumen.

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