Die Wahrheit über das Schnitzel ist Kindern zumutbar

Das ging wohl ziemlich daneben: Vor kurzem wollte die Agrarmarkt Austria (AMA) ein Buch auf den Markt bringen, um Kindern die Herstellung von Fleisch näherzubringen. Das Buch, das auch online einsehbar war, ließ allerdings nicht nur Tierliebhaber fassungslos zurück. Der Werberat sprach von „Irreführung von Kindern“. Durch die textliche und bildliche Darstellung werde ein verharmlosendes Bild der Fleischproduktion und einer Schlachtung vermittelt, das die kindliche Vorstellungskraft überfordere, hieß es. Das Buch musste schließlich vom Markt genommen werden.

Nur ganz kurz zum Inhalt: In dem Buch werden Nutztiere dargestellt, die sich darauf freuen und sogar stolz sind, für die Fleischproduktion geschlachtet zu werden. Auszug gefällig?

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Allein diese haarsträubende Passage macht deutlich, dass der Werberat völlig Recht hat. Man kann sich nur fragen, wer bei der AMA auf die Schnapsidee gekommen ist, den Fleischkonsum auf diese Weise nicht nur zu rechtfertigen, sondern auch zu bewerben. Den Weg zur Schlachtung in dieser Form zu idealisieren ist nicht nur eine Irreführung. Es ist im Hinblick auf das Tierleid, das vor allem in der Intensivtierhaltung dahintersteht, auch zynisch.

Dabei ist der grundsätzliche Gedanke, Kindern das Thema Fleischproduktion näher zu bringen, ein sehr guter. Allerdings ist die Sache natürlich heikel. Einerseits soll Kindern keine heile Welt vorgegaukelt werden - denn die gibt es weder in der Tierhaltung noch im Schlachthaus. Es ist Kindern ab einem gewissen Alter sehr wohl zumutbar zu wissen, dass für ihr Schnitzel ein Tier sein Leben lassen musste. Andererseits braucht es dazu sehr viel Empathie und pädagogisches Fingerspitzengefühl.

Ich bin kein Pädagoge, aber dass es wichtig wäre, Kindern mehr Wissen über Ernährung und Gesundheit zu vermitteln, sagt mir der gesunde Menschenverstand. Immer wieder werden wir mit alarmierenden Zahlen über die ungesunde Lebensweise und das damit einhergehende Problem des Übergewichts bei Kindern konfrontiert. Auch die Schulen sollten darauf reagieren. In diesem Zusammenhang wäre es wichtig, den Lehrplan mit dem Thema Tierhaltung und Produktion von Lebensmitteln zu erweitern. Um aus Kindern die mündigen und vor allem gesunden Konsumenten von morgen werden zu lassen, ist eine altersgerechte Vermittlung solcher (lebens-)wichtiger Inhalte auf jeden Fall unerlässlich.

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Charlotte

Charlotte bewertete diesen Eintrag 01.09.2017 18:36:43

MartinMartin

MartinMartin bewertete diesen Eintrag 31.08.2017 23:29:03

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