Die Wortschöpfung "Fake News" geistert nicht erst seit Donald Trump sie zu einer seiner mächtigsten Waffen gemacht hat durch alle Mediendebatten. Schon davor protestierten deutsche AfD-AnhängerInnen und alles was noch so rechts von ihnen herum krebst gegen die "Lügenpresse" - und zwar so laut, dass es der Begriff ursprünglich sogar ins Englische schaffte und erst während der Wahlkampagne des US-Präsidenten ersetzt wurde.

Dabei hat Trump nach den Attacken in London selbst eindrucksvoll demonstriert, dass die größte Gefahr nicht von medialen Lügen ausgeht. Lügen sind leicht aufzudecken, sie sind widerlegbar und eine Richtigstellung kann eingeklagt werden, zugegebenermaßen meistens erst, wenn das mediale Echo der ursprünglichen Behauptung lange verklungen ist. Die wirkliche Gefahr liegt jedoch in den Halbwahrheiten. Sie bewegen sich in Grauzonen, gegensätzliche Standpunkte und ergänzende Informationen werden bewusst weggelassen, ohne das sich der Urheber konkret einer Lüge schuldig machte.

"At least 7 dead and 48 wounded in terror attack and Mayor of London says there is "no reason to be alarmed!""(1) "Mindestens sieben Tote und 48 Verletzte durch einen Terroranschlag und der Bürgermeister von London sagt 'kein Grund alarmiert zu sein!'" Mit diesem Tweet reagierte Trump auf eine Rede der Londoner Bürgermeisters Sadiq Khan und er log nicht. Khan sagte diesen Satz tatsächlich so, doch Trump unterschlägt vorsätzlich, dass Kahn damit die BürgerInnen ob der erhöhten Polizei- und Militärpräsenz in der Stadt beruhigte und keinesfalls die Anschläge herunterspielte.

Es ist sehr viel schwerer sich gegen Halbwahrheiten zu behaupten als gegen Lügen. Nicht immer ist so klar zu erkennen und zu ergänzen, welche Informationen fehlen. Juristisch, medienethisch und moralisch bewegen wir uns in Zeiten schnelllebiger Echtzeit-Nachrichtenkonsumation immer mehr auf einem schmalen Grad. Es bleibt nur der Apell an die JournalistInnen dieser Welt und ihre Berufsehre. Und die Erinnerung an uns KonsumentInnen, dass je kürzer eine Nachricht zusammengefasst ist, sie umso weniger Platz für vielseitige Analyse bietet.

(1) http://edition.cnn.com/2017/06/03/politics/donald-trump-london-travel-ban/

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G. Szekatsch

G. Szekatsch bewertete diesen Eintrag 07.06.2017 21:45:16

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