Bei uns am Land sagen sie: "Deppert kannst sein, aber auskennen musst du dich!" Wer sind jetzt die Obergscheiten? Sind das die aus der Wissenschaft oder die Obrigkeit aus der Politik? Oder reden die nur gscheit daher und sind sau-deppert? Sie glauben jedenfalls, dass ihre Intelligenz ausreicht, um das Volk zu führen. Gleiches denken sich auch die Zweifelnden, Nörgelnden, Aufbegehrenden, Leugnenden, nämlich dass sie den Durchblick haben und unbeirrt den ganzen Blödsinn aus den Tiefen des Internets glauben. Bis ins Krankenhaus, die Intensiv-Station, ja bis in den Tod!

Auch wenn die staatlichen politischen und wissenschaftlichen Institutionen nach besten Wissen und Gewissen Maßnahmen aushecken und zaghaft vollstrecken: richtig souverän agieren sie nicht. Da wirkt das Drittel im Verweigerung-Modus viel entschlossener, aggressiver und widerständiger. Es sieht so aus, als ob die dumme oder ängstliche, aber aufgebrachte Minderheit die Oberhand gewonnen und die schweigende Mehrheit in die innere Verbannung mitgenommen hätte. Und so sitzt die ganze Republik daheim und gibt sich so hilflos wie noch nie. Die Demokratie muss sich unerhörte Vorwürfe gefallen lassen und traut sich nicht - aus falsch verstandener Toleranz - auf den Tisch zu hauen. Man könnte von einer post-sozialen Problem-Hypnose sprechen.

O Hill

"Kennst di aus?" sagt man, wenn man Wahrnehmungsdefizite hinterfragen will. Schon seit einiger Zeit werde ich die Vermutung nicht los, dass sich in dem Chaos so richtig niemand mehr auskennt. Nicht nur die Mutanten springen mit uns herum, auch die staatlichen Verordnungen wuseln hinterher. Und die ganze Zeit blökt die pure, aber laute Dummheit gemischt mit Paranoia aus den Medien.

Nun wissen wir: wenn jemand paranoid ist, heißt es nicht unbedingt, dass niemand verfolgt wird... Wenn allerdings Paranoia sich mit Blödheit paart, dann wird es eng. Wie geht man mit jemanden um, der sich etwa von Panzern bedroht fühlt? Ich hatte einen blitz-gescheiten Diplomingenieur in meinem Freundeskreis, der dieses Problem hatte. Er litt an eben diesem Verfolgungswahn. Nur mit Psychopharmaka konnte er seinen Beruf bewältigen. Man konnte ihm zureden und sagten: sei ned so wahnsinnig, da kommen keine Panzer! Dann fühlte er sich verächtlich behandelt. Wenn man aber zustimmte: Ja, sie kommen gleich - dann war das für ihn eine "Verarschung". Wie also ist der psychologisch richtige Umgang? Ganz einfach: das Gefühl ist für ihn ja real und er hat jedes Recht auf seine Gefühle und seien sie noch so abwegig. Also: Lieber Konrad, du fühlst dich wieder einmal verfolgt. Dann war er dankbar, weil er verstanden wurde.

Genau so müsste die hilflose Republik mit den 30% im Impfwiderstand umgehen: Verständnis zeigen und nicht lächerlich machen. Gleichzeitig Klarheit in den Regeln und nicht-repressive Konsequenzen ziehen. Vielen Leuten ist der Stress von zwei Jahren Pandemie einfach zu viel. Sie glauben sich damit schützen zu können, indem sie den Kopf in den Sand stecken. Peter Sloterdijk schreibt im Buch "Nach Gott", dasd Paranoide weder ihr "in" noch ihr "aus" wirklich erfassen trauen, weil es für sie zu bedrohlich erscheint: Ihr IN ist nämlich vermint und das AUS ist vermauert.

Wir können die tiefe Spaltung unserer Gesellschaft - Sloterdijk spricht vom "Hiatus" - nur schließen, wenn die Mehrheit auf die entsetzte, traumatisierte und verständlicherweise aufgebrachte Minderheit mit sehr viel Empathie ganz offen zugeht und sie verstehen lernt. Nur so findet sich ein Ausweg aus der Sackgasse der Hilflosigkeit.

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Albert Holper

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Walter Kellner

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